Die unnütze Kampagne der Stadt Köln zu Silvester 2017/2018

Silvester in Köln ist ja inzwischen fast zu einem Synonym für Staatsversagen geworden. Und so gab es auch 2017 wieder eine Pressekonferenz, in der thematisiert wurde, wie man sich auf den Jahreswechsel 2017/2018 vorbereiten werde.

Dabei gab es durchaus auch sinnvolle Aussagen wie z.B.

Ereignisse von vor zwei Jahren dürfen sich niemals wiederholen. In #Köln gilt nicht das Recht des Stärkeren, sondern jederzeit die Stärke des Recht.

oder

Erwarten von jedem, der in #Köln feiert, Respekt. […sinnlose Einlassung hier entfernt] Das Kölner Lebensgefühl ist legendär tolerant, aber nicht zu verwechseln mit Regellosigkeit.

Das ist alles richtig. Und es ist auch zu erwarten, dass auch diesmal wieder ein massives Polizeiaufgebot dafür sorgen wird, dass sich die Ereignisse vom Jahreswechsel 2015/2016 nicht wiederholen werden.

Hinterfragen darf man aber durchaus den Sinn der begleitendenden Social Media Kampagne (siehe Bild oben) oder der Verteilung von Gummi-Armbändern mit dem Aufdruck “Respect!”.

Ohne jetzt inhaltlich darauf eingehen zu wollen – ich bin mir sehr sicher: Hierdurch wird kein einziger Übergriff verhindert.

Das Geld, das in diese Kampagne geflossen ist, hätte man daher sinnvoller verwenden können. Zum Beispiel für Sozialarbeit, den Weißen Ring und einfach heiße Erbsensuppe und Getränke für die Einsatzkräfte.

Bildquelle: Tweet der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Über #NAFRI, eine kaputte Diskussionskultur und ein Dankeschön

nafri-nordafrikaner

Das Jahr 2017 ist erst wenige Stunden alt und hat schon seine erste typisch deutsche Debatte – zumindest bei twitter. Es geht darum, dass die Polizei in einem tweet die Abkürzung Nafris verwendet hat:

nafri-tweet

In der Tat waren einige hundert Nordafrikaner zur Silvesternacht 2016/2017 nach Köln gereist – mithin genau die Gruppe, die beim Jahreswechsel 2015/2016 für massive Probleme gesorgt hat. Dass diese Personengruppe angesichts der Umstände nun besonders kontrolliert wird, sollte nicht weiter verwundern.

Doch viele meinen, der Polizei angesichts des Tweets Rassismus vorwerfen zu müssen.

Zum einen behaupten sie, die Polizei würde damit alle Nordafrikaner zu Tätern machen, stünde NAFRI doch für Nord-Afrikanische Intensivtäter. Falsch – NAFRI steht lediglich für NordAFRikaner und ist schon seit langem Polizeijargon. Das hat ein Polizeisprecher aktuell auch nochmals bestätigt. Der Begriff ist im übrigen schon lange vor 2016 gebräuchlich gewesen.

Zum anderen meinen sie, es sei diskriminierendes “racial profiling”, wenn diese Personengruppe kontrolliert würde. Zur Erinnerung: Es war genau diese “Nafri”, von der am Silvester 2015/2016 hunderte Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Eigentumsdelikte begangen wurden. Es wäre mehr als fahrlässig, diese nun nicht schwerpunktmäßig zu kontrollieren, wenn sie wiederum zum Jahreswechsel in großen Gruppen nach Köln reist.

Weiter wird behauptet, es würde Rassismus Vorschub leisten, diese Personengruppe besonders hervorzuheben. Ich wage zu behaupten: keiner wird durch diesen Tweet der Polizei zum Rassisten. Und hätte die Polizei nicht getwittert, würde kein Rassist bekehrt. Vielmehr gehe ich davon aus, dass es der “Lügenpresse-Fraktion” in die Hände spielte, würde diese Diskussion nicht offen geführt.

Natürlich sind Kontrollen aufgrund der Ethnie grundsätzlich problematisch und “racial profiling” muss diskutiert werden. Aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit und der Umstände diesmal blieb aus meiner Sicht der Polizei wohl nichts anderes übrig. Das ist traurige, aber wohl leider die Realität.

