Foto: Bitte nicht auf die Pilze…

Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass man aus hygienischen Gründen nicht auf die Pilze koten sollte.

Fotografiert in der Ukraine.

Meinung: Russland, die Krim und ein paar Hintergründe

Schröder mal wieder

Altkanzler Gerhard Schröder hat wieder für Aufsehen gesorgt, indem er meinte, dass die Krim altes russisches Territorium sei – und wurde dafür gleich z.B. von der Bild kritisiert. Und auch als ich bei einem tweet anmerkte, dass er historisch damit nicht falsch liege, folgte gleich einige Einwände:

  • Historisch kann man fast alles begründen. Die Zeit geht aber darüber hinweg und formt neu.
  • Und wo historisch gesehen Polen schon war???
  • Historisch gesehen war aber auch Moskau mal polnisches Territorium.

Doch wie ist hier eigentlich die historische Situation?

Die Geschichte der Krim

Nach einer recht wechselvollen Geschichte gehörte die Krim seit dem 15. Jahrhundert als Vasallenstaat faktisch zum Osmanischen Reich und wurde 1774 unabhängig. Am 8. April 1783 erklärte Katharina II. die Krim “von nun an und für alle Zeiten” als russisch, was vom Osmanischen Reich mit dem Vertrag von Jassy am 6. Januar 1792 anerkannt wurde.

Nach den Irrungen und Wirrungen der Revolution und der beiden Weltkriege wurde die Krim zunächst eine Verwaltungseinheit (Oblast) innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR).

1954 schlug der aus der Ukraine stammende Nikita Chruschtschow als sowjetischer Parteichef der “Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik” zu. Maßgeblich sollen dafür wirtschaftliche und verwaltungsrechtliche Gründe gewesen sein. Dass die Sowjetunion auseinanderbrechen könne, war für ihn wohl kaum vorstellbar. Gleichwohl dürfte dies ein Verstoß gegen die Verfassung der Russischen Föderation (RSFSR) gewesen sein, die die territoriale Integrität des Vaterlandes zu wahren verpflichtete. Und wenn hätten der Oberste Sowjet in Moskau und der in Kiew zustimmen müssen, was aber nicht geschah. Als der 1. Sekretär der KPdSU auf der Krim, Pawel Titow, gegen dieses Vorgehen protestierte, wurde er durch Dmytro Polianski ersetzt.

1991 dann sprach sich die Bevölkerung der Krim mit 93 % der Stimmen in einem Referendum für die Wiederbegründung der “Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Krim” (ASSK) als Subjekt der UdSSR und Teilnehmer des Unionsvertrages aus. Der Oberste Sowjet der Ukraine bestätigte dies grundsätzlich in einer Entscheidung am 12. Februar 1991, allerdings als Wiederbegründung der ASSK im Bestand der Ukrainischen SSR. Da eine ASSK jedoch vorher nie innerhalb einer Ukrainischen SSR existierte, kann es juristisch gesehen auch keine Wiederbegründung innerhalb dieser geben. Vollzogen wurde dies dennoch. Die Krim wurde jedenfalls zu einem Teil der Ukraine.

Im Budapester Memorandum von 1994 verpflichteten sich dann die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und Russland gegenüber der Ukraine, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen derselben zu achten (Art. 1: The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their commitment to Ukraine, in accordance with the principles of the CSCE Final Act, to respect the Independence and Sovereignty and the existing borders of Ukraine.)

Dessen ungeachtet wurde die Krim dann ab 2014 faktisch durch Russland annektiert.

Und jetzt? Ist die Krim russisch – und mal wieder etwas über reflexhafte Reaktionen

Ich bin kein Völkerrechtler und möchte und kann mir hier kein Urteil über den Status der Krim erlauben. Klar ist allerdings, dass sie zum einen historisch gesehen russisch ist und die Eingliederung in die Ukraine – 1954 und 1991 – juristisch fragwürdig ist.

Insoweit finde ich die Situation nicht mit ehemals deutschen oder polnischen Gebieten (s.o.) vergleichbar. Fraglich ist freilich, wie das Budapester Memorandum zu bewerten ist und ob dies für Heilung und damit wirksame Eingliederung der Krim in die Ukraine gesorgt hat.

