Gedicht: Von bösen und guten Freunden

Das habe ich gemacht von bösen und guten Freunden:

Wer in der Noth vom Freunde weicht,
Und seinen Freund entbehret leicht;
Wer nicht im Herzen dessen liest,
Der ein recht treuer Freund ihm ist,
Und wer allzeit Recht haben möcht‘,
Des Freundes Wohl besorget schlecht;
Mit jedermann im Streite steht
Und wie gehörnt stets d’rauf losgeht:
Der ist ein eigenmächtiger Mann,
Dem niemand besteh’n und Recht thun kann.
Denn wer begehrt stets krumme Rücken,
Und dass man sich vor ihm soll bücken:
Solch‘ einen ist es besser zu meiden,
Als nur Betrübniss von ihm leiden.

Denn wer ein guter Freund dir ist,
Der übt an dir nie arge List,
Dass er dir nichts zum Uebel kehrt,
Doch Böses allzeit dir abwehrt;
Dich nimmer auch verlasst in Noth,
Einsteht für dich, wenn Gefahr dir droht;
Der jederzeit auch Mitleid trägt,
Wenn du von Trauer bist bewegt,
Und nie geringer achtet dich,
Als selbst er pflegt zu schätzen sich:

Solch einen Freund halt‘ hoch in Ehren,
Lass‘ dich durch nichts von ihm abkehren.
Und keinen Freund sollst merken lassen,
Du woll’st dich nimmer mit ihm befassen.

Dieses Gedicht wurde von Albrecht Dürer geschrieben.

 

Gedicht: Soll ein Weib wohl Bücher schreiben; Oder soll sie’s lassen bleiben?

Schreiben soll sie, wenn sie’s kann,
Oder wenn es wünscht ihr Mann;
Und befiehlt er’s gar ihr an
Ist es eheliche Pflicht. –
Aber schreiben soll sie nicht,
Wenn es ihr an Stoff gebricht,
Oder an gehör’ger Zeit,
Oder gar an Fähigkeit,
Oder mit zerriss’nem Kleid. –
Schreiben soll sie früh und spät,
Wenn es für die Armuth geht,
Wenn sie sonst was Schlechtres thät;
Aber schreiben soll sie nie
Wenn durch ihre Phantasie
Leidet die Oekonomie. –
Und nun sag’ ich noch zum Schluß
Lebt in ihr der Genius,
Wird sie schreiben, weil sie muß.

Dieses Gedicht hat Rahel Varnhagen von Ense (geborene Levin) um 1823 geschrieben. Sie wurde am 19. Mai 1771 geboren und war war eine deutsche Schriftstellerin und Salonnière jüdischer Herkunft.

Sie gehört der romantischen Epoche an und vertrat zugleich Positionen der europäischen Aufklärung. Sie trat für die jüdische Emanzipation und die Emanzipation der Frauen ein.

ChatGPT Prompt Idee: Barockes Liebesabenteuer

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Lassen Sie sich überraschen…

Wenn der Gang der Geschichte in eine langweilige Richtung geht, können Sie jederzeit mit neuen Prompts eingreifen und das Abenteuer steuern.

Gedicht: O death! rock me asleep


Anne Boleyn, die zweite Ehefrau von Henry VIII. soll dieses Gedicht im Tower vor ihrer Hinrichtung geschrieben haben. Ihre Urheberschaft ist aber nicht final gesichert.

O death! rock me asleep,
Bring me the quiet rest;
Let pass my weary guiltless ghost
Out of my careful breast:
Toll on the passing bell,
Ring out the doleful knell,
Let thy sound my death tell,
Death doth draw nigh;
There is no remedy.

My pains who can express?
Alas! they are so strong,
My dolour will not suffer strength
My life for to prolong:
Toll on, thou passing bell,
Ring out my doleful knell,
Let thy sound my death tell,
Death doth draw nigh;
There is no remedy.

Alone in prison strong,
I wait my destiny,
Woe worth this cruel hap that I
Should taste this misery?
Toll on, thou passing bell,
Let thy sound my death tell,
Death doth draw nigh,
There is no remedy.

Farewell my pleasures past,
Welcome my present pain!
I feel my torments so increase
That life cannot remain.
Cease now,thou passing bell;
Rung is my doleful knell,
For the sound my death doth tell,
Death doth draw nigh,
There is no remedy.

Gedicht: Der Träumende

Blaugrüne Nacht, die stummen Farben glimmen.
Ist er bedroht vom roten Strahl der Speere
Und rohen Panzern? Ziehn hier Satans Heere?
Die gelben Flecke, die im Schatten schwimmen,
Sind Augen wesenloser großer Pferde.
Sein Leib ist nackt und bleich und ohne Wehre.
Ein fades Rosa eitert aus der Erde.

Jakob van Hoddis

Die Illustration wurde mit der Midjourney AI erstellt.

Tagesgedicht: Monster der Neuzeit

Monster der Neuzeit

Die Monster sind erwacht,

ganz still und heimlich in der Nacht,

am Morgen fressen uns die Sorgen,

denn hinter uns‘rem Rücken,

fast komplett verborgen,

und ohne sich zu bücken,

erschlichen sie sich ihre Macht.

 

Tagesgedicht: Andis Dilemma

Andis Dilemma

Oh, wenn Wille allein doch nur genüge,

ach, was soll man bloß machen,

wenn’s denn im Geiste fehlt,

und ist der Wunsch auch noch so groß,

Mensch Andi komm, lass‘ endlich los!