Schade finde ich zudem: Auf twitter prallen wieder vorbehaltlose Polizeikritiker (alles Rassisten) auf vorbehaltlose Wutbürger (alle Nafris sind Verbrecher und gehören abgeschoben). Differenzierte Diskussionen und Zwischentöne sucht man nahezu vergebens.

Und bei all dem Geschrei geht zudem völlig unter, dass nicht nur in Köln tausende Polizisten keinen freien Silvesterabend genießen konnten, damit hunderttausende Menschen friedlich feiern können. Dafür ein Dankeschön.

10 Fakten zum 31. Dezember

  1. Heute ist der letzte Tag des Jahres, seit der gregorianischen Kalenderreform 1583 Silvester genannt, da dies der Tagesheilige ist. Früher waren Namen wie Altjahr, Altjahrsabend, das Alte Jahr und Altjahrstag gebräuchlich, die heute noch regionale Bedeutung haben. Viele Christen besuchen am heutigen Tag einen Gottesdienst. In Norddeutschland ist es teilweise noch üblich, dass die Kinder “Rummelpott” laufen: sie verkleiden sich, gehen von Haus zu Haus und singen Lieder, um die bösen Geister zu vertreiben, wofür sie dann Geld oder Süßigkeiten erhalten. Generell trifft man sich am Abend im Familien-und Freundeskreis und feiert und isst gemeinsam – z.B. Fondue. Auch das “Dinner for One” (hier in einer modernen Version) gehört für viele zu Silvester dazu. Das neue Jahr wird dann um 0h mit Glockengeläut, Feuerwerk, Sekt und vielen guten Wünschen und Vorsätzen begrüßt.
  2. Mela, Melanie und Silvester haben heute Namenstag.
  3. Im Jahre 1472 wird in Amsterdam das Werfen von Schneebällen verboten; nur kleine Jungen sind von der Regelung ausgenommen.
  4. Edison führt 1879 das elektrische Licht erstmals öffentlich vor.
  5. Die New-Yorker feiern 1904 zum ersten mal “New Year’s Eve” am Times Square. Schon damals gibt es den “Ball Drop”: Vom Wolkenkratzer One Times Square wird in den letzten 60 Sekunden des alten Jahres der “Times Square Ball”, eine große beleuchtete Kugel, langsam herabgelassen.
  6. Im Jahr 1986 wünscht der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Ansprache zu Silvester den Deutschen nochmals ein gutes Jahr 1986 – die ARD sendet versehentlich das Band aus dem Vorjahr. Bis zum Schluss bemerkt niemand den Fehler.
  7. Seit 1989 überträgt das ZDF am heutigen Abend die Silvesterfeier am Brandenburger Tor. Vorher wurde zum Jahreswechsel das Läuten der Berliner Freiheitsglocke übertragen, um an die deutsche Einheit zu gemahnen.
  8. Der “Deutsche Fernsehfunk”, das ehemalige Fernsehen der “DDR” hat 1991 seinen letzten Sendetag.
  9. Sängerin LaDonna Andrea Gaines, bekannt als Donna Summer, wird 1948 geboren.
  10. Schauspieler Ben Kingsley (Gandhi) kommt 1943 auf die Welt.

Offener Brief: Eine Antwort an Georg Odergut

Georg Odergut hat eine falsche Verschwiegenheitserklärung zwischen Kölner Kliniken und Opfern der Silvesterübergriffe in Umlauf gebracht. Unsere Autorin Norma Schreiber antwortet ihm mit einem offenen Brief.

Sehr geehrter Herr Odergut,

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie die Leichtgläubigkeit der Menschen ein weiteres Mal unter Beweis gestellt haben und sich so in der Geschichte der gefakten Schlagzeilen sicherlich einen Platz ganz weit oben auf dem Siegertreppchen sichern konnten. Herzlichen Glückwunsch dazu.

An diese Glückwünsche anschließen muss ich allerdings auch ein paar kritische Zeilen. Ich hoffe Sie sind kein Sensibelchen.

With your name you have big shoes to fill. (Allein durch diese Tatsache bedingt, würde es Ihnen gut zu Gesicht stehen, ein wenig mehr Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. Anstatt zu beweisen, dass andere dies ebensowenig an den Tag legen.)

