Die Hitlerdroge

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Die Bild Zeitung hat für Crystal Meth den Begriff Hitlerdroge eingeführt. Anlass dafür war, dass Volker Beck mit ebendieser Droge erwischt wurde. Ich bin immer noch unentschieden, ob ich diese Schlagzeile jetzt einfach nur geschmackslos oder genial finden soll…

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Doch was ist Crystal eigentlich genau? Und warum nennt die Bild es Hitlerdroge?

Methamphetamin, auch Metamfetamin oder N-Methylamphetamin genannt, ist eine synthetisch hergestellte Substanz aus der Stoffgruppe der Phenylethylamine. Es ist Bestandteil vieler nicht-halluzinogener euphorisierender Drogen (umgangssprachlich Crystal Meth, Meth oder Crystal).

Erstmals synthetisiert wurde es 1883 in Japan. 1921 kam es auch in Japan unter der Bezeichnung Hiropon auf den Markt; der Name rührte daher, dass es Müdigkeit (hirō) mit “einem Schlag” (pon) vertreiben könne. In anderen Märkten hieß es Philopon (griechisch philoponus = “Arbeit-liebend”.

Meth verursacht demnach Euphorie, vertreibt Müdigkeit, ist leistungssteigernd, erhöht das Mitteilungsbedürfnis und das sexuelle Verlangen. Allerdings führt der Konsum von Methamphetamin sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit und zu Dosissteigerungen. Nebenwirkungen sind dann erhöhte Körpertemperatur, Schwitzen, trockener Mund, Schwindel, Zittern, Angstzustände und Kreislaufprobleme. Weitere Risiken ergeben sich bei den illegalen Herstellungen, da dort oft Streckmittel eingesetzt werden oder nicht sauber synthetisiert wird.

In Deutschland wurde die Droge nach 1938 unter der Marke Pervitin beliebt. Es gab sogar damit versetzte Pralinen, sogenannte Hausfrauenschokolade. Großflächig eingesetzt wurde es zur Leistungssteigerung, gegen Ängste und Müdigkeit in der Luftwaffe und bei der Wehrmacht – allein letztere soll zwischen April und Juni 1940 35 Millionen Pervitin Tabletten bezogen haben. Spitznamen wie Panzerschokolade, Stuka-Tabletten oder Hermann-Göring-Pillen erklären sich so. Ab 1941 ging der Einsatz zurück, da Pervitin nur noch auf Rezept erhältlich war. Adolf Hitler soll die Droge seit 1942 regelmäßig konsumiert haben.

Das hinderte später weder Bundeswehr noch NVA, das Mittel als Bestandteil der Verpflegung von Fallschirmjägern zu verwenden und bei Übungen auszugeben. Dies war bis in die 1970er üblich. Zudem wurde es als Doping Mittel eingesetzt; neuerer Forschung nach war es beim Wunder von Bern im Spiel.

Inzwischen ist Metamfetamin als verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft. Der Besitz ohne Erlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist strafbar.

Mehr dazu bei Wikipedia. Auf dem entsprechenden Artikel basieren auch die meisten Informationen hier.

Eine Lanze für Volker Beck

stein

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Voranmerkung: diesen Artikel habe ich geschrieben, bevor ich von der Bild Schlagzeile „Grüner mit Hitler Droge erwischt“ Kenntnis hatte. Aber genau wegen solcher Sätze ist dieser Beitrag hier wohl notwendig,

Der Scherz war irgendwie zu naheliegend – kurz nachdem bekannt wurde, dass Volker Beck wohl mit Crystal Meth erwischt wurde, wurden die sozialen Netze mit #breakingbeck Scherzen geflutet. Auch ich habe mitgemacht. Gut, #breakingbeck ist irgendwo noch lustig. Aber viele Kommentare und Äußerungen überschreiten inzwischen für mein Gefühl die Grenze des guten Geschmacks und dessen, was in politischen Diskussionen vertretbar ist.

Auch wenn ich Volker Beck politisch und menschlich sehr ambivalent sehe, möchte ich doch eine Lanze für ihn brechen.

Lasst Volker Beck in Ruhe.

Ja, Medienberichten zufolge hat er sich mit 0,6g Crystal Meth erwischen lassen. Gehen wir mal davon aus, dass es irgendetwas mit Methamphetamin drin gewesen sein. Der BGH zieht hier übrigens die Grenze zur nicht geringen Menge auf 5 g bei Metamfetaminbase, 6,2 g bei Metamfetaminhydrochlorid und 10 g bei Methamphetaminracemat. Die Menge, mit der sich Volker Beck erwischen ließ, war also ziemlich gering.

Natürlich war es recht ungeschickt, dass er selbst in die Wohnung des Dealers gegangen ist und letztlich dadurch erwischt wurde. Irgendwie ist das aber auch authentisch und passt zu Volker Beck.