So oder so: ganz eindeutig ist die Rechtslage nicht. Und statt reflexhaft auf die bösen Russen zu schimpfen und Schröders Aussage pauschal anzugreifen, sollte man sich differenziert mit der Geschichte befassen – einmal ganz abgesehen davon, dass die Krim nach wie vor ethnisch und kulturell russisch geprägt ist.

Zu dieser differenzierten Betrachtung gehört aber freilich auch, dass Art und Weise der Annexion der Krim durch Russland so nicht zu akzeptieren sind. Und darüber – und über die Krim allgemein – habe ich 2014 schon geschrieben, was immer noch aktuell ist.

Wie immer im Leben und gerade auf der Weltbühne ist nicht alles Schwarz / Weiß.

Bild: pixabay, Blick von Jalta aufs Meer

10 Fakten zum 8. Dezember

  1. Heute ist das “Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria”, auch “unbefleckte Empfängnis” oder “Mariä Empfängnis” genannt. Die katholische Glaubenslehre geht davon aus, dass Maria selbst zwar von ihren Eltern natürlich gezeugt und geboren wurde, dabei aber von Gott von der Erbsünde befreit wurde. Das heutige Hochfest ist also von der Jungfrauengeburt Jesu’ zu unterscheiden, wird aber oft mit dieser verwechselt. In Österreich, Liechtenstein und den katholischen Kantonen der Schweiz ist heute gesetzlicher Feiertag, ebenso in vielen anderen katholischen Ländern wie z.B. Italien, Spanien, Argentinien und Chile.
    In Bulgarien und Mazedonien wird heute der “Tag des Studenten” gefeiert, der in Mazedonien gleichzeitig Nationalfeiertag ist.
    Edith hat heute Namenstag.
  2. Der Brand im Wiener Theater an der Ringstraße (Ringtheater) im Jahre 1881 fordert mindesten 384 Todesopfer, wahrscheinlich noch mehr. Da es eklatante Mängel gegeben hat, ist das Unglück Anlass für die Einführung umfassender vorbeugender Brandschutzvorschriften.
  3. In einer Werbeanzeige in den USA wird 1921 zum ersten mal das Sprichwort “One Look is Worth A Thousand Words” (Ein Bild sagt mehr als tausend Worte). Der Urheber, Fred R. Barnard, behauptet, es handle sich um ein chinesisches Sprichwort, gibt später aber zu, dies nur gesagt zu haben, damit “die Leute es ernst nehmen”.
  4. Der zweite Weltkrieg nimmt 1941 eine entscheidende Wende: nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am Vortag erklären die USA Japan den Krieg.
  5. Die systematische Vergasung von Juden beginnt 1941 im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno).
  6. Die erste Folge der “Lindenstraße” wird 1985 ausgestrahlt.
  7. Die Staatsoberhäupter von Russland, Weißrussland und der Ukraine beschließen 1991 das formelle Ende der Sowjetunion und gründen die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).
  8. Einem Forscherteam bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt gelingt 1994 die Herstellung des künstlichen chemischen Elements mit der Ordnungszahl 111, das später den Namen Roentgenium erhält.
  9. Maria Stuart wird 1542 geboren.
  10. Der Literaturnobelpreisträger Bjørnstjerne Martinius Bjørnson kommt 1832 auf die Welt.

