Köpfe: Hermann Pröll

Hermann Pröll war ein deutscher Chemieingenieur und Unternehmer, der sich früh auf ein damals noch kaum verbreitetes Druckverfahren spezialisierte: den Siebdruck. Geboren wurde er am 8. Mai 1900, gestorben ist er am 6. Dezember 1980. Die Orte von Geburt und Tod sind in den mir vorliegenden Quellen nicht genannt. Seinen Namen trägt bis heute ein Farbenhersteller in Weißenburg in Bayern, die Pröll GmbH.

Ausbildung und erste Jahre in der Farbenbranche

Pröll studierte an den Polytechnika in Nürnberg und Stuttgart. Nach dem Abschluss arbeitete er als selbstständiger Ingenieur-Chemiker im Bereich der Pigmente. Laut der Druckgeschichte von Claus W. Gerhardt (Geschichte der Druckverfahren, 1974) stellte er bereits 1927 Siebdruckfarben her. Um 1928 stieg er als Mitinhaber bei der Nürnberger Farbenfabrik Iglauer & Co. ein, die er Ende 1937 wieder verließ. Aus dieser Zeit stammen seine ersten „Technischen Mitteilungen“, in denen er unter anderem die Norilit-Farben für den Druck von Glasschildern und Transparenten empfahl.

Die Gründung 1938: eine Fabrik nur für Siebdruckfarben

Am 27. April 1938 ließ Pröll in Nürnberg eine eigene Firma ins Handelsregister eintragen. Anders als viele Lackhersteller wollte er nicht allgemeine Farben produzieren, sondern Rezepturen, die genau auf den Siebdruck zugeschnitten waren. Das Unternehmen selbst bezeichnet seine Gründung als erste Spezialfabrik für Siebdruckfarben in Europa. Ob diese Einordnung zutrifft, lässt sich mit unabhängigen Quellen schwer prüfen; sie wird aber auch in Branchenporträts übernommen.

Krieg, Zerstörung und Neubeginn

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Pröll eingezogen, kehrte aber nach kurzer Zeit in seinen Betrieb zurück. Mitte 1943 mietete er Räume in der Fuchsmühle bei Treuchtlingen und lagerte Maschinen, Rohstoffe und Waren dorthin aus. Das war vorausschauend: Bei einem Luftangriff am 2. Januar 1944 wurde das Nürnberger Werk vollständig zerstört. Nach Kriegsende begann Pröll 1945 in Möhren bei Treuchtlingen mit dem geretteten Inventar neu. Zunächst stellte die Firma vor allem Waren her, die nach dem Krieg gefragt waren, etwa Schuhcreme und Fensterfarbe. Erst als in den Nachkriegsjahren die ersten Siebdruckereien entstanden, rückten die Spezialfarben wieder in den Mittelpunkt. Pröll organisierte nach Angaben aus dem Firmenarchiv eigene Lehrgänge, um das Verfahren bekannter zu machen.

1965 verkaufte er das Unternehmen, blieb ihm aber verbunden. Zwischen 1982 und 1987 zog die Firma nach seinem Tod an ihren heutigen Standort in Weißenburg. Heute entwickelt die Pröll GmbH Sieb- und Tampondruckfarben sowie Lacke, unter anderem für Kunststoffe, Glas und Metall.

Kommunalpolitiker der SPD

Neben dem Betrieb war Pröll politisch aktiv. Der SPD trat er nach den vorliegenden Angaben schon 1918 bei. Nach 1945 saß er im Gemeinderat von Möhren und war dort zweiter Bürgermeister. Mehr als 20 Jahre gehörte er dem Kreistag an und war einige Jahre stellvertretender Landrat des damaligen Landkreises Donauwörth.

Quellenlage

Viele biografische Details beruhen auf einem unveröffentlichten Schreiben der Geschäftsleitung der Pröll GmbH vom 30. Dezember 1980 sowie auf einem Nachruf in der Fachzeitschrift „Der Siebdruck“ (Ausgabe 1/1981). Unabhängig überprüfbar sind vor allem das Gründungsjahr 1938 in Nürnberg, der Neubeginn in Möhren 1945 und der Umzug nach Weißenburg, die das Unternehmen auch selbst auf seiner Website und in seinen Broschüren darstellt.

Stand: 29. Oktober 2026