Meinen Sie nicht, Ihr englischer Namensvetter George Orwell würde sich im Grab umdrehen, wenn er von Ihrem enorm durchdachten Schachzug einer gefakten Verschwiegenheitsvereinbarung Wind bekommen würde?

If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear.
(George Orwell)

Aber nicht etwa dem Polizeichef der Stadt Köln oder Innenminister Jäger sendeten Sie eben jene Vereinbarung zu – diese Herren waren ja durchaus sehr bemüht um eine Aufklärung der Situation – sondern einer einzelnen Frau. Einer Frau, die die Frauenfeindlichkeit des streng gläubig ausgelegten islamischen Lebens erleiden musste. Wundern Sie sich wirklich über Ihre Bestürzung und Ihre Bitte um Antwort im Social Web?

Ich möchte dennoch betonen, dass Sie nicht Unrecht haben mit Ihrer Bestürzung über die allenfalls dilettantisch ausgeführte Recherche von Frau S. und ihre umgehende hemmungslose Verbreitung ihrer so glaubwürdig rechtskonform formulierten Verschwiegenheitsvereinbarung.

Womit sie weiterhin recht haben – und wobei ich mich Ihnen in vollem Umfang anschließe – ist die Empörung über die Skrupellosigkeit mit dem Geschäft der Wahrheit.

Dass solch ein Fake wie Sie ihn verfassten, offene Türen einrennen kann und unaufhaltbar Einzug in die Köpfe der sozialen Masse gefunden hat, ist mehr als bedauerlich. Nebenbei wäre hier der Begriff der kritischen Masse in einer leicht veränderten Bedeutung, als der gemeinhin gebräuchlichen, etwas womit sich Deutschland von mir aus gern schmücken dürfte. Stattdessen veröffentlicht die BILD eine Liste der Anzeigen die in der Silvesternacht bei der Polizei eingegangen sind. Mit Wortlaut der Anschuldigung sowie dem Ort des Geschehens. Wer würde da noch deren Echtheit hinterfragen? Wer würde sich da nicht sofort bedroht fühlen?

Da hat die BILD-Redaktion ganze Arbeit geleistet uns die Realität auf Deutschlands Straßen so BILDlich vor Augen zu führen – und dabei gleichzeitig so sachlich und von Emotionen getilgt in einer Liste zum sofortigen Abgleich bereitzustellen.

Das Problem im Alltag der Menschen (und hier meine ich vor allem Frauen): Das ist keine sachliche, sondern eine emotionale Situation.

Ja, Herr Odergut, das alles passiert direkt vor ihrer “Haustür” und vermutlich dann, wenn Sie eine Armlänge Abstand halten anstatt zu helfen. Längst vergessen sind die Fälle in Dehli, unbekannt der Begriff des Eve Teasing. Hauptsache die Deutschen haben ein neues Wort gelernt: taharrush gamea.

Wollen wir also im Chaos oder in einer Gemeinschaft leben?

Wir haben ein staatliches Haus geerbt, ein großes „Welthaus“, in dem wir zusammen leben müssen – Schwarze und Weiße, Menschen aus dem Osten und aus dem Westen, Heiden und Juden, Katholiken und Protestanten, Moslems und Hindus. Eine Familie, die in ihren Ideen, ihrer Kultur und ihren Interessen übermäßig verschieden ist und die – weil wir nie mehr ohne einander leben können – irgendwie lernen muss, in dieser großen Welt miteinander zu leben.
(Martin Luther King)

Viel Zeit um zu entscheiden, bleibt uns aber womöglich nicht mehr, denn vielleicht schmiedet Birgit Kelle grad gemeinsam mit Herrn Minister Jäger, dem BKA und der nach rechts übergelaufenen Katja Schneidt grad Pläne für eine Verschärfung des Asylgesetzes.

Oder sind am Ende nun doch die Frauen Schuld, weil Sie sich ja nicht züchtig genug gekleidet haben? (#mettre une robe n’est pas une crime)

Wussten Sie, dass die AfD ihre Frauen- und Familienpolitik stramm konservativ hält?

