Hans im Glück in Bonn Poppelsdorf – ein erster Eindruck

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Dort wo früher auf der Poppelsdorfer Clemens August Straße das Fellini war, ist jetzt ein “Hans im Glück” eingezogen. Für die, denen das nichts sagt eine Kurzvorstellung des Konzepts in Stichworten:

Franchisekette, Burger in allen Variationen – auch mit Hähnchenfleisch oder Veggie und Vegan, Salate, Pommes, Cocktails, freundlicher schneller Service, Birkenstämme (lassen Sie sich überraschen).

Offizielle Eröffnung war am 5. März 2016, da man mit dem Umbau aber schon vorher durch war, konnte man die Burgergriller schon zwei Tage vorher testen – was ich dann auch mit der Familie getan habe.

Wie gesagt, da es ein Franchise Konzept ist, gibt es erstmal keine Überraschungen. Die Einrichtung ist eine Mischung aus deutschem Birkenwald und USA. Und auch amerikanisch ist das Konzept, dass man vom sehr zahlreichen und sehr freundlichen Personal an den Tisch geführt wird. Dort ist die Karte auch nicht anders, als in den anderen Niederlassungen, so dass wir schnell bestellen konnten.

Der Tipp an sich ist die “Abendmahl” Kombination. Für 8 Euro Aufpreis zum Burger erhält man einen Cocktail sowie entweder Pommes Frites oder einen Beilagensalat. Da sonst die Cocktails schon um die 8 Euro liegen, ist das ein guter Deal. Zumindest für meine drei Begleitungen, die gerne süße Cocktails mögen (die Kinder natürlich alkoholfrei). Für mich ist da leider nichts dabei – wäre doch nur ein Martini auf der Karte…

Also muss ich normal bestellen und wähle das Fassbier – leider San Miguel. Das ist ein nettes Sommerbier, aber mir zu wässrig. Zudem passt es weder zum Konzept noch zu den Burgern. Ideal wäre eigentlich ein Augustiner, aber auch ein Eifel oder Sauerland Pils würden gut passen. Zur Not auch ein robusteres Kölsch wie z.B. Gaffel. San Miguel ist aber eine ganz klare Fehlentscheidung, die dringend überdacht werden sollte.

Wie gewohnt werden die Getränke und das Essen vom – ich kann es nicht genug betonen – sehr freundlichen Service schnell auf den Tisch gebracht.

Perfekte Pommes Frites, ein hervorragender Krautsalat, sehr gute Zutaten der Burger – leider in dem Fall nicht die Patties. Die wurden offensichtlich vorgegrillt und zur Seite gestellt, wodurch sie lauwarm und wässrig werden. Da ich das aber von anderen Hans im Glück Besuchen her anders kenne – nämlich frisch gegrillte hochwertige Burgerpatties –  gehe ich davon aus, dass es sich hier um Startschwierigkeiten handelt, die sicher bald im Griff sein werden. Ein zweiter Besuch in einigen Wochen wird es zeigen.

Ansonsten ist man – wie bei diesem Konzept auch wohl vorgesehen – recht schnell wieder raus, allerdings ohne sich gehetzt zu fühlen. Man kommt, bestellt, wird flott bedient, isst und trinkt und geht eben weiter.

So oder so: Hans im Glück ist für die Bonner Gastroszene eine Bereicherung; ich bin gespannt, welche Zielgruppe es sich an diesem Standort erarbeiten wird, wo man sonst doch eher lange Abende sitzt. Weiter frage ich mich, ob die Clemens August Straße für drei Burgerläden – Bonnanza ist schon da, Herr Lehmann soll bald folgen – nicht zu klein ist.

All das wird die Zeit zeigen.

Weitere Infos gibt es unter poppelsdorf.hansimglueck-burgergrill.de.