10 Fakten zum 24. August

  1. Die Ukraine feiert heute ihre 1991 erlangte Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
    Emilia, Isolde, Michaela und Bartholomäus haben heute Namenstag.
  2. Im Jahr 79 bricht der Vesuv aus und vernichtet die römischen Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae. Das Bild oben zeigt den Vesuv, gemalt von Carl Spitzweg (um 1832).
  3. 1349 beginnt in Köln ein großes anti-jüdisches Progrom. Den Juden der Stadt wird die Schuld am Pest-Ausbruch gegeben. Mehrere Tausend Menschen kommen ums Leben, das jüdische Viertel wird niedergebrannt.
  4. Während der Bartholomäusnacht 1571 werden in Paris bis zu 10.000 Hugenotten ermordet.
  5. Georg Crum erfindet 1853 die Kartoffelchips.
  6. Im Jahr 1953 wird der Zebrastreifen in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen .
  7. 1995 kommt Microsoft Windows 95 in den USA auf den Markt. Windows löst sich mit dieser Version weiter von MS-DOS und der Start-Button wird eingeführt. Begleitet wird die Einführung von einer massiven Werbekampagne.
  8. Seit 2006 Jahren gilt Pluto nicht mehr als Planet, sondern wird zur neuen Gattung der Zwergplaneten gezählt.
  9. Alice B. Sheldon, bekannt unter dem Pseudonym James Tiptree junior, kommt 1915 auf die Welt.
  10. Jassir Arafat wird 1929 geboren.

10 Fakten über die ukrainische Fußballnationalmannschaft

nationalmannschaft-ukraine

  1. Der offizielle Name lautet “Sbirna Ukrajiny s futbolu”. Der ukrainische Verband ist der “Federazija Futbolu Ukrajiny” (FFU), der Mitglied der UEFA ist. Der FIFA Code lautet UKR.
  2. Der Spitzname ist “Schowto-blakytni” (die Gelb-Blauen).
  3. Die klassischen Farben der Mannschaft sind – Überraschung – blau und gelb.
  4. Heimatstadion der Mannschaft ist das “Nazionalnyj sportywnyj komplex (NSK) Olimpijskyj” in Kiew, das rund 70.000 Plätze hat.
  5. Das erste Spiel absolvierte die Ukraine am 29. April 1992 in Uscherod gegen Ungarn, wobei sie 1:3 unterlag.
  6. Der höchsten Sieg bislang endete 9:0 – und zwar gegen San Marino. Es fand am 6. September 2013 in Lemberg statt.
  7. Die höchste Niederlage erlitt die Mannschaft am 14. Juni 2006 in Leipzig gegen Spanien: 4:0.
  8. Die Mannschaft nahm bisher erst einmal an einer Weltmeisterschaft teil: 2006 in Deutschland, wo sie den 8. Platz machte.
  9. Das erste mal an einer Europameisterschaft nahm die Ukraine 2008 in Polen und der Ukraine teil, wo man aber in der Vorrunde ausschied. 2016 konnte sie sich dann für die EM in Frankreich qualifizieren.
  10. Die meisten Tore erzielte Andrij Schewtschenko der von 1995 bis 2012, der in 111 Spielen 48 mal traf.

Passende Fanartikel gibt es hier.

Stand: 12.06.2016

Bild: (c) Torange

10 Fakten zum 23. Februar

  1. Brunei feiert heute seinen Unabhängigkeitstag. Ebenso ist der Nationalfeiertag von Guyana – der Tag der Republik. Und in Russland, Weißrussland und der Ukraine werden mit dem “Tag der Verteidiger des Vaterlandes” die Armeen und Soldaten dieser Staaten gewürdigt. Der Feiertag geht auf den “Tag der Sowjetischen Armee und Seestreitkräfte” zurück, der von Lenin eingeführt wurde, da am 23. Februar 1918 viele Soldaten für die rote Armee eingezogen wurden. Zu Zeiten der Sowjetunion war dies einer der wichtigsten Feiertage des Jahre, der mit großen Militärparaden abgehalten wurde. In Russland ist auch heute noch arbeitsfrei.
    Romana hat heute Namenstag.
  2. Kaiser Diokletian leitet im Jahr 303 Christenverfolgungen im Römischen Reich ein. Er verbietet Gottesdienste und ordnet die Zerstörung von Kirchen und Schriften an; Christen verlieren zudem die Bürgerrechte.
  3. Rudolf Diesel erhält 1892 ein Patent auf ein von ihm entwickeltes “Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungskraftmaschinen”, heute als Dieselmotor bekannt.
  4. Der erste Rotary Club wird im Jahre 1905 von Paul Percy Harris zusammen mit Silvester Schiele, Gustavus Loehr und Hiram Shorey in Chicago gegründet. Die Rotarier wollen eine “Gemeinschaft von Berufsleuten” und eine sowohl stabile als auch vielseitige Wertegemeinschaft bilden.
  5. 1945 hissen US-Marines die US-Flagge auf der Vulkaninsel Iwo Jima im Pazifikkrieg – das Stunden später nachgestellte Foto “Raising the Flag on Iwo Jima” von Joe Rosenthal wird zu einem berühmten Symbolbild.
  6. Der spanische Oberstleutnant Antonio Tejero nimmt 1981 die Abgeordneten des spanischen Parlaments und die Regierung als Geiseln, um die Wahl von Leopoldo Calvo-Sotelo zum Ministerpräsidenten zu verhindern. Er will den Demokratisierungsprozess (Transición) beenden. Gleichzeitig verhängt General Milans del Bosch in Valencia den Ausnahmezustand. Eine Fernsehansprache von König Juan Carlos I. vereitelt den Putsch.
  7. 1982 entscheiden sich die Wähler der autonomen Region Grönland in einer Volksabstimmung für den Austritt aus der Europäischen Gemeinschaft.
  8. 1999 kommt es zur Lawinenkatastrophe von Galtür in Tirol (Österreich), bei der 31 Menschen sterben. Wegen der schlechten Witterungsbedingungen ist der Ort nicht erreichbar und die kleine Gemeinde ist in der ersten Nacht nach dem Lawinenabgang auf sich allein gestellt.
  9. Mariae Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, geborene Mariae Gloria Fer(di)nanda Joachima Josephine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau, kommt 1960 auf die Welt.
  10. Michael Dell, der Gründe von Dell Computer, wird 1965 geboren.