Dass viele angebliche Feministinnen sich gegen Übergriffe auf Frauen durch Ausländer stark machen (ja, das Problem wird mit Sicherheit durch härtere Asylgesetze gelöst) aber sich gleichzeitig völlig antifeministisch zu Themen wie Alleinerziehende und Berufstätige Mütter aussprechen

Fakt ist:

Natürlich gibt es Integrationsprobleme bei solch unterschiedlichen Wertesystemen und bei den Menschen kommt es auch immer zu Gewöhnungserscheinungen der Probleme im eigenen Land. Nazis, PEGIDA und die Tatsache dass jede dritte Frau Opfer häuslicher Gewalt ist. Ja, da beschäftigt man sich gern mit neuen Problemen wenn die Alten langweilig geworden sind.

Bitte missverstehen Sie nicht meine Ausführungen, Islamkritik muss erlaubt sein und meint ja nicht zwingend den Angriff einer ganzen Kultur. Indem man aber die Missstände benennt, hilft man auch ein Stück weit den Menschen die sich dagegen wehren und tagtäglich leiden müssen. Man unterstützt Organisationen wie Terre des Femmes oder Women in Exile von denen Sie und die meisten Deutschen, wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben.

Wie wäre es aber anstelle von infantilen Aktionen mit konstruktiver Hilfe und Kritik? Damit die deutschen Männer sich wieder solidarisieren mit den Frauen – egal ob Einheimische oder Ausländer.

Als ersten Schritt empfehle ich Ihnen den Ausdruck des Plakats von “Terre des Femmes”, dass Sie hier finden können

frauenrechte

Hochachtungsvoll,

Eduard Schönfreund

 

 

Nachtrag zu den Silvesterzetteln von Köln

Die Silvesterzettel von Köln haben für einige Aufregung in den deutschen Medien und Diskussionen geführt, einen der Zettel habe ich hier dokumentiert.

Für die größte Aufregung sorgte der Satz “Ich töte sie ficken”. Allein, grammatikalisch macht dieser nur wenig Sinn. Michael Simon de Normier vermutete daher in einem Gastbeitrag hier, eigentlich sei “ich täte sie ficken” gemeint.

BILDblog und Der Postillon (!) sorgten nun aber für die Aufklärung. “Ich töte sie ficken” sei die etwas ungelenke wortwörtliche Übersetzung von “Ich besorg es dir richtig”. Der BILDblog nutzt die Gelegenheit dazu, lautstark gegen die etablierten Medien zu wettern, die den Satz alle unkommentiert übernommen hätten.

Ich persönlich sehe das zweischneidig.

Einerseits muss ich gerade von großen Redaktionen erwarten können, dass diese in so einem Fall gleich die besten Graphologen, die der arabischen Schrift und Sprache mächtig sind, zusammentrommeln und für eine akribische Analyse und Übersetzung der Zettel sorgen. Es ist bezeichnend für die Lage der Medien hierzulande, dass ausgerechnet eine Satire-Seite und ein Blog für entsprechende Aufklärung sorgen.

Andererseits macht es die Frauen verachtende Intention des Zettels auch nicht besser.

So oder so: letztlich bleiben die Zettel nur eine Randnotiz der Diskussion rund um die Kölner Silvesternacht.

Der Silvester Zettel von Köln

der-zettel-von-koeln

Große Brüste

Fucken

Ich will fucken

ich will Dich küssen

ich töte (täte) sie ficken

Ich will töte (täte) dich küssen

Was ist sie?

Ich scherze mit Ihnen

diese

ich erinne (erinnere) mich

schscheze (scherze)

Dieser Zettel wurde bei einem der Tatverdächtigen der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht gefunden.

Bildquelle: bild.de

“Tat’n Sie eventuell mit mir vögeln?”

Soeben hatte Sebastian Schneider seiner Lehrerin ins Ohr gebissen. Und ihm war wohl schon bewusst, keinen positive Bescheid für seine impertinente Anfrage zu erhalten. Nur ist er halt ein kleiner, wenn auch nicht ganz unschuldiger, Bub und Fiktion – als Hauptfigur der unsterblichen Komödie “Wer früher stirbt ist länger tot”.

Kein Vergleich!

