Nofretete bleibt in Berlin: Warum die Büste nicht nach Ägypten reisen durfte

Ägypten wollte die Büste der Nofretete für eine Ausstellung ausleihen, Berlin sagte Nein. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 16/6502) vom 21. September 2007 fragte, worauf die Absage beruht. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 16/6704) kam mit Schreiben des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vom 10. Oktober 2007.

Worum es ging

Laut Fragestellern hatte die Kampagne „Nofretete geht auf Reisen“ im April 2007 den damaligen Kulturstaatsminister Bernd Neumann aufgefordert, die Büste vorübergehend nach Ägypten auszuleihen. Neumann lehnte ab, weil Fachleute „ernstzunehmende konservatorische und restauratorische Bedenken gegen einen längeren Transport“ geäußert hätten.

Die Fragesteller zweifelten, ob das der wahre Grund war. Sie zitierten den damaligen Direktor des Ägyptischen Museums, Dietrich Wildung, der laut ARD gesagt habe, eine Ausleihe könne in Ägypten „die Emotionen der Massen“ wecken. Der ägyptische Botschafter habe in einem Interview eine gemeinsame ägyptisch-deutsche Expertenkommission vorgeschlagen und auf den sicheren Transport der Ausstellung „Ägyptens versunkene Schätze“ verwiesen.

Kalkstein mit Gips

Die Bundesregierung stützte sich auf Untersuchungen der Staatlichen Museen zu Berlin. Danach besteht die Büste entgegen früheren Darstellungen nicht aus Kalkstein, sondern vermutlich aus einem Kalksteinkern mit aufmodellierten Gipsauflagen, vor allem an den Schultern, an der Krone und im Gesicht. Computertomographische Aufnahmen zeigen den Schichtaufbau. Gerade der lasse befürchten, dass Transporte und schon geringe Klimaveränderungen zu Veränderungen und Verlusten am Material führen können.

Das Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen wurde mit einem Gutachten zur Transportfähigkeit beauftragt. Die nötigen zusätzlichen Untersuchungen dauern nach seiner Einschätzung mindestens ein Jahr.

Die übrigen Antworten

  • Die Zusicherung des ägyptischen Antikenchefs Zahi Hawass, Ägypten werde alle Garantien für Rückkehr und Sicherheit geben, zog die Regierung nicht in Zweifel.
  • Der Vergleich mit den „versunkenen Schätzen“ sei nur zulässig, wenn die Materialrisiken gleich wären.
  • Eine Expertenkommission mit Ägypten sagte die Regierung nicht zu. Die Ausleihe sei Sache des Museums, die Ergebnisse könnten aber in der Fachöffentlichkeit diskutiert werden.
  • An „Spekulationen“ über mögliche Reaktionen in Ägypten beteiligte sie sich nicht.
  • Über eine Ausleihe entscheide der Eigentümer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Späterer Stand

Laut Wikipedia ist die Büste seit dem 16. Oktober 2009 im wiedereröffneten Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Ägyptische Behörden verlangen seit 1924 regelmäßig ihre Rückgabe.

Einordnung

Die Antwort begründet die Absage rein konservatorisch und verweist bei den politischen Fragen auf Museum und Stiftung. Um die Rückgabe von Kulturgut geht es auch in unserem Beitrag zum Kueka-Stein im Tiergarten.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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