Meinung: Putin-Fans, Ihr nervt

In Sachen Ukraine Krise habe ich mich lange zurückgehalten. Mein letztes größeres Statement dazu war vor einem guten halben Jahr ein Blogbeitrag, in dem ich aus historischen Gründen sogar Verständnis für die Annexion der Krim äußerte. Die Art und Weise, wie der “Anschluss” der Krim an Russland geschah, hielt und halte ich gleichwohl nach wie vor für falsch.

Dass die Ukraine Krise die Dimension erreicht hat, die sie nun hat, konnte ich mir damals nicht vorstellen. Und hätte ich das, was inzwischen passiert ist, auch nur ansatzweise geahnt, hätte ich den Artikel seinerzeit auch nicht so geschrieben.

Die Situation ist komplex und sicher nicht so einfach, wie sie oft in den Medien dargestellt wird. Die Ukraine ist ein tief gespaltenes Land und sicherlich auch keine lupenreine Demokratie. Woher soll nach langer sowjetischer Unterdrückung auch eine demokratische Tradition kommen.

Noch weniger ist aber Russland eine lupenreine Demokratie. Auch als Hort der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit hat sich das Land in letzter Zeit nicht vorhergetan. Fakt ist z.B.: in der Rangliste der Pressefreiheit, die von den unverdächtigen Reportern ohne Grenzen erstellt wird, belegt in diesem Jahr Russland Rang 148 – von 180. Deutschland liegt übrigens auf Platz 14.

So oder so, ich versuche immer, mir ein eigenes Bild zu machen. Und ein Gerede von “Neurussland”,  Sätze wie “Könnte Kiew in zwei Wochen einnehmen!” oder die neue russische Militärdoktrin passen für mich eher in die späten 1930er Jahre als in die heutige Zeit. Auch so etwas hielt ich in einem aufgeklärten Staat für überwunden.

Sicher, über so manche holzschnittartige Vereinfachungen in der “westlichen” Presse mag man streiten – wie gesagt, die Welt ist nicht schwarz-weiß. Der Konflikt ist nicht einfach zu verstehen und zu erklären. Man mag in der Sache auch unterschiedliche Standpunkte haben und der einen oder der anderen Seite eher zugeneigt sein.

Wenn jedoch die Putin Fans auf facebook jeden Artikel, der sich kritisch mit der russischen Rolle in der Ukraine auseinandersetzt, reflexhaft als Machwerke der westlichen Kriegstreiberpresse abtun, unterstreicht dies nur deren ideologisierte Dummheit.

Und das nervt.

Meinung: Deal with it – die Krim ist russisch. Punkt.