Aufgegessen: Der McB

McDonalds macht nun auch auf Bio und hat für einige Wochen zunächst zum Test den McB im Programm. Und da dabei nur das Rindfleisch aus Bio-Qualität stammt, heißt er auch nicht McBio, sondern einfach nur McB. Ich persönlich finde dass jetzt nicht soooo schlimm, da das Rindfleisch die Komponente bei einem Burger ist, bei der Bio am meisten Sinn macht, ein bisschen blöd finde ich nur, dass es in der Werbung auf den ersten Blick so aussieht, als wäre der ganze Burger aus Bio Zutaten gemacht. Ist er aber nicht.

Da ich leider mein Smartphone nicht zur Hand hatte, als ich den McB gegessen habe, muss ich auf das Pressebild von McDonalds zurückgreifen:

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Ganz so schön wie auf dem Bild sieht er natürlich nicht aus, aber das von mir gegessene Exemplar kommt dem schon recht nahe. Auch wird er in der praktischen Papiertasche serviert – und die braucht man auch, da einem sonst der halbe Inhalt herausfallen würde.

Und das ist auch das Problem des McB: es ist von allem zu viel. Wie beschreibt McDonalds den McB so schön:

Herzhaftes dunkles Brötchen, saftige Tomaten, würzige rote Zwiebelringe, frischer Lollo Bionda Salat und eine Scheibe Edamer Naturkäse mit gleich zwei leckeren Saucen, rustikaler Tomatensauce und cremiger Senf-Sauce, und extralange Gewürzgurkenscheiben. Und das alles kombiniert mit 100% saftigem Bio-Rindfleisch.

Das Fleisch auf dem Burger ist von richtig guter Qualität – jedenfalls schmeckt es so. Leider aber eben auch nur, wenn man sich mal bewusst ein Stück Fleisch herauspickt. Denn isst man den McB im ganzen, schmeckt man vor allem eins: Gewürzgurken. Eigentlich sollte man lieber sagen “Zuckergurken” – es sind die mit Abstand süßesten Gewürzgurken, die ich jemals gegessen habe. Und des sind richtig richtig richtig viele drauf.

Überhaupt schmeckt der ganze McB sehr süß: pro 100g hat er 4,4g Zucker, auf die gesamte Portion hochgerechnet sind das 13g Zucker. Damit hat man schon mehr als die Hälfte der von der WHO empfohlenen täglichen Maximalmenge an Zucker zu sich genommen. Mit einem Burger.

Auch Brötchen ist zu viel. Zumal es nicht so schmeckt, wie man vom Pressebild her vermuten könnte. Es hat eine unangenehme, schaumstoffartige Konsistenz. Süßer Schaumstoff – das ist das vorherrschende sensorische Gefühl im Mund, wenn man in diesen Burger beißt. Beim Kauen verwandelt es sich in einen nicht weniger unangenehmen teigig-klebrigen Brei.

Die beiden Saucen scheinen es jedem recht machen zu wollen und vermischen sich zu einem süßen Einheitsgeschmack, der Käse geht völlig unter. Wahrscheinlich würde es kaum jemand schmecken, würde er weggelassen. Die Tomate sorgt für etwas Frische, ist aber zu dick geschnitten und schmeckt nach Wasser. Und auch der Salat ist zu viel – er sorgt dafür, dass die Zutaten leicht vom Burger fallen.

Alles in allem hat McDonalds hier eine Chance vertan. Wenn ich schon einen Burger mit richtig gutem Fleisch herstelle (und das schmeckt wirklich gut), dann sollte ich auch dafür sorgen, dass man das auch schmeckt. Doch beim McB geht das Fleisch unter – in einem Meer aus Süßgurkengeschmack und Schaumstoffbrötchen.

Kurzkritik: Engramm

In der Charts der kostenlosen Kindle Bücher bin ich auf “Engramm” von Philipp Brettfeld gestoßen.

