Reim: The fifth of November, since I can remember

The fifth of November, since I can remember,
Was Guy Faux, Poke him in the eye,
Shove him up the chimney-pot, and there let him die.
A stick and a stake, for King George’s sake,
If you don’t give me one, I’ll take two,
The better for me, and the worse for you,
Ricket-a-racket your hedges shall go.

Dieser Reim zur Bonfire Nacht (5. November) wurde 1903 dokumentiert.

Gedicht: Von bösen und guten Freunden

Das habe ich gemacht von bösen und guten Freunden:

Wer in der Noth vom Freunde weicht,
Und seinen Freund entbehret leicht;
Wer nicht im Herzen dessen liest,
Der ein recht treuer Freund ihm ist,
Und wer allzeit Recht haben möcht‘,
Des Freundes Wohl besorget schlecht;
Mit jedermann im Streite steht
Und wie gehörnt stets d’rauf losgeht:
Der ist ein eigenmächtiger Mann,
Dem niemand besteh’n und Recht thun kann.
Denn wer begehrt stets krumme Rücken,
Und dass man sich vor ihm soll bücken:
Solch‘ einen ist es besser zu meiden,
Als nur Betrübniss von ihm leiden.

Denn wer ein guter Freund dir ist,
Der übt an dir nie arge List,
Dass er dir nichts zum Uebel kehrt,
Doch Böses allzeit dir abwehrt;
Dich nimmer auch verlasst in Noth,
Einsteht für dich, wenn Gefahr dir droht;
Der jederzeit auch Mitleid trägt,
Wenn du von Trauer bist bewegt,
Und nie geringer achtet dich,
Als selbst er pflegt zu schätzen sich:

Solch einen Freund halt‘ hoch in Ehren,
Lass‘ dich durch nichts von ihm abkehren.
Und keinen Freund sollst merken lassen,
Du woll’st dich nimmer mit ihm befassen.

Dieses Gedicht wurde von Albrecht Dürer geschrieben.

 

Gedicht: Soll ein Weib wohl Bücher schreiben; Oder soll sie’s lassen bleiben?

Schreiben soll sie, wenn sie’s kann,
Oder wenn es wünscht ihr Mann;
Und befiehlt er’s gar ihr an
Ist es eheliche Pflicht. –
Aber schreiben soll sie nicht,
Wenn es ihr an Stoff gebricht,
Oder an gehör’ger Zeit,
Oder gar an Fähigkeit,
Oder mit zerriss’nem Kleid. –
Schreiben soll sie früh und spät,
Wenn es für die Armuth geht,
Wenn sie sonst was Schlechtres thät;
Aber schreiben soll sie nie
Wenn durch ihre Phantasie
Leidet die Oekonomie. –
Und nun sag’ ich noch zum Schluß
Lebt in ihr der Genius,
Wird sie schreiben, weil sie muß.

Dieses Gedicht hat Rahel Varnhagen von Ense (geborene Levin) um 1823 geschrieben. Sie wurde am 19. Mai 1771 geboren und war war eine deutsche Schriftstellerin und Salonnière jüdischer Herkunft.

Sie gehört der romantischen Epoche an und vertrat zugleich Positionen der europäischen Aufklärung. Sie trat für die jüdische Emanzipation und die Emanzipation der Frauen ein.

Gedicht: Drei Sonette – von Getrud Pfander

  1. Schicksal
    Ich weiß, es war vom Schicksal mir beschieden,
    Daß einst zu dir mein Aug ich sollte kehren,
    Und ich Unselige, wie konnt ich wehren,
    Daß du mir raubtest kaum errungnen Frieden?

Tiefschmerzlich Glück ward seither mir hienieden,
Traumselig Elend will mein Hirn betören.
Ich muß dich suchen, muß die Sehnsucht mehren,
Wünscht auch die Welt, daß wir uns streng vermieden.

Könnt ich dich hassen nur, könnt ich dir grollen,
Daß du mich wider Willen hast entflammt . . .!
So aber muß ich wilde Glut dir zollen.

Muß fühlen, was mein Mädchenstolz verdammt,
Muß lieben, wo ich hätte hassen sollen, –
Maßloses Weh, das solchem Streit entstammt!

  1. Liebesmacht
    Und türmt sich himmelhoch die Bitterkeit,
    Und ob mich alle, alle mißverstehn,
    Dir nach, mein Lieb, will unentwegt ich gehn,
    Dein zaubermächtiger Blick hat mich gefeit.

