Eine Welt ohne Geld, Lohnarbeit und nationale Grenzen: Die Progressive Labor Party hat ein Ziel, das weit über höhere Mindestlöhne oder einen ausgebauten Sozialstaat hinausgeht. Die aus den USA hervorgegangene Organisation will den Kommunismus. Und sie meint damit ausdrücklich eine Gesellschaft, die auch mit wesentlichen Merkmalen der früheren Sowjetunion oder des heutigen China brechen soll.
Die Geschichte dieser Partei führt durch die Konflikte des Kalten Krieges, die amerikanische Studentenbewegung und jahrzehntelange Arbeit gegen Rassismus. Sie zeigt eine Organisation, die ihre politischen Lehren mehrfach verändert hat, an ihrem revolutionären Anspruch aber festhält. Zu diesem Anspruch gehört auch eine weitreichende Machtstellung der Partei selbst.
1962 und 1965: Bewegung und Parteigründung
Am Anfang stand die Progressive Labor Movement, kurz PLM. Sie entstand 1962 aus einem Bruch mit der Communist Party USA. Nach der eigenen historischen Darstellung der PLP warfen die Beteiligten der alten Partei vor, den revolutionären Anspruch aufzugeben und sich mit dem Kapitalismus zu arrangieren.
Zur Partei wurde die Bewegung im April 1965 in New York. Zeitgenössische, heute in den US-Nationalarchiven zugängliche Unterlagen dokumentieren den Gründungskongress vom 15. bis 18. April. Sie nennen Milton „Milt“ Rosen als Präsidenten sowie William Epton und Mortimer Scheer als weitere führende Personen. Die Gründung fiel in die Zeit scharfer Auseinandersetzungen innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung.
Die Unterscheidung zwischen 1962 und 1965 ist deshalb sinnvoll: Das erste Datum bezeichnet die Vorgängerbewegung, das zweite die ausdrückliche Parteigründung. Wer nur eines der beiden Jahre nennt, kann leicht den Eindruck erwecken, die andere Angabe sei falsch. Tatsächlich beschreiben sie unterschiedliche Schritte einer Entwicklung.
Mitten im Streit der amerikanischen Studentenbewegung
In den 1960er-Jahren gewann Progressive Labor Einfluss in Students for a Democratic Society, dem amerikanischen SDS. Die Archivbeschreibung der New York University zeigt, wie sich dort die Konflikte zuspitzten. Die PL-Strömung wollte die Verbindung zu Beschäftigten stärken. Andere Kräfte setzten stärker auf eine eigenständige radikale Jugendbewegung.
Beim nationalen Kongress im Juni 1969 zerbrach SDS in rivalisierende Richtungen, darunter das PL-Lager, die Weathermen und die Revolutionary Youth Movement II. Progressive Labor war damit an einem Konflikt beteiligt, der die amerikanische Neue Linke nachhaltig veränderte.
Wie umkämpft schon die Beschreibung dieser Trennung war, zeigt eine in Berkeley archivierte Sammlung zeitgenössischer Dokumente. Eine Erklärung aus dem verbliebenen Kongresslager stellte den Vorgang als Auszug einer Minderheit dar und verteidigte Progressive Labor sowie die Worker-Student Alliance gegen die gegnerischen Vorwürfe. Solche Texte sind zugleich Quellen und Beiträge zum damaligen Machtkampf.
Hinter den organisatorischen Auseinandersetzungen stand eine praktische Frage: Sollte die Revolution vor allem von radikalisierten Studenten ausgehen, oder musste die Studentenbewegung ihre politische Arbeit enger mit Beschäftigten verbinden? Für Progressive Labor gehörte die Orientierung auf die Arbeiterklasse zum Kern des eigenen Projekts.
Der Bruch mit der chinesischen Führung
Die frühen Jahre waren durch eine Orientierung an China geprägt. Doch daraus entstand keine dauerhafte Gefolgschaft gegenüber Mao Zedong. Ein umfangreicher Parteitext aus dem November 1971 griff die offizielle Deutung der chinesischen Kulturrevolution an.
Die PLP stellte sich darin auf die Seite besonders radikaler Strömungen und warf Mao sowie der chinesischen Führung vor, eine neue privilegierte Schicht zu schützen. Ihre Kritik kam aus einer kommunistischen Perspektive: Sie hielt die chinesische Politik für mit bürgerlichen Interessen und nationalen Staatsinteressen belastet.
Diese Entwicklung erklärt, weshalb das Etikett „maoistisch“ allein für eine heutige Beschreibung zu kurz greift. Die Partei blieb dem kommunistischen Revolutionsgedanken verpflichtet, entwickelte aber eine eigene Kritik an den Staaten und Führungen, auf die andere Teile der radikalen Linken weiterhin ihre Hoffnungen setzten.
Direkt zum Kommunismus
Ein entscheidender Schritt war das Manifest „Road to Revolution IV“ von 1982. Die Partei lehnte nun ausdrücklich die Vorstellung ab, eine sozialistische Übergangsphase werde schließlich zum Kommunismus führen. Sie erklärte die fortbestehenden Löhne, Einkommensunterschiede und Privilegien in früheren sozialistischen Gesellschaften zu Ursachen einer Rückkehr zum Kapitalismus.