Bloß eine kleine assoziative Hilfestellung für alle, deren sprachliche Fantasie nicht darauf kommen wollte, dass auf diesem wahrlichen Schmierzettel

ich täte sie ficken

steht -und nicht, so wie wir es “, halbblind vor Schock, lesen wollten:

ich töte sie… F I C K E N !!!

Ging es Ihnen wie mir? Als ich von dem Zettel las, wollte ich es kaum wahrhaben.

So etwas abstoßendes! Kann das denn Wirklichkeit sein?

Als Mensch und Poet war ich den ganzen Tag lang völlig verstört, von der vermeintlichen Kombination aus dem Wunsch nach Sex und allzeit bereiter Mordlust. Als es in der Tagesschau kam, wurde der Schmierzettel weltberühmt. Längst berichten auch internationale Medien.

Darf man nach so einem langen Tag der entsetzlichen Erkenntnisse und Enttäuschung auch mal ein bißchen schmunzeln, sich an “Schtonk” erinnert fühlen?

Ewasack ist NICHT Haber Mondgerecht! Da wollen wir fair bleiben und nicht blind vor lauter Entsetzen, Wut und Sorge, oder?!

Der Jargon auf dem Blatt ist nicht meiner. In einem feministisch geprägten Haushalt wurde ich geimpft, im Salon und beim Anbahnungsverhalten auf Verben mit ‘ck’ und zweisilbige Substantive mit drei ‘t’s zur Beschreibung weiblicher Geschlechtsmerkmale ganz zu verzichten.

Ich darf es dem halbstarken Asylbewerber dennoch nicht verübeln, auf große Brüste abzufahren und zu hoffen, dass sein verbaler Frontalangriff (immerhin plante er seinen Wunsch nach einem Kuss – hoffentlich rechtzeitig – anzukündigen: “ich will [ähh..] täte sie küssen”) zum Erfolg führt. Dabei geht es mir auch nicht darum, herauszustellen, dass dieser Knilch in einer Turnhalle ohne Vorhänge, mit Gruppenduschen und Schlangestehen vorm WC, Schwierigkeiten damit haben dürfte, seinen Stau eigenhändig zu regulieren…

Nichts entschuldigt es, falls er handgreiflich gegenüber Frauen wurde!

Wenn diese – hoffentlich doch Ausnahmen -verschrobener Idioten schlussfolgern, die Frauen hierzulande seien leicht zu haben, weil sie sich – mehrheitlich nach eigenem Wunsch und Geschmack – leichter kleiden, als woanders, haben diese Typen eine wichtige Lektion schnellstens zu lernen.

Dieses drastische Missverständnisse ein- und für alle Male auszuräumen, ist übrigens eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, nicht diejenige ausschließlich der Frauen! Auch unsere selbstbewusste Kultur ist seit jeher eingeladen, einen Beitrag dazu zu leisten.

Integre Standpunkte vor!

Doch bitte werfen wir nicht alle und alles in einen Topf: in meinen essayistischen mit Tagestexten zur Integration, dem APP-reisskalender (weil er dieser Tage auch auf Arabisch als App erscheint) versuche ich mir bewusst zu machen, dass es einen deutlichen Unterschied macht, ob ich einem Gast einen Rat – z.B. in Stilfragen – gebe, -ob ich Richtlinien vorgebe, deren Missachtung gemeinschaftlich unerwünscht ist, -oder ob ich Regeln und Gesetze anführe, deren Befolgung nicht verhandelbar ist. Das Grundgesetz steht über Bibel und Koran. Aber auch weit oberhalb von Geschmacksfragen!

Hier gilt eine eindeutige Botschaft:

Du kannst auf Deinen persönlichen Spickzettel schreiben, was Du für angemessen hältst. Wie weit Du damit kommst, wirst Du sehen! Was wir von Dir halten, wenn es rauskommt ist – wie in der Schule! – Dein Problem.

Aber es ist eben ein ganz entscheidender Unterschied, ob Du planst, eine Frau blöd anzuquatschen – was sie, je nach Kontext, zur sexuellen Belästigung zählen könnte -, oder ob Du mit Händen, statt mit Worten gegen ihren Willen handelst. Geschweige denn, ob er vorhat, sie gezielt zu verletzen, gar zu töten!