Hohn auf die Mädchenwelt, die nicht verzeiht,
Hohn dieser Art, mit der sie nach mir sehn!
In dir, mein Lieb, will unentwegt ich stehn,
Ob auch der Sturm mich faßt, ich bin gefeit.

Und flöss‘ der Becher voll des Gifts, des herben,
Und droht mir Untergang und jäh Verderben,
Wie selig wär’s, um deinetwillen sterben!

Dir an die Brust, dem ich mich gab zu eigen,
Wollt mein ermüdet Haupt ich wortlos neigen,
Bis uns umschläng‘ barmherzigen Todes Schweigen.

  1. Licht
    Wir zaudern, wo ein Gott uns Rettung fand
    So glückumwoben und so glanzumlichtet?
    Nun hat mein bangend Herz sich aufgerichtet.
    Den Vorhang heb ich auf mit zager Hand.

Und würd uns hier im düstern Abendland
Jedwedes Glück durch Vorurteil vernichtet:
O weißt du noch, wie du mir oft berichtet
Von jenem fernen, zauberischen Strand?

Wo ungekühlt glutfarbne Sonne loht,
Wo nimmermehr uns bittre Trennung droht,
Wo friedevoll die heiligen Palmen winken,

Dorthin, Geliebter, lass‘ uns gläubig ziehn,
Dort will ich glückdurchschüttert auf den Knien
Maßlose Wonn‘ aus deinem Antlitz trinken.

Die „Drei Sonette“ sind von Gertrud Pfander, die am 1. Mai 1874 in Basel geboren wurde. Die Illustration wurde mit der Midjourney AI erstellt.

Gedicht: Schiller’s Lied an die Freiheit – Adolf Glassbrenner

Freiheit, schöner Götterfunken!
Sang das deutsche Dichterherz.
Doch da fühlten die Hallunken
Schon des Feuertodes Schmerz.
Solcher Funke muß entflammen,
Haben weislich sie gedacht.
Und in Trümmer stürzt zusammen
Unsre Größe, unsre Macht!

Freude! haben wir gesungen,
Doch es ahnte das Gemüth,
Als der Funke dort erglüht,
Daß der Freiheit er entsprungen.
Und den schönen Götterfunken
Löschten die Verruchten aus;
Feuersicher, siegestrunken
Saßen sie im stolzen Haus.
Und als rings in armen Gauen
Freude, Freude! es erklang,
Riefen sie, die Falschen, Schlauen,
Höhnisch lachend: Gott sei Dank!

Freude! sangen wir in Thränen,
Freude! in dem tiefsten Leid.
Unser Lied war Fröhlichkeit,
Wenn wir knirschten mit den Zähnen.

Freiheit! Freiheit! soll’s erklingen,
Unser deutsches Lied fortan,
Und wer’s also möchte singen,
Wie’s die Tyrannei ersann:
Fort, hinaus mit dem Hallunken,
Der noch vor Hallunken kniet!
Freiheit, schöner Götterfunken!
Heißt das ew’ge deutsche Lied.

Unsern Fluch auf die Vernichter!
Schwört’s bei diesem goldnen Wein,
Dem Gelübde treu zu sein!
Schwört es bei dem Sternenrichter.

Sternenrichter! Feuertrunken
Hat der Sänger das erdacht,
Als der Freiheit Götterfunken
Seine Liebe angefacht.
Der in immer naher Ferne
Alle Menschen wollte frei:
Er wird richten auch die Sterne
Auf der Brust der Tyrannei!

Freiheit! Freiheit laßt uns singen!
Wenn der Funke sprüht und glüht,
Wird der Freude schönstes Lied
Bald aus allen Herzen klingen.

(Adolf Glassbrenner: Verbotene Lieder, Bern 1844)

Dieses Gedicht schrieb Glassbrenner in Bezug auf Schillers „Ode an die Freude“ – und interpretiert es auch als „Ode an die Freiheit“.

Ich habe es daher auch in meine E-Book „Freiheit – eine kleine Sammlung“ aufgenommen. Sie finden einige Inhalte und Hintergrundinformationen dazu hier.

Gedicht: Ode an die Freude – Friedrich Schiller (zweite Fassung)

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

„Gedicht: Ode an die Freude – Friedrich Schiller (zweite Fassung)“ weiterlesen

KI Bilder zu „Er ist’s“ von Eduard Mörike

Hier ein paar Bilder, die Midjourney AI generiert hat, nachdem ihr der KI das Gedicht „Er ist’s“ als Input gegeben habe.