Ich denke spätestens seit dem heutigen Tag -das Regionalparlament stimmte ziemlich eindeutig für einen Anschluss an Russland – muss jedem klar sein, dass die Krim ein Teil Russlands wird. Vielleicht mit einer Übergangszeit als unabhängiger Staat, der dann aber auch schon de facto russisch ist.

Zum einen vorab – historisch und faktisch gesehen gibt es für diese Entwicklung sogar einige sehr gute Argumente. Teil der Ukraine wurde die Krim erst unter dem Ukrainer Nikita Chruschtschow im Jahr 1954. Und mit der Deportierung der Krim Tataren wurden vorher schon durch Stalin ethnische Fakten geschaffen – so sind auch heute noch 60% der Bewohner der Krim Russen, 25% Ukrainer und 12% Krimtataren, die ab 1988 wieder zurückkommen durften. Schon vor dem nun beginnenden Konflikt hatte die Krim als autonome Republik einen Sonderstatus innerhalb der Ukraine.

Natürlich gibt es auch – auf den ersten Blick bessere – Gründe, die gegen die derzeitige Entwicklung sprechen, allen voran das Budapester Protokoll von 1994, in dem auch Russland verspricht, die territoriale Integrität der Ukraine zu wahren. Oder die Verträge über die Stationierung der Schwarzmeerflotte, in denen Moskau verspricht, sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einzumischen. Grundsätze des Völkerrechts sowieso.

Und wenn nun russisches Militär mehr oder weniger offen durch die Krim spaziert, der pro-russische Mob tobt und Putin sein Vorgehen mit dem vorgeschobenen Schutz der russischen Minderheit begründet, erinnert wirklich vieles an Hitler und das Protektorat Böhmen und Mähren.

Doch seien wir ehrlich – welche Möglichkeiten hätte der Westen überhaupt, eine russische Krim zu verhindern? Soll die NATO massiv weitere Streitkräfte in der Türkei, Polen, Litauen und der Ukraine selbst stationieren? Sollen die USA DEFCON 2 ausrufen? Bitte, das kann keiner wollen – jedenfalls nicht wegen der Krim, die faktisch schon russisch ist. Blieben Wirtschaftssanktionen, die Russland wirklich treffen. Die würden dann aber auch den Westen treffen – eine neue Rezession, mehr Arbeitslosigkeit, noch defizitärere Staatshaushalte und vielleicht dann auch ein Auseinanderbrechen des Euro.

Machen wir uns also nichts vor, das Spiel ist im wesentlichen vorbei, jetzt geht es darum, in der Verlängerung das bestmögliche herauszuholen. Das ist zwar durch die bislang konzeptlose Linie des Westens deutlich schwieriger geworden, aber noch kommt man aus der Nummer raus, ohne sein Gesicht zu sehr zu verlieren.

Denn jetzt sollte man jetzt alles richtig machen, denn die nächsten Konflikte in der Ukraine sind immanent. Der Westen könnte sich wie folgt positionieren:

  1. Schluss mit der Konfrontationsrhetorik. Ja, wir sehen, die Krim ist an sich russisch. Das erkennen wir auch an, auch wenn das derzeitige Vorgehen Russlands dort gegen Völkerrecht verstößt.
  2. Auf der Krim sollte es bald eine Volksabstimmung über den Verbleib in der Ukraine, einen eigenen Staat oder auch einen Anschluss an Russland geben. Dies unter internationaler Aufsicht und bitte ohne russische Truppen, die Präsenz zeigen.
  3. Wir sehen auch, dass ähnliche Konflikte in anderen Teilen der Ukraine drohen können, z.B. in den östlichen Landesteilen. Diese gilt es zu identifizieren und ein geeignetes Vorgehen abzustimmen – sonst sind wir bald wieder am gleichen Punkt.
  4. Der Schutz der tatarischen und der ukrainischen Minderheiten auf der Krim muss unmittelbar und langfristig sichergestellt werden.
  5. Russland muss die Ukraine im Gegensatz für den Bruch der Schwarzmeerflottenverträge und anderer Abkommen angemessen entschädigen und sie wirtschaftlich unterstützen. Insbesondere müssen die Gaslieferverträge eingehalten werden.
  6. Die Ukraine wird bei ihrer Neuausrichtung wirtschaftlich unterstützt, um einen Zusammenbruch des Staates und soziale Unruhen zu verhindern.
  7. Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine in Form direkter Beeinflussung unterbleibt.
  8. Die Ukraine muss in Ruhe eine neue Verfassung finden und ihre Angelegenheiten auf demokratische Art und Weise regeln.
  9. Die dann entstandene neue Ukraine muss eigenständig über ihre Mitgliedschaft in internationalen Organisationen entscheiden können – und wenn es die NATO wird.
  10. So Russland, wir waren jetzt überraschend kooperativ. Wir haben was gut…