Die Grenzen zwischen dem ein- und dem anderen mögen zwar in der Praxis leider fließend sein. Aus ethischer Betrachtung dürfen wir sie nicht verwischen!

Ich frage mich, ob der Typ, dem diese wenig schicken und unschicklichen Sprüche von seinem Übersetzer (offenbar ebensowenig Muttersprachler) auf den Weg mitgegeben wurden, sich an seinen mutmaßlichen Vorsatz, zu flirten, statt zu überfallen, in der betreffenden Nacht hielt, oder nicht…

Und zwei weitere Fragen stelle ich mir noch:

  1. Wie hört sich die betreffende Sprache heute – lange nach meiner Schulzeit – auf den Schulhöfen an?
  2. Wie war das in den Redaktionen?

Frei nach Schtonk?

Das kann ja sein, aber für mich ist der zweite Buchstabe da ein “ä” und kein “ö”. Und ditt macht ja ooch gar keinen Sinn!

Und dennoch wurde eine Schlagzeile daraus!

Gastbeitrag von Michael Simon de Normier.

Bleibt doch alle bei den Fakten

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Tage wie diese lassen mich langsam an Politik, Medien und “dem Netz” verzweifeln. Aber der Reihe nach.

Unstrittig dürfte zunächst sein: in Köln kam es in der Silvesternacht zu Übergriffen auf junge Frauen, die es in dieser Dimension in jüngerer Zeit noch nicht gegeben hat.

Das Versagen der klassischen Medien

Berichtet wird darüber zunächst kaum. Die wenigen Meldungen finden sich einerseits sehr zurückhaltend in lokalen Medien einerseits und sehr reißerisch andererseits auf eher strammrechts zu verorteten Nachrichtenseiten und Blogs. Die überregionalen Medien schweigen.

Mutmaßlicher Grund für diese Situation: Bei den Tätern hat es sich nach übereinstimmenden Berichten um arabisch und nordafrikanisch aussehende Männer gehandelt. Möglicherweise Flüchtlinge? Was bei den besorgten Bürgern zu geifernder klammheimlicher Freude führt (“Haben wir es nicht schon immer gesagt?”) begründet bei den klassischen Medien betretenes Schweigen (“Was nicht sein darf, findet nicht statt.”).

Irgendwann ist der Druck aus den sozialen Netzwerken und den Blogs aber so groß, dass ab dem 4. Januar eine breite Berichterstattung stattfindet. Einen Tag später zieht dann auch das ZDF nach.

Das Versagen des twitter-Feminismus und über die Instrumentalisierung sexueller Gewalt

Um diese Zeit herum habe ich geschrieben, dass es gefährlich ist, wenn in Sachen Köln der #Aufschrei der Pegida Fraktion überlassen wird, die diesen in erster Linie für pauschale Hetze gegen Ausländer, Flüchtlinge und Muslime missbraucht. Denn von den üblichen twitter Feministinnen war zunächst nichts und dann nur eher beschwichtigendes zu lesen.

Hier zeigt sich ein weiteres Versagen: die Instrumentalisierung sexueller Gewalt und deren Opfer. Empört wird sich nur dann, wenn es den eigenen politischen Zielen dient und ins Weltbild passt.

Einerseits: Brüderle beleidigt mit einem Altherrenkompliment – Aufschrei. Flüchtlinge gehen junge Frauen an – lieber mal ruhig sein.

Andererseits: Flüchtlinge gehen junge Frauen an – Grenzen dicht und kastrieren! Der Huber Toni hat auf dem Oktoberfest der Marie untern Rock gegriffen – Mei, so ist es halt auf der Wiesn, die soll sich nicht so anstellen.

Sexuelle Gewalt ist sexuelle Gewalt. Völlig gleich, von wem sie begangen wird. Und sexuelle Gewalt muss thematisiert werden, ob es einem gerade ins Weltbild passt oder nicht. Da gibt es in keiner Richtung etwas zu relativieren oder aufzubauschen. Punkt.