 

 

Gedicht: Ich kam

Ich kam.
Ich gehe.
Ob je mich eine Mutter auf die Arme nahm?
Ob je ich meinen Vater sehe?

Nur viele Mädchen sind bei mir.
Sie lieben meine großen Augen,
Die wohl zum Wunder taugen.
Bin ich ein Mensch? Ein Wald? Ein Tier

Gedicht von Klabund

Gedicht: The castled crag of Drachenfels

drachenfels-byron

The castle crag of Drachenfels
Frowns o’er the wide and winding Rhine,
Whose breast of waters broadly swells
Between the banks that bear the vine,
And hills all rich with blossom’d trees,
And fields which promise corn and wine,
And scatter’d cities crowning these,
Whose far white walls along them shine,
Have strew’d a scene, which I should see
With double joy wert thou with me.

And peasant girls, with deep blue eyes,
And hands which offer early flowers,
Walk smiling o’er this paradise;
Above, the frequent feudal towers
Through green leaves lift their walls of gray;
And many a rock which steeply lowers,
And noble arch in proud decay,
Look o’er the vale of vintage-bowers;
But one thing want these banks of Rhine,
– Thy gentle hand to clasp in mine!

I send the lilies given to me;
Though long before thy hand they touch,
I know that they must wither’d be,
But yet reject them not as such;
For I have cherish’d them as dear,
Because they yet may meet thine eye,
And guide thy soul to mine even here,
When thou behold’st them drooping nigh,
And know’st them gather’d by the Rhine,
And offer’d from my heart to thine!

The river nobly foams and flows,
The charm of this enchanted ground,
And all its thousand turns disclose
Some fresher beauty varying round:
The haughtiest breast its wish might bound
Through life to dwell delighted here;
Nor could on earth a spot be found
To nature and to me so dear,
Could thy dear eyes in following mine
Still sweeten more these banks of Rhine!

Das Gedicht verfasste der britische George Gordon Byron (Lord Byron). Er erblickte den Drachenfels am 11. Mai 1816, als er auf dem Weg von London an den Genfer See war. In dem Gedicht verarbeitet er die Liebe zu seiner Halbschwester Augusta Leigh.

Die deutsche Übersetzung ist von August Mommsen und entstand 1885:

Der turmgekrönte Drachenfels

Weit droht ins offne Rheingefild
Der turmgekrönte Drachenstein;
Die breite Brust der Wasser schwillt
An Ufern hin, bekränzt vom Wein,
Und Hügeln, reich an Blüt’ und Frucht
Und Au’n, wo Traub’ und Korn gedeihn,
Und Städten, die an jeder Bucht
Schimmern im hellen Sonnenschein:
Ein Zauberbild! – Doch fänd’ ich hier
Zwiefache Lust, wärst du bei mir!

Und manche holde Bäuerin
Mit Frühlingsblumen in der Hand
Geht lächelnd durch das Eden hin;
Hoch oben blickt vom Felsenrand
Durch grünes Laub das Räubernest,
Und manches Riff mit schroffer Wand
Und kühnen Bogens stolzer Rest
Schaut weit hinaus ins Vaterland;
Nur eines fehlt dem schönen Rhein:
– Dein Händedruck, – ich bin allein!

Die Lilien, welche ich empfing,
Send’ ich zum Gruße dir ins Haus:
Wenn auch ihr Duft und Schmelz verging,
Verschmähe nicht den welken Strauß!
Ich hielt ihn hoch, ich weiß es ja,
Wann deine Augen bald ihn sehn,
Dann ist mir deine Seele nah‘:
Gesenkten Hauptes wird er stehn
Und sprechen: Von dem Tal des Rheins
Schickt diesen Gruß sein Herz an dein’s.

Der stolze Strom erbraust und fließt,
Der schönen Sagen Zaubergrund;
In tausend Windungen erschließt
Sich neue Schönheit, reich und bunt;
Wer wünschte nicht mit Herz und Mund
Ein Leben lang zu rasten hier?
Kein Raum wär’ auf dem Erdenrund
So teuer der Natur und mir,
Wenn deine lieben Augen nur
Noch holder machten Strom und Flur.

Bild: Dieses Bild ist unter der digitalen ID ppmsca.00835 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.

Gedicht: Die Nacht auf dem Drachenfels

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An Fritz v.B.

Um Mitternacht war schon die Burg erstiegen,
Der Holzstoß flammte auf am Fuß der Mauern,
Und wie die Burschen lustig niederkauern,
Erscholl das Lied von Deutschlands heilgen Siegen.

Wir tranken Deutschlands Wohl aus Rheinweinkrügen,
Wir sahn den Burggeist auf dem Turme lauern,
Viel dunkle Ritterschatten uns umschauern,
Viel Nebelfraun bei uns vorüberfliegen.

Und aus den Trümmern steigt ein tiefes Ächzen,
Es klirrt und rasselt, und die Eulen krächzen;
Dazwischen heult des Nordsturms Wutgebrause. –

Sieh nun, mein Freund, so eine Nacht durchwacht ich
Auf hohem Drachenfels, doch leider bracht ich
Den Schnupfen und den Husten mit nach Hause.

Heinrich Heine schrieb dieses Gedicht, nachdem er am 18. Oktober 1819 mit burschenschaftlichen Bonner Studenten auf den Drachenfels zog, um den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern. 

Bild:  (c) Pixabay