Update 13.03.2014

Ergänzen hätte ich noch sollen, dass sich Russland dann auch bei anderen Referenden an die Entscheidung der Bürger halten soll. Ich sage z.B. Tschetschenien…

Lesenswert zum Thema ist übrigens auch Egon Bahr in der BILD.

Interview at the Border

interview-at-the-border

Nationality?
Russian.

Occupation?
No, no, just visiting.

10 Dinge, die Du wirklich in Deinem Leben ändern solltest – und nicht nur den Messenger

life-comfort-zone

Da kündigt facebook an, Whatsapp kaufen zu wollen, es ändert sich erstmal nichts und in Deutschland kündigen im Gegenzug Hunderttausende an, ihren Messenger wechseln zu wollen. Bevorzugt findet diese Ankündigung über facebook daselbst statt – #facepalm. Alles andere scheint plötzlich unwichtig zu sein, selbst der Bürgerkrieg in der Ukraine mit 70 Toten an einem Tag.

Hier sind 10 Dinge, die Ihr wirklich in Eurem Leben ändern und machen solltet.

  1. Denk nach, bevor Du eine Entscheidung triffst
    Bleiben wir der Einfachheit halber zunächst beim Thema. Der Datenverkehr über Whatsapp war schon immer unverschlüsselt. Es gab schon immer Sicherheitsprobleme. Das alles ist nichts neues. Und nur weil Facebook jetzt Whatsapp übernimmt, ist auf einmal alles schrecklich? Obwohl sich noch gar nichts geändert hat? Dabei traue ich facebook sogar zu, in Zukunft Whatsapp zu verschlüsseln. Aber egal – viele wechseln. Einige zu tatsächlich sichereren Alternativen wie Threema, viele kommen aber auch vom Regen in die Traufe, z.B. durch den Wechsel zu Line.
    In allen Lebensbereichen sollte aber gelten: informier Dich, bevor Du eine Entscheidung triffst oder Dich äußerst. Ob bei Messengern, Politik, Anschaffungen allgemein…
  2. Mehr Lesen
    Schalt den Fernseher aus, chatte nicht sondern lies. Und zwar querbeet. Fachliteratur – zu einem Thema, bei dem Du Dich noch gar nicht auskennst, z.B. eine Einführung in Quantenphysik oder Verhaltensbiologie. Du wirst überrascht sein, wie spannend das ist und Dein Denken anregt. Einen Roman, den Du gar nicht mehr aus der Hand legen willst. Einen Klassiker, damit Du endlich sagen kannst: “Ich habe gerade ‘Der Prozess’ und ‘Ulysses’ gelesen. War toll!” Kauf am Kisok mal eine Zeitschrift, die Du noch nie gekauft hast. Lade Dir eine Lese-App auf Dein Smartphone oder Tablet. Es gibt nichts, was so viel Spaß macht und Dich gleichzeitig so sehr weiterbringt
  3. Lass das Auto stehen
    Fahr mit Bus/Bahn/Fahrrad zu Arbeit, in die Uni oder wohin auch immer. Dadurch, dass ich jeden Tag die Bahn nehme, spare ich pro Jahr mindestens 720kg CO2 ein. Und dass ich dabei die Zeit finde zu bloggen, zu lesen (sic!) oder einfach zu entspannen, ist ein schöner Nebeneffekt.
  4. Ändere Deine Essgewohnheiten
    “Wie gemein, Sie wollen diese Babygiraffe töten. … Hast Du noch McDonalds Gutscheine für den BigMac?” Bitches, please…. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Indem Du Dir Gedanken über Dein Essen machst und Deine Essgewohnheiten änderst – ein guter Start ist übrigens ein freiwilliger Veggie-Day pro Woche – tust Du nicht nur etwas für Dich, sondern veränderst wirklich etwas. Auf Dauer auch mehr, als nur ein bisschen.