Ich will jetzt hier kein Plädoyer für die Legalisierung von harten Drogen halten. Sie sind aber in weiten Teilen des Politikbetriebs Realität. Schon im Jahr 2000 konnte der Spiegel schreiben, dass Drogenhunde im Bundestag anschlagen würden. 2014 flog der Crystal Meth Konsum des SPD Abgeordneten Michael Hartmann auf (dessen Anwalt übrigens Eisenberg hieß, Wortspielalarm…) und FDP Politiker Alexander Alvaro verursachte unter Kokain Einfluss einen schweren Unfall. An viele weiße Nasen in der Kellerbar des Bonner Wasserwerks oder an den süßlich grasigen Geruch vor dem von vielen Abgeordneten besuchten „Mierscheids“ in der Bonner Südstadt kann ich mich selbst noch gut erinnern.

Und schaut man auf legale Drogen, sieht es noch ganz anders aus. Allein mit den Sufffahrten – allen voran, aber nicht nur – von CSU Abgeordneten, Bürgermeistern und Landräten könnte man ganze Blogs füllen.

Politik ist ein hartes Geschäft, das die Menschen an ihre Grenzen treibt. So sehr, dass sehr viele meinen, das nur noch mit Drogen ertragen zu können. Nicht alle, aber eben sehr viele. Die Gründe dafür wären einen eigenen Beitrag wert – angemerkt sei nur: der zunehmend raue Ton auf twitter und Co ist daran sicherlich nicht ganz unschuldig.

Volker Beck ist damit unter den Bundestagsabgeordnete nicht allein. Er hat eben nur den Fehler gemacht, sich erwischen zu lassen. Ausgerechnet mit einer Droge, die sich mit Crack um den ersten Platz in der Kategorie „Betäubungsmittel mit dem schlechtesten Image“ streitet. Hätte er sich ordentlich betrunken, wäre das alles nicht so schlimm…

So oder so: es ist richtig, dass er von seinen herausragenden Ämtern zurückgetreten ist. Sein Bundestagsmandat sollte er aber nicht aufgeben. Der Bundestag als Volksvertretung soll eben auch aus einem Querschnitt der Bevölkerung stellen. Und dazu gehört auch ein bekennender Schwuler, der auch mal Fehler macht.

Denn nur von veganen, abstinenten und spaßbefreiten Diplom-SozialpädagogI*nnen möchte zumindest ich mich nicht vertreten lassen.

Im übrigen gilt:

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein.

Anhang: Methamphetamin

Für Hintergrundinformationen zu Crystal Meth gibt es nun einen eigenen Artikel.

Warnung vor dem Buche: Sauger

Die Beschreibung liest sich zunächst sehr gut:

Sauger’ ist ein Thriller, der die beschauliche ehemalige Bundeshauptstadt Bonn in eine düstere Atmosphäre taucht. Sonja, eine etwas leichtsinnige junge Frau, erlebt, wie ihre beste Freundin ermordet wird. Der Polizist, der diesen Fall untersucht, erweist sich als unfähig. Seiner anfangs noch in ihn verliebten Kollegin wird zudem allmählich klar, dass er ein Psychopath ist. Sonja flüchtet zu einem Pressefotografen, der sich in sie verliebt hat …

Leider erfüllt das Erstlingswerk von Christian Günter die Erwartungen überhaupt nicht.

Die Atmosphäre Bonns wird nicht eingefangen – man schafft diese nicht, indem man einfach Namen von Straßen oder Stadtteilen im Text verstreut. Peinlich berührt ist man auch, wenn sich Sonja mit ihren Freundinnen unterhält oder sich die führenden Köpfe der Stadt in einem Restaurant treffen und versucht wird, die Sprache der jeweiligen Milieus nachzubilden – es wirkt aufgesetzt und künstlich. Die Charaktere sollen stark gezeichnet sind, sind aber nur bis ins Perverse überzeichnet und bleiben dadurch letztlich schwach. Die Handlung ist unrealistisch und unlogisch.

Ich habe darüber nachgedacht, ob ich das Buch überhaupt zu Ende lesen soll, da es immer abstruser und schlechter geschrieben wird. Die Hoffnung, es kläre sich alles auf – z.B. ein schlechter Trip der Hauptprotagonistin Sonja, nachdem sie eine Flasche Bourbon und Prosecco in Kombination mit reichlich Pervitin und LSD konsumiert hat. Doch dem ist leider nicht so. Medikamente bekommt sie am Ende aber durchaus.

So ist „Sauger“ eines der wenigen Bücher, vor denen ich warnen möchte.

Gibt es in einer digitalen Ausgabe für den Kindle, die nur knapp einen Euro kostet. Die Taschenbuchausgabe schlägt mit rund 12 Euro zu Buche.

Sauger von Christian Günther
Taschenbuch: 188 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (30. Juli 2015)
ISBN-10: 3738620591
ISBN-13: 978-3738620597