Ihre eigene Alternative ist eine Verteilung nach gesellschaftlichen Bedürfnissen. Die Art der Arbeit soll nicht mehr bestimmen, wie viel ein Mensch erhält. Auch Funktionäre und besonders qualifizierte Beschäftigte sollen keine materiellen Sonderrechte genießen. Diese Vorstellungen richten sich gegen eine erneute Herausbildung privilegierter Gruppen.
Damit formuliert die PLP eine anspruchsvolle Gleichheitsidee. Offen bleibt die praktische Frage, wie Bedürfnisse, knappe Güter und gesellschaftliche Entscheidungen organisiert werden sollen, wenn Geld und Lohnanreize entfallen. Das Parteiprogramm beantwortet diese Fragen vor allem durch Vertrauen in kommunistische Überzeugung und kollektive Organisation.
Die Partei soll die gesamte Gesellschaft führen
Die aktuelle Grundsatzerklärung „Our Fight“ sagt ausdrücklich, dass das Ziel nicht über Wahlen zu erreichen sei. Sie verlangt eine revolutionäre Bewegung und eine von der PLP geführte bewaffnete Massenorganisation. Außerdem beansprucht die Partei die Führung aller gesellschaftlichen Bereiche.
Hier liegt ein grundlegender Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie. Der Gedanke sozialer Gleichheit wird mit einem politischen Führungsmonopol verbunden. Selbst wenn die PLP eine breite Beteiligung der arbeitenden Bevölkerung verspricht, bleiben unabhängige Opposition, Machtwechsel und die Kontrolle der Parteiführung entscheidende offene Fragen. Die revolutionäre Gewalt ist dabei Bestandteil ihrer erklärten Strategie; sie sollte in einem Porträt ebenso deutlich benannt werden wie die sozialen Ziele.
Antirassismus und gewerkschaftliche Arbeit
Zum praktischen Selbstverständnis gehören der Kampf gegen Rassismus und die Verbindung von Beschäftigten über gesellschaftliche Trennlinien hinweg. Die historische Rückschau der Partei nennt unter anderem Aktivitäten gegen rassistische Schulsegregation in Boston 1975 und gegen rassistische Ausgrenzung in Chicago im folgenden Jahr. Solche Rückblicke sind Teil ihrer eigenen politischen Erinnerung.
Anschaulich wird die Verbindung von Gewerkschaften, Publizistik und Parteiaufbau an Walter Linder. Der langjährige Organisator gehörte zu den Gründern. Laut dem Nachruf der Partei von 2022 hatte er zuvor in der Communist Party gewerkschaftlich gearbeitet und für deren Zeitung über Sport geschrieben. Später leitete er über lange Zeit die Gewerkschaftsarbeit der PLP.
Linder war außerdem mit dem International Committee Against Racism und weiteren parteinahen Initiativen verbunden. Seine Biografie zeigt, dass solche Organisationen nicht ausschließlich aus programmatischen Texten bestehen. Hinter ihnen stehen Menschen, die über Jahrzehnte in Betrieben, Gruppen und Redaktionen arbeiten und dabei persönliche Netzwerke aufbauen.
Politische Schulung als Teil der Organisation
Die PLP legt erheblichen Wert auf gemeinsame theoretische Grundlagen. Ihre Schulungsschrift „Jailbreak!“ erläutert den dialektischen Materialismus. Sie will ihren Lesern beibringen, gesellschaftliche Entwicklungen als veränderliche Prozesse mit inneren Widersprüchen zu untersuchen und politische Erfahrungen systematisch auszuwerten.
Das ist zugleich ein Instrument des Parteiaufbaus. Wer die gleiche politische Sprache lernt, kann Erfahrungen in verschiedenen Arbeitsfeldern leichter miteinander verbinden. Ein solcher theoretischer Rahmen kann Orientierung geben; er kann aber auch dazu führen, dass widersprechende Erfahrungen vorschnell in ein bereits feststehendes Erklärungsmuster eingeordnet werden. Beides gehört zur Frage, wie eine stark weltanschaulich gebundene Organisation lernt.
Eine weiterhin aktive, eigenständige Strömung
Die Partei veröffentlicht weiterhin ihre Zeitung Challenge. Das Ausgabenarchiv für 2026 dokumentiert die fortgesetzte Publikation. Daneben hält sie historische Grundlagentexte, Schulungsmaterialien und Berichte über politische Arbeit zugänglich. Ihre Bedeutung liegt damit vor allem in Organisierung und ideologischer Tätigkeit.
Zum Verständnis der PLP gehört die Entwicklung von einer Abspaltung des alten kommunistischen Milieus zu einer Organisation mit einem eigenen Gesellschaftsmodell. Ihre Geschichte lässt sich weder auf den Namen „Progressive Labor“ noch auf eine frühere Nähe zu China reduzieren. Entscheidend sind die Verbindung von Antirassismus und Klassenpolitik, die Ablehnung eines sozialistischen Übergangs und der Anspruch, die gesamte Gesellschaft durch eine kommunistische Partei zu führen.
AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und geschrieben. Historische Archivunterlagen, Parteidokumente und weitere Quellen sind im Text verlinkt; Selbstdarstellungen werden als solche eingeordnet. Das abstrakte Artikelbild wurde mit KI erstellt und ist kein offizielles Parteilogo. Recherchestand: 2. November 2026.