  5. Engagiere Dich
    Rede nicht nur, mach was. Trete in die Partei ein, die Dir liegt. Gründe selbst eine Partei. Organisier einen Vortrag über sichere Kommunikation im Internet. Blogge über Deine Erfahrungen. Geh Gassi mit Hunden aus dem Tierheim. Werde Katechetin. Zeig Deinen Freunden, wie man frisches Gemüse vom Bauern um die Ecke zubereitet. Besuche einsame Menschen im Altenheim. Unterstütze den örtlichen Hospizverein. Mach was im Förderverein in der Schule Deiner Kinder. Werde Klassensprecherin. Werde ehrenamtlicher Trainer im Sportverein. Hilf mit der Müllsammelaktion im Wald. Lies Kindern im Kinderheim vor. Mach beim Asta mit. Singe im Kirchenchor. Egal was – aber krieg endlich Deinen faulen Arsch hoch und mach was.
  6. Schaff Dir ein Wertesystem – und lebe es
    Ich finde, man merkt Menschen ziemlich schnell an, ob diese ein Wertesystem haben oder nicht. Bei älteren Menschen ist das fast der Regelfall, sie sind noch mit der Kirche aufgewachsen. Und je jünger meine Gesprächspartner werden, desto mehr vermisse ich ein gelebtes Wertesystem. Das muss nichts religiöses sein. Wenn Du damit Probleme hast, lies zuerst Kants “Grundlegung zur Metaphysik der Sitten” und dann die “Kritik der praktischen Vernunft”. Zum weiteren Nachdenken dann Hegels “Grundlinien der Philosophie des Rechts“. Doch lieber religiöser? Der Dalai Lama rät: “Versuchen Sie es zunächst mit einer Religion aus Ihrem Kulturkreis, beispielsweise mit dem Christentum, bevor Sie sich an die komplexen Rituale des tibetischen Buddhismus heranwagen.”. Hauptsache, Du richtest Deinen moralischen Kompass aus.
  7. Pflege Deine Freundschaften – und Deine Familie
    Letztlich wirst Du merken, dass was wirklich im Leben zählt sind Freunde und Deine Familie. Pflege Deine Freundschaften und nimm Dir Zeit für sie und für Deine Familie. Gerade, wenn Du Kinder hast.
  8. Beweg Dich
    Du hast nur einen Körper – also halte diesen gesund. Und das geht eben am besten mit Bewegung. Finde eine Sportart, die Dir liegt – probier einfach aus, was Dich interessiert, mach Schnupperkurse, frag Freunde… und ob Du dann drei mal die Woche morgens durch den Wald läufst, Dich Samstags mit Freunden zum Fußball oder auf dem Tennisplatz triffst – Du wirst Dich besser fühlen.
  9. Verlier Dich nicht in Klein-Klein
    Prinzessin Madeleine ist Mama? Das Dschungelcamp… Die Playstation 4… Britney hat geheiratet… Lewandowski wechselt zu den Bayern… Bei DSDS… Sabia Boulahrouz… – Whatdafuck! Klar kannst Du Dich auch mit den nebensächlichen Dingen beschäftigen. Aber verlier Dich nicht darin. Wenn Du Dich mit so was beschäftigen kannst, kannst Du Dich auch über die Krise in der Ukraine, die Hintergründe der Proteste in der Türkei, über die Target 2 Salden in Zusammenhang mit der Euro Krise oder die Menschrechtssituation im Sudan informieren. Behalte den Blick für die wirklich wichtigen Nachrichten und versuche, die Welt zu verstehen.
  10. Sieh dennoch alles nicht so verbissen, werde nicht verbittert und hab einfach Spaß am Leben und an dem, was Du tust!