Zynisch finde ich auch, wenn der von mir ansonsten sehr geschätzte Heinrich Schmitz im Tagesspiegel und bei den Kolumnisten zu Köln schreibt:

Gleichwohl wurden hier sexuelle Handlungen ganz offenkundig von Trickdieben eiskalt genutzt, um die Opfer zu bestehlen – und nicht in erster Linie um sie zu „erniedrigen“.

Sorry Heinrich, zum einen weißt Du nicht, ob es den Tätern nicht um Handys und sexuelle Erniedrigung ging (wovon die Polizei inzwischen ausgeht). Zum anderen ist das auch völlig egal – den betroffenen Frauen wird es wohl kein Trost sein, dass sie nicht aus sexuellen Motiven heraus massiv sexuell belästigt wurden.

Natürlich hat sich in den letzten Jahrzehnten und Jahren in Deutschland viel geändert. Kaum mehr vorstellbar, dass sich heutzutage noch ein Gericht äußern würde wie der Bundesgerichtshof 1966 (Urteil des BGH vom 2. November 1966, Az. IV ZR 239/65):

Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr … versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.

Ich möchte aber nicht wissen, in wie vielen Ehen und Beziehungen das und schlimmeres Realität ist. Unter diesem Aspekt ist das aktuelle Interview mit der Aufschrei Initiatorin Anne Wizorek zu den Vorfällen in Köln durchaus lesenswert.

Wünschenswert wäre jedenfalls, wenn über alle Fälle sexueller Gewalt sachlich und ohne politische Vereinnahmung diskutiert werden könnte.

Das Versagen der Politik

Dazu gehört aber auch, nichts zu verschweigen und die Augen nicht vor den Ursachen zu verschließen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich der Kölner Polizeipräsident Albers am 5. Januar hinstellt und sagt, er hätte keine Informationen über die mutmaßlichen Täter, wenn in einem Einsatzbericht vom 2. Januar zu lesen ist, dass es 71 Personalienfeststellungen, 11 Ingewahrsamnahmen und 4 Festnahmen gab – darunter waren einige syrische Flüchtlinge.

Entweder hat der Kölner Polizeipräsident seinen Laden nicht im Griff oder es sollten wieder nicht in die politische Lage passenden Informationen zurückgehalten werden. Vielleicht ist sogar beides der Fall.

Über die weiteren Versäumnisse, Fehleinschätzungen und Fehler der Polizeiführung und des Innenministers von NRW in der Kölner Silvesternacht wird man jedenfalls noch einiges lesen können.

Die Konsequenzen

All diese Ungereimtheiten und Vereinnahmungen führt zu einem weiteren Entfremden zwischen großen Teilen der ehemals meinungsführenden Medien und Politik einerseits und großen Teilen der Bevölkerung andererseits.

Nachdem am 7. Januar die Polizeiberichte veröffentlicht wurden, die viele der Aussagen aus Politik und Medien als unrichtig entlarvten, habe ich Begriffe wie Lügenpresse und Verräter von Menschen gehört und gelesen, von denen ich dies nie erwartet hätte.

Eine weiterer Vertrauensverlust in Politik und Medien wäre angesichts der zahlreichen bevorstehenden Herausforderungen mehr als bedenklich.

Und Vertrauen gewinnt man durch Ehrlichkeit.

Warum es gefährlich ist, dass es wegen der Kölner Silvesternacht keinen Aufschrei gibt

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Thema erledigt?

Inzwischen – wenige Stunden später – müsste ich diesen Artikel nicht mehr so schreiben. Die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof sind jetzt das herausragende Thema in den Medien und in den sozialen Netzen. Links dazu auch unten am Ende des ursprünglichen Artikels.

Mir war wichtig, dass die Ereignisse nicht allein von PEGIDA und Co. vereinnahmt werden, sondern dass eine breite, vorurteilsfreie und sachliche Diskussion geführt wird. Das ist inzwischen der Fall – naja, zumindest, dass eine breite Diskussion geführt wird…

Erledigt hat sich das Theme sexuelle Gewalt und unser Umgang damit aber noch lange noch nicht.

Der ursprüngliche Artikel

Inzwischen sollten es die meisten mitbekommen – in der Silvesternacht sind in Köln dutzende Frauen von einer größeren Gruppe Männer massiv sexuell belästigt worden. Und auch in anderen Städten wie Hamburg und Stuttgart gab es ähnliche Vorfälle, wenngleich nicht in dieser Intensität.

