Jahrelang hatte die Bundesregierung eine große Versuchsanlage für Bahn- und Magnetschwebetechnik im Donauried geplant. Nach Presseberichten wurde das Projekt im Herbst 1977 plötzlich zurückgestellt, die Fragesteller wollten Kosten und Gründe wissen (Kleine Anfrage, Drucksache 08/1093). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage durch den Bundesminister für Forschung und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesverkehrsminister mit Schreiben vom 10. November 1977 (Antwort (Drucksache 08/1176)).
Was die Fragesteller wissen wollten
Im Vorspann erinnerten die Fragesteller daran, dass der Forschungsminister bis zuletzt erklärt habe, das Projekt sei von großer Bedeutung, der Standort geeignet und eine baldige Verwirklichung gewünscht. Nach neuesten Meldungen werde es nun wegen des hohen Investitionsvolumens zurückgestellt. Gefragt wurde in fünf Punkten nach den bisherigen Kosten, nach dem technologischen Vorsprung bei der Magnetschwebetechnik und nach der Finanzplanung. Außerdem fragten sie, wie sich der Aufschub mit Bundesmitteln von nach ihrer Schätzung über 20 Millionen DM für eine kurze Demonstrationsstrecke auf der Internationalen Verkehrsausstellung 1979 in Hamburg vertrage.
Was die Regierung antwortete
- Kosten: Bisher seien 2,54 Millionen DM für das Raumordnungsverfahren und die Vorbereitung von Planfeststellung und Flurbereinigung angefallen, 0,81 Millionen DM für den Kauf von 17,9 Hektar Land, 4,78 Millionen DM für den am 4. Dezember 1973 gebildeten Baustab und 0,13 Millionen DM für Versuchsbohrungen. Zusammen sind das 8,26 Millionen DM, eine Summe nennt die Antwort selbst nicht.
- Finanzplanung: Schon 1972 seien 160 Millionen DM für die Jahre 1973 bis 1976 eingeplant worden, 1974 habe man die Planung bis 1978 auf 170 Millionen DM fortgeschrieben. Es treffe nicht zu, dass das Projekt nur aus Geldgründen nicht verwirklicht werde.
- Verzögerungen: Vor allem Einsprüche im Raumordnungsverfahren und eine verzögerte Beratung des Gesetzes zur Errichtung der Anlage hätten den Bau aufgehalten. Wegen angekündigter Einsprüche im Planfeststellungsverfahren sei ein rascher Abschluss nicht zu erwarten.
- Magnetschwebetechnik: Der für 1977 geplante Vergleich der konkurrierenden Magnetbahnsysteme werde nun anhand von Berechnungen, Prüfstandsversuchen und Werksanlagen statt auf der Versuchsstrecke durchgeführt. Zeit- und kostengünstigere Zwischenlösungen sollten helfen, den technologischen Vorsprung zu halten.
- Standort: Das Donauried gelte weiter als besonders geeignet, der Standort werde nicht aufgegeben.
- Zukunftsinvestitionen: Für das Programm für Zukunftsinvestitionen seien vier Bahnprojekte vorgeschlagen worden, darunter die Versuchsanlage. Aufgenommen worden seien die drei anderen: eine Verbindungsbahn für die Verkehrsausstellung in Hamburg, eine Erprobungsstrecke für neue Oberbauformen und ein Rollprüfstand.
Die Antwort ließ die Kostenschätzung der Fragesteller für die Hamburger Ausstellungsstrecke unkommentiert. Sie stellte die Magnetbahn weiterhin als besonders geeignet für überregionale Verkehrsaufgaben dar.
Späterer Stand
Laut Wikipedia sollte die Anlage zwischen Dillingen und Donauwörth entstehen. Angekündigt worden war sie im Herbst 1971 als 60 Kilometer lange Strecke für etwas mehr als 100 Millionen D-Mark, sie scheiterte letztlich am Widerstand in der Bevölkerung. Getestet wurde der Transrapid stattdessen auf der Versuchsanlage im Emsland, die von 1980 bis 1987 gebaut und Ende 2011 stillgelegt wurde.
Weitere Kleine Anfragen mit Antworten der Bundesregierung gibt es in der Übersicht auf severint.net, etwa zu Luftschiffen und Cargolifter oder zu Seilbahnen im Nahverkehr.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 08/1093
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 08/1176, Schreiben vom 10. November 1977
- Nationale Versuchsanlage für Verkehrstechniken (Wikipedia)
- Transrapid-Versuchsanlage Emsland (Wikipedia)
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
