Ein Bus in Sargform ist ein ziemlich unmissverständliches Wahlkampffahrzeug. Zoltan Istvan fuhr 2015 damit durch die USA, um über ein Thema zu sprechen, das in politischen Debatten selten ganz oben steht: den Tod – und die Hoffnung, ihn mit Wissenschaft immer weiter hinauszuschieben. Der „Immortality Bus“ machte die Transhumanist Party bekannt. Hinter der spektakulären Inszenierung entstand eine politische Organisation mit einem ungewöhnlichen Anspruch: Forschung, Gesundheit und technische Möglichkeiten sollen das Zentrum der Politik bilden.
2014: Eine Partei für ein anderes Zukunftsversprechen
Istvan gründete die Transhumanist Party am 7. Oktober 2014. Auf seiner archivierten ursprünglichen Parteiseite dokumentiert er diese Anfänge und seine Präsidentschaftskandidatur von 2016. Das dort erhaltene Programm verband Lebensverlängerung mit einer deutlichen Aufwertung von Wissenschaft und Technologie. Zugleich war die frühe Organisation stark auf ihren Gründer zugeschnitten: Seine Kandidatur, seine Auftritte und das neue Parteiprojekt liefen eng zusammen.
In einem Interview mit Inverse von November 2015 erklärte Istvan die Funktion seines ungewöhnlichen Busses. Er sollte Aufmerksamkeit erzeugen und eine Debatte über Forschungsprioritäten anstoßen. Statt immer neuer Kriege sollten Krankheiten wie Krebs und Alzheimer stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Aussicht auf Unsterblichkeit war die große Schlagzeile; mehr Geld für Forschung das unmittelbarere politische Anliegen.
Die Ideen sind älter als die Partei
Transhumanismus ist eine breite Denkrichtung. Sie beschäftigt sich damit, menschliche Fähigkeiten und Lebensbedingungen mithilfe von Technik grundlegend zu verändern. Die US-Partei ist eine organisatorische Ausprägung dieser Ideenwelt, keine Dachorganisation sämtlicher Transhumanisten.
Der Philosoph Nick Bostrom beschreibt in seiner Geschichte des transhumanistischen Denkens, wie sich entsprechende Netzwerke lange vor der Parteigründung entwickelten. 1988 erschien erstmals das Magazin Extropy; 1992 folgte das Extropy Institute von Max More und Tom Morrow. Bostrom und David Pearce gründeten 1998 die World Transhumanist Association. In diesem Milieu trafen philosophische Fragen, technische Zukunftsentwürfe und unterschiedliche politische Überzeugungen aufeinander. Wer sich für Transhumanismus interessiert, übernimmt damit also keineswegs automatisch das Programm einer bestimmten US-Partei.
Der Wechsel von Istvan zu Stolyarov
Nach der Präsidentschaftswahl 2016 gab Istvan die Führung ab. Seit November 2016 führt Gennady Stolyarov II die Organisation. Die offizielle Darstellung der Parteiführung beschreibt ihn als Versicherungsmathematiker, Autor und Herausgeber der Publikation The Rational Argumentator. Unter seinem Vorsitz erhielt das Projekt eine stärker auf dauerhafte Mitgliedschaft, Programmarbeit und öffentliche Diskussion ausgerichtete Form.
Die Aufgabenverteilung reicht dabei über die üblichen Funktionen von Vorsitz und Schriftführung hinaus. Es gibt Zuständigkeiten für Wissenschaft, Lebensverlängerung, Technologievermittlung und die Rechte empfindungsfähiger Wesen. Schon diese Ressorts verraten viel über das Selbstverständnis: Hier versucht eine kleine Organisation, eine Zukunftsdebatte politisch zu organisieren.
Mitmachen können auch Menschen außerhalb der USA
Die Mitgliedschaft ist nach den Parteiregeln in den FAQ kostenlos. Voraussetzung ist die Zustimmung zu grundlegenden gemeinsamen Idealen. Auch Personen ohne US-Wahlrecht können als „Allied Members“ teilnehmen, darunter Menschen in anderen Ländern. Sie dürfen sich an internen Beratungen und Abstimmungen beteiligen.
Das ergibt eine bemerkenswerte Konstruktion: Eine amerikanische politische Organisation lässt ihre Vorstellungen von einem internationalen Kreis mitentwickeln. Die interne Mitgliedschaft schafft selbstverständlich kein Wahlrecht bei amerikanischen Staatswahlen. Politisch ist diese Offenheit dennoch aufschlussreich. Sie behandelt wissenschaftlichen Fortschritt und Zukunftsfragen als Themen, zu denen auch Menschen jenseits nationaler Grenzen etwas beitragen können.
Was im Programm steht
Das nach Themen geordnete Programm fordert mehr Forschung zu Lebensverlängerung und ein höheres Budget für die National Institutes of Health. Es unterstützt unter anderem künstliche Intelligenz, Biotechnologie, erneuerbare Energien und Kernenergie. Gleichzeitig verlangt es einen wesentlich freieren Zugang zu experimentellen medizinischen Behandlungen.
Darin steckt eine politische Spannung: Der Staat soll Forschung stärker finanzieren, während er bei individuellen Behandlungsentscheidungen weniger beschränken soll. Freiheit und Risikoschutz müssen dabei gegeneinander abgewogen werden. Die Zustimmung eines Patienten beantwortet noch nicht die Frage, ob ein Verfahren tatsächlich wirkt. Umgekehrt kann eine sehr restriktive Regulierung den Zugang zu aussichtsreichen Neuerungen verzögern. Wissenschaftsfreundliche Politik muss solche Zielkonflikte konkret lösen.