Berichtet wurde darüber zunächst kaum, bis das Thema getrieben von Lokalpresse und sozialen Netzen auch in den überregionalen Medien angekommen ist.

Doch wo bleibt der Aufschrei? Da muss Herr Brüderle nur eine private Bemerkung über den Ausschnitt einer Journalistin machen (Dirndlgate) und halb Deutschland empört sich. Doch wenn dutzende Frauen in aller Öffentlichkeit sexuell belästigt werden, bleibt es diesmal an dieser Front ziemlich ruhig.

Der Grund dürfte schnell gefunden sein: bei den Tätern soll es sich überwiegend um Nordafrikaner und Araber gehandelt haben. Und es darf eben nicht sein, was nicht sein darf.

Dabei ist es völlig egal, ob die Täter deutsche Hooligans, Nordafrikaner, Russlanddeutsche, Araber, Spanier, Syrer, betrunkene Halbstarke oder was auch immer sind: Sexueller Übergriff bleibt sexueller Übergriff. Und dass solche in so einer Dimension im öffentlichen Raum möglich sind, wäre einen Aufschrei wert.

Dass dieser unterbleibt, führt wieder einmal nur dazu, dass die Diskussion in einer völlig falschen Ecke geführt und dementsprechend von dieser beherrscht wird. Frau Festerling von PEGIDA macht mit Köln schon gehörig Stimmung.

Und das ist gefährlich.

Zunächst geht es darum, den Betroffenen zu helfen. Wichtig ist weiter, die Taten schnell aufzuklären und die Täter zu bestrafen sowie Konzepte zu finden, wie solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können.

Aus vermeintlicher Political Correctness den Opfern die Solidarität zu verweigern ist aber genau so falsch, wie die Vorfälle als Vorwand zur Hetze zu vereinnahmen.

Links zum Thema

Hier noch einige interessante Links zum Thema:

Die Links werden fortlaufend ergänzt, für Anregungen bin ich offen.

Disclaimer: Dass ich einen Link hier aufführe heißt nicht zwingend, dass ich 100% mit dem Inhalt übereinstimme.

Lesenswertes 18

lesenswertes-18

Hier ist die 18. Ausgabe der “lesenswerten” Links – übrigens die erste im neuen Jahr.

  1. Malerisches Delirium
    Ein britisches Silvesterfoto geht um die Welt.
  2. Die Sache mit den guten Vorsätzen
    Wenn man sich für 2016 etwas vornimmt, sollte man dies auch mit einem Plan umsetzen.
  3. Prognosen aus dem Jahr 1900 und was daraus wurde
    Auch immer beliebt zum Jahreswechsel sind Prognosen und Vorhersagen. Hier wirft Carsten Drees von den Mobilegeeks einen Blick auf Vorhersagen aus dem Jahr 1900 – und was daraus wurde.
  4. Europa – der zerbrechliche Kontinent
    Eine punktuelle Bestandsaufnahme der Lage.
  5. Riads Kriegserklärung
    Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten im nahen Osten und wie Saudi Arabien ihn anheizt.
  6. Der neue Kampf um Rom
    Teile dieses Artikels könnten Sie verunsichern.
  7. Zur Lage in Polen
    Der polnische Außenminister Waszczykowski zur aktuellen Kritik an seinem Land. Ich denke auch, man sollte sich mehr mit den Hintergründen befassen, bevor man reflexartig Kritik übt.
  8. Samsungs verrückter Kühlschrank
    …mit einem riesigen Touchscreen.
  9. Ist Aachen eine niederländisch-belgische Exklave?
    Schöner Bericht über die Kaiserstadt beim Rheinlandblogger.
  10. Linktipps bei den Bonner Blogs
    Gerne mache ich auch mal auf andere Linkempfehlungen aufmerksam – wie z.B. jetzt auf die von den Bonner Blogs. Für alle, die einen Bezug zu Bonn haben, lohnt sich der regelmäßige Besuch der Seite.

Bild: Hausnummer 18 in der Bonngasse in Bonn. Das Gebäude liegt direkt neben Beethovens Geburtshaus und beherbergt u.a. den Shop.