Die Handlung des Science Fiction Thrillers spielt in London in der nicht zu fernen Zukunft. Der Polizei steht über ein privates Unternehmen ein System namens EES (Engramm Extraction System) zur Verfügung, mit dem die Erinnerungen von Toten ausgelesen werden können, was die Aufklärung von Morden naheliegenderweise enorm erleichtert. Detective Inspector Aiden McDonald ist spezialisiert auf Gewaltverbrechen gegen Kinder, lässt sich aber zur Terrorismusbekämpfung versetzen, da ihn seine bisherige Arbeit zu sehr belastet. Sein erster Fall ist der Mord an einem der führenden Köpfe des Engramm Programms, der offensichtlich politisch motiviert ist. Und es sollte nicht der letzte bleiben.

…und mehr will ich an dieser Stelle auch gar nicht verraten.

Fast hätte mich übrigens der folgende Hinweis vom Lesen abgehalten: “Dieses Werk wurde von einem Hobby-Autor geschrieben, ist nicht professionell lektoriert und daher kostenlos erhältlich. Es besitzt keine Verlagsqualität.” Nichts stört mich mehr, als schlampig lektorierte Bücher.

Doch keine Sorge: das Buch hat weniger Fehler als viele (angeblich?) lektorierte Texte. Auch der Schreibstil ist flüssig, man kann sich kaum von dem Buch lösen. Brettfeld sollte hier ruhig selbstbewusster auftreten.

Gut gezeichnete Charaktere, eine packende Story und dazu eine logische Aufklärung. Leider war es viel zu schnell vorbei.

Klare Leseempfehlung. Ach ja, kostenlos ist es auch noch.

Format: Amazon Kindle
Dateigröße: 1732 KB
Entsprechend Print-Seiten (ca): 132
Verlag: BookRix (20. Juli 2015)
ASIN: B012A6DU0S

Bonner Seiten: Bonn geht essen

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Bonn verfügt auch nach dem Umzug der Bundesregierung nach wie vor über eine abwechslungsreiche Gastroszene. Leider geht es mir so wie wahrscheinlich vielen alteingesessenen Bonnern – irgendwann landet man aus Routine immer wieder in den gleichen bewährten Restaurants.

Die Restaurantkritiken und Neuvorstellungen im General Anzeiger haben mich nie überzeugt, da sie meist zu unkritisch sind. Und die Bewertungsportale wie Yelp sind zu sehr Manipulationen in beide Richtungen ausgesetzt, so dass sie als Grundlage für echte Tipps auch nur bedingt taugen.

Wer auf der Suche nach neuen Restaurants, Gaststätten, Cafés, Burgerläden und anderen kulinarischen Plätzen in Bonn ist, kommt inzwischen an bonn-geht-essen.de nicht vorbei. Die Bonnerin Karin Krubeck hat hier inzwischen überraschend viele, fundierte, ehrliche, ausführliche und schön bebilderte Gastrokritiken veröffentlicht. Die Locations sind gut kategorisiert, so kann man z.B. leicht nach Stadtvierteln suchen oder nach Kriterien wie Ambiente, Außengastronomie oder auch WLAN verfügbar.

Ob alteingesessener Bonner, Immi oder Tourist: diese Seite sollte sich jeder merken, der gerne essen geht.

Kurzkritik: Fingerhutsommer

Seit dem ersten Band der Peter Grant Romane – “Die Flüsse von London” (für Kindle auch kostenlos ausleihbar) – habe ich sehnsüchtig auf die jeweilige Fortsetzung gewartet. Mit “Fingerhutsommer” ist nun schon der fünfte Band rund um den Londoner Zauberlehrling und Polizeibeamten Peter Grant erschienen, der einer der wenigen britischen Polizisten ist, die gerufen werden, wenn es um Fälle mit magischem Hintergrund geht.

Diesmal verschlägt ihn die Entführung zweier Mädchen in die tiefste englische Provinz – und mehr möchte ich an dieser Stelle zum Inhalt eigentlich gar nicht mehr verraten.

Auch in diesem Band gelingt es Ben Aaronovitch, morderne Zeiten und Zauberwelt gut zusammenzuführen – wobei man diesmal im ersten Drittel des Buches von der Zauberei gar nicht so viel mitbekommt. Die Handlung plätschert anfangs so vor sich hin und man fühlt sich als Leser auf angenehme Weise in das englische Landleben versetzt. Schließlich nimmt die Handlung aber an Fahrt auf und endet für meinen Geschmack dann etwas zu abrupt.