Lebensverlängerung: Forschungsfeld und politisches Versprechen
Die zugrunde liegende Forschungsfrage ist keineswegs bloß Science-Fiction. Das amerikanische National Institute on Aging erläutert den Ansatz der Geroscience: Biologische Alterungsprozesse spielen bei zahlreichen chronischen Erkrankungen eine Rolle. Die Forschung untersucht deshalb, ob Eingriffe in diese Prozesse mehrere Krankheiten verzögern oder ihre Folgen vermindern könnten.
Dabei unterscheidet sie zwischen Lebensdauer und gesunder Lebenszeit, der „healthspan“. Zusätzliche Jahre und zusätzliche gesunde Jahre sind verschiedene Ziele. Die Aussicht, Alterungsprozesse besser zu verstehen, belegt noch keine unbegrenzte menschliche Lebensspanne. Genau an dieser Stelle lohnt sich die Unterscheidung zwischen einem wissenschaftlichen Forschungsprogramm und dem großen politischen Zukunftsversprechen der Transhumanisten.
Eine Erklärung der Rechte über den Menschen hinaus
Besonders weit reicht die Transhumanist Bill of Rights. Ihre dritte Fassung wurde im Dezember 2018 durch eine Mitgliederabstimmung angenommen. Das Dokument entwirft Rechte für Wesen mit bestimmten Formen von Bewusstsein und Selbstwahrnehmung, unabhängig davon, ob ihre Grundlage biologisch oder technisch ist. Es formuliert außerdem Ansprüche auf technologische Weiterentwicklung und die Verringerung unfreiwilligen Leidens.
Das ist ein politisch-philosophischer Entwurf, kein geltendes amerikanisches Verfassungsrecht. Auch beantwortet die Aufnahme möglicher künstlicher Wesen in einen Rechtekatalog nicht, ob heutige KI-Systeme diese Voraussetzungen erfüllen. Die anspruchsvolle Frage beginnt erst danach: Wie könnte eine Gesellschaft Bewusstsein erkennen, und wer würde in einem Konflikt verbindlich darüber entscheiden?
Präsidentschaftskampagnen als öffentliche Bühne
Nach Istvans Kampagne unterstützte die Partei weitere Präsidentschaftsbewerber. Am 11. Juni 2020 erhielt Charlie Kam ihre Unterstützung für die Präsidentschaftskandidatur. Zuvor war er seit Oktober 2019 als Kandidat für das Vizepräsidentenamt vorgesehen gewesen. Die damalige Bekanntmachung stellte ihn als Unternehmer vor, dessen Softwarefirma digitale menschliche Avatare entwickelte. Seine berufliche Tätigkeit passte damit unmittelbar zum technischen Interessengebiet der Organisation.
Für die Präsidentschaftswahl 2024 fiel die interne Entscheidung auf Tom Ross. Die veröffentlichten Ergebnisse der elektronischen Vorwahl vom Mai 2023 weisen 129 gültige Stimmzettel aus. Die Teilnehmer ordneten die Bewerber nach Präferenz; auch die Ablehnung sämtlicher Bewerber stand zur Auswahl. Diese Zahlen beschreiben eine parteiinterne Entscheidung. Sie sind kein Ergebnis einer staatlichen Wahl und kein Maß für die Zahl amerikanischer Wähler, die das Programm unterstützen.
Politik findet auch im Gespräch statt
Zur Tätigkeit der Partei gehören öffentliche Onlinegespräche, die sie „Virtual Enlightenment Salons“ nennt. Ein Gespräch mit Tom Ross und Zack Kopp, aufgezeichnet im Dezember 2022, befasste sich beispielsweise mit Beziehungen zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz. Solche Formate verbinden politische Organisation mit einem Diskussionsforum für Technik, Kultur und Philosophie.
Das kann Themen sichtbar machen, für die im üblichen Wahlkampfbetrieb wenig Platz bleibt. Es stellt aber auch Anforderungen an die Diskussion: Eine attraktive Zukunftsvision braucht nachvollziehbare Annahmen. Welche technischen Voraussetzungen fehlen noch? Wer bezahlt eine Innovation? Wer profitiert zuerst? Solche Fragen entscheiden darüber, ob aus einer anregenden Idee eine belastbare öffentliche Politik werden kann.
Eine Organisation, mehrere politische Hürden
Die Bezeichnung „Party“ bedeutet in den USA nicht automatisch, dass eine Organisation überall auf Wahlzetteln steht. Die Federal Election Commission unterscheidet die finanzrechtliche Anerkennung von Parteigremien von Fragen des Status nach einzelstaatlichem Recht. Für Letztere verweist sie auf die zuständigen Behörden der Bundesstaaten. Mitgliedschaft, Wahlempfehlung und amtliche Zulassung müssen deshalb jeweils gesondert betrachtet werden.
Die U.S. Transhumanist Party ist vor allem dort interessant, wo sie vertraute politische Prioritäten infrage stellt. Wie viel öffentliche Aufmerksamkeit verdient die Vermeidung altersbedingten Leidens? Wie weit reicht die Freiheit, den eigenen Körper zu verändern? Und wie verteilt eine Gesellschaft den Nutzen neuer Technik? Ihr Wert für die politische Debatte lässt sich an solchen Fragen messen. Die Qualität ihrer Antworten hängt davon ab, wie sorgfältig sie Möglichkeiten, nachgewiesene Ergebnisse und gesellschaftliche Folgen auseinanderhält.
AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und geschrieben. Parteidokumente, wissenschaftliche Quellen und weitere Belege sind im Text verlinkt; politische Ziele werden von gesicherten Forschungsergebnissen unterschieden. Das abstrakte Artikelbild wurde mit KI erstellt und ist kein offizielles Parteilogo. Recherchestand: 2. November 2026.