Eine „Aktion Billiges Telefon“ hatte im Januar 1978 Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Postminister Kurt Gscheidle beim Bundeskanzler eingelegt. Im April 1978 griffen Abgeordnete die Vorwürfe in einer Kleinen Anfrage mit 19 Punkten auf (Kleine Anfrage, Drucksache 8/1746). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage: Das Postministerium schickte die Antwort (Drucksache 8/1809) am 11. Mai 1978.
Die Ausgangslage
Laut den Fragestellern hatte die Post 1971 noch unbegrenzte Ortsgespräche in Nahbereichen mit 25 Kilometern Radius in Aussicht gestellt, 1975 dann nur noch 20 Kilometer und einen Vier-Minuten-Takt angekündigt. Sie fragten nach Kosten, Gewinnen, Technik und geschlossenen Postämtern.
Die Antwort
- Gesamtlage entscheidet: Für das neue Tarifsystem zähle nur die finanzielle Gesamtsituation der Post, nie der Ertrag eines einzelnen Dienstzweigs.
- Acht Minuten nur im Versuch: Der Takt sei 1976 nicht abrupt auf acht Minuten verlängert worden. Angekündigt worden seien nur ganztägige Versuche mit dem schon für den Nachttarif geltenden Acht-Minuten-Takt, begrenzt auf Versuchsgebiete und ein Jahr.
- Kritische Fachleute: Ein Fachaufsatz von 1972 beruhe auf überholter Technik und Kosten. Der Verband Deutscher Postingenieure sei „von falschen Voraussetzungen“ ausgegangen und habe seine Meinung revidiert.
- Dauerverbindungen: Alle 16 Millionen Hauptanschlüsse ständig zu überwachen, sei weder organisatorisch noch finanziell darstellbar. Dauerverbindungen sollten auch nicht verhindert, aber nach Dauer bezahlt werden.
- Kosten der Umstellung: Nicht 80, sondern etwa 35 Prozent der Münzfernsprecher müssten umgestellt werden, für rund 1 Million DM. Die Zähleinrichtungen in den Vermittlungsstellen kosteten 400 Millionen DM. Die alte EMD-Technik werde noch über das Jahr 2000 hinaus laufen, weil die neue EWS-Technik erst gerade das Versuchsstadium verlassen habe.
- 1,4 Milliarden: Die Angabe von 1977, ohne Zeittakt müsse die Post 1,4 Milliarden DM ins Netz investieren, sei richtig gewesen.
- Gewinn: Der Fernsprechdienst habe 1976 eine Kostenüberdeckung von rund 3,6 Milliarden DM erzielt. Daraus einen Gewinn von 6 Milliarden DM zu konstruieren, sei falsch. Ein Ausgleich zwischen den Dienstzweigen sei laut Bundesverfassungsgericht zulässig.
- Postämter auf dem Land: Die Zahl von 5084 aufgehobenen Dienststellen sei richtig wiedergegeben, daraus folge aber kein schlechterer Service.
- Rundfunkgebühren und Briefdienst: Die Rundfunkanstalten hätten 1972 selbst entschieden, die Gebühren ab 1976 einzuziehen. Der Rückgang der Pro-Kopf-Leistung habe im Briefdienst 7,7 und im Paketdienst 14,8 Prozent betragen, nicht 9,8 und 25 Prozent.
Hintergrund
Kurt Gscheidle war von 1974 bis 1982 Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen (Wikipedia: Kurt Gscheidle). Ein Ortsgespräch kostete in Deutschland bis Anfang 1980 einmalig 23 Pfennig ohne Zeitbegrenzung (Wikipedia: Ortsgespräch). Mehr zu Postgebühren: Tastentelefon zur Miete: Was die Bundespost 1984 dafür verlangte.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 8/1746 vom 26.04.1978
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 8/1809 vom 17.05.1978
- Wikipedia: Kurt Gscheidle
- Wikipedia: Ortsgespräch
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