Gedicht: Er ist’s (Eduard Mörike)

„Er ist’s“ ist das wohl bekannteste Deutsche Gedicht zum Frühling.

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

(Eduard Mörike)

Bild: Midjourney AI.

 

Epigram: Morgenstund hat Gold im Mund

An Mopsus

»Die Morgenstund‘ hat Gold im Mund«, und du bleibst arm,
Obgleich manch früher Tag dir deinen Kopf macht warm.
Mich dünkt, das Sprichwort ist verführerisch und eitel;
Weil sie’s im Munde hat, so hast du ’s nicht im Beutel.

Christian Wernicke

Illustration mit Midjourney AI erstellt.

Gedicht: Schadenfreude

Hie auf dieser Liebes Matt
Cupido vor dreien Tagen,
Weil er nichts zu schaffen hat,
Wollt sein Zelt und Lager schlagen:
Ach Cupido kleiner Schelm,
Wie machst du so große Wunden.

Als er nun ins Grüne kam,
Dieses hier dort das wolt sehen,
Venus bei der Hand ihn nahm,
Doch wolt er nicht mit ihr gehen, ach Cupidon. usw.

Lief bald vor das Bienen Haus,
Wolt ein wenig Honig lecken,
Eine kroch zum Korb heraus
Und flog nach dem jungen Gecken, ach Cupidon. usw.

Cupido bald her bald hin,
Hätt sich gern vor ihr verkrochen,
Doch die Bien flog stets auf ihn,
Bis er von ihr war gestochen, ach Cupidon. usw.

Als er seinen Finger schaut,
Wie er armsdick aufgeloffen,
Fing er an zu schreien laut:
O weh Mutter, ich bin troffen! Ach Cupidon. usw.

O Weh liebe Mutter bald,
Ich muß an dem Stich verderben,
O Weh, ich lauf in den Wald,
Lasse mich drinn Hungers sterben. Ach Cupidon. usw.

Helft und helft ihr nicht geschwind,
Stürz ich mich in einen Brunnen,
Wie bald kann ein armes Kind
Als ich, in der Hitz verbrennen, ach Cupidon. usw.

Rach o liebste Mutter Rach,
Ich werd noch verzweiffeln müssen,
Helft, ich spring sonst in den Bach,
Oder will mich selbst erschiessen, ach Cupidon. usw.

Venus sprach vor Zorn kein Wort,
Endlich nahm ein Hand voll Ruthen,
Wart, ich will dich bringen fort,
Daß dir soll der Hintern bluten, ach Cupidon. usw.[362]

Hab ich dirs nicht vor gesagt,
Du solt stupfens müssig gehen,
Wer nicht folgen will der wagt.
Komm her, laß den Finger sehen, ach Cupidon. usw.

Ey du ungerathner Sohn,
Dir ist eben recht geschehen,
Das ist dein verdienter Lohn,
Wilt nicht mit der Mutter gehen, ach Cupidon. usw.

Indem bükt sie ihn herum:
Halt ich will dich lehren sitzen,
Gß‘ gß‘ noch einmal so kum,
Dann will ich dich besser fitzen, ach Cupidon. usw.

Cupido fiel auf die Erd,
Ha! wie that ihn das verdriessen,
Und wie ein zaumloses Pferd,
Schlug um sich mit Händ und Füßen, da Cupidon. usw.

Ach mein, klag dich nicht so sehr,
Sprach sie, und bald laß die Possen,
Denk‘ daß du wohl andre mehr
Unverschuldet hast geschossen, ha Cupidon. usw.

Deine Pfeil sind voller Gift,
Und gehn richtig zu dem Herzen,
Was aber den Finger trift,
Das ist nur ein Kinderscherzen. Ha Cupidon. usw.

Thuts dir schon ein wenig weh,
Darfst dir drum nicht lassen bangen,
Eh du dreimal Steh und Geh,
Sagst, so wird es sein vergangen. Ach Cupidon. usw.

Wen der lose Vorwiz sticht,
Und solch Leckerey will treiben,
Dem gerath es anders nicht,
Drum sollst bei der Mutter bleiben.
Ach Cupidon kleiner Schelm,
Wie machst du so große Wunden!

Du Stupfer, du Hauser,
Du Rupfer, du Zaußer,
Du Lecker, du Lauser,
Du Schlecker, du Mauser,
So soll es dir gehn,
Recht ist dir geschehn,
So soll es dir gehn!!!

Achim von Arnim und Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn

Illustration: Midjourney AI