Allein schon dadurch, dass es auf dem Land spielt, ist “Fingerhutsommer” anders als die vier vorgehenden Bücher. Zudem hatte ich beim Lesen teilweise das Gefühl, dass es ein Zwischenband ist, der einen wahrscheinlich sehr fulminanten sechsten Roman vorbereitet.

Dem Lesevergnügen tut dies aber keinen Abbruch. Pflichtlektüre für alle Peter Grant Fans. Und allen, die diese Buchreihe noch nicht kennen, empfehle ich, in diese magische Welt einzusteigen.

“Fingerhutsommer” (Foxglove Summer)
Ist bei dtv erschienen und als gedrucktes Buch sowie für den Kindle verfügbar.
ISBN-10: 3423216026
ISBN-13: 978-3423216029

Die Diskussion um die Erdogan Karikaturen – wehret den Anfängen

In einem deutschen Schulbuch wird eine Karikatur abgedruckt, bei der – im übrigen nur als kleines Detail am Rande – ein Hund namens Erdogan zu sehen ist.

Prompt bestellt die türkische Regierung den deutschen Botschafter an. Diese Reaktion ist angesichts der Entwicklungen in der Türkei, die sich Schritt für Schritt aus dem Kreis der demokratischen Rechtsstaaten entfernt, nicht verwunderlich.

Verwunderlich und alarmierend ist aber, dass es auch in Deutschland Stimmen gibt, das Schulbuch sollte zurückgezogen werden.

Freilich, die Begründungen dafür bleiben schwach oder sind anscheinend einem “verletzten” falsch verstandenen Stolz aufgrund der Herkunft geschuldet, wie es bei der CDU Politikerin Cemile Giousouf der Fall sein mag. Man mag sich fragen, ob die gleichen Kritiker ihre Stimme gegen eine Karikatur erhoben hätten, in der es um George Bush gegangen wäre.

Es liegt gerade im Sinn einer Karikatur zu karikieren und es ist wichtig, dass wir gerade Schülern vermitteln, dass man auch karikierend kritisierende Meinungen und Aussagen akzeptieren muss – auch wenn man selbst anderer Ansicht ist. Es wäre nicht unter diesem Aspekt ein gefährliches Signal, wenn wir die Freiheit der Kunst aus falsch verstandener Rücksichtnahme ohne Not einschränken. Auch klar ist, dass somit viele neue Diskussionen rund um Kunst, Meinungsfreiheit und unsere Kultur an sich eröffnet würden.

Es bleibt also zu hoffen, dass die Baden-Württembergischen Behörden der von Ministerpräsident Kretschmann vorgegeben Linie treu bleiben und das Buch nicht zurückziehen.

Nachtrag:

Ich habe CDU Generalsekretär Peter Tauber per twitter angefragt, ob er bereits ein Gespräch mit der oben genannten Cemile Giousouf und ihrem Kollegen Oliver Wittke wegen Ihrer Aussagen geführt habe. Er hat dies in einem tweet bestätigt, sich aber inhaltlich nicht weiter dazu geäußert. Ich habe die beiden CDU Abgeordneten nun angeschrieben, ob sie ihre Position korrigieren werden. Sobald eine Antwort erfolgt, werde ich diese veröffentlichen.

Und was sagen eigentlich die anderen Mitglieder des Deutschen Bundestags – ich habe einfach mal alle angeschrieben, die Antworten sind hier.

Bild: “Man with Mouth Zipped Shut” (c) Allposters [Affiliate Link]

Halloween und Deutschland

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Es ist wieder Halloween und reflexhaft empören sich die Kritiker über den “Brauch aus Amerika”.

Liebe Halloween Gegner, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Halloween kommt nicht aus den USA. Vielmehr ist es ein alter Brauch, der aus Irland stammt und von dort nach Schottland und England gebracht wurde – das war im 16. Jahrhundert. Später kam das Fest dann mit irischen Auswanderern nach Amerika. Gefeiert wird jedenfalls “All Hallows’ Eve”, also der Allerheiligenabend. Ob sich darüber hinaus Verbindungen zu alten keltischen oder gar germanischen Totenfesten herleiten lassen, ist zumindest umstritten.

So oder so – wenn überhaupt kann man allenfalls von einem Reimport aus den USA nach Europa sprechen.

Und tatsächlich haben viele der Dinge, die man so zu Halloween macht, auch Vorbilder in unserem Kulturraum. So ziehen die Kinder besonders im Rheinland schon seit gefühlten Ewigkeiten von Tür zu Tür und singen für Süßigkeiten: und zwar zu Sankt Martin am 11. November – zurückhaltender als “Süßes oder Saures”, aber immerhin.

Die “wilderen” Elemente von Halloween stehen eher in der Tradition der “Unruhnächte” wie die Walpurgisnacht oder Sylvester und die anderen Rauhnächte, zu denen es auch im deutschsprachigen Raum viele Bräuche gab und vereinzelt noch gibt.

Vorräte anlegen (an den Türen schnörzen/erbetteln/verlangen…), die Angst vor der Dunkelheit, den bösen Geistern mit Lichtern, Feuern, Feiern und Streichen vertreiben, der Toten gedenken – all das ist nicht fremd und gab es schon, bevor Amerika von Europäern besiedelt wurde. Die Zeit rund um den ersten November verlangt eben nach so etwas – das Gedenken an die Toten trägt immer auch die Angst vor ihren Geistern in sich.

Doch viele dieser alten Winterbräuche waren hierzulande in der Breite zwischenzeitlich verschwunden. Halloween befriedigt dieses in vielen von uns schlummernde Bedürfnis danach.

Na gut, werden jetzt einige entgegnen, aber zumindest wie wir Halloween feiern ist doch sehr amerikanisch beeinflusst. Ja, das mag sein. Aber eine gewisse Amerikanisierung erleben wir in vielen Bereichen: man denke nur an den Weihnachtsmann, der sich anschickt, in Deutschland das Christkind zu verdrängen. Und ohnehin werden unsere Feste immer kommerzieller – das wahrscheinlich sogar ganz ohne US-Einfluss.

Ach ja, und dann ist in Teilen Deutschlands ja auch noch Reformationstag – den gibt es erst seit 1667 und hat daher nicht die Tradition der alten Sitten und Gebräuche, die sich in Halloween wiederfinden. Wer weiß, vielleicht wurde er ja bewusst auf diesen Tag gelegt, um alte “heidnische” und “katholische” Gepflogenheiten  zu überdecken…

Natürlich kann man die Entwicklung kritisch sehen – so beklagte Reverend John M. Wilsons zu Halloween die “abergläubischen, heidnischen und höchst tadelnswerten Riten, die gegen den gesunden Menschenverstand, die guten Sitten und die christliche Religion” verstoßen würden. Das war im Jahr 1852. In den USA.

Es wäre wünschenswert, wenn bei allem Spaß die Ursprünge nicht vergessen werden – man sollte aber auch sehen, dass sich Bräuche und Traditionen weiterentwickeln und wandeln. Etwas mehr Lockerheit kann unserem Land jedenfalls nicht schaden.

Ich halte es mit Christian Stöcker und feiere Halloween – unser Kürbis ist jedenfalls schon geschnitzt.

Kurze Gedanken zum #Aufschrei Buch der Anne Wizorek

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Anne Wizoreks Aufruf bei twitter, ihr #Aufschrei Buch bei Amazon gut zu bewerten, hat mich jetzt doch dazu gebracht, mich etwas näher damit auseinanderzusetzen und es zumindest querzulesen.

Was mich allein schon oberflächlich genervt hat sind die Schreibweisen wie “dem_derjenigen”, “Wissenschaftler_innen” oder “Feminist_innen”. Wenn man schon mit der hergebrachten Sprache Probleme hat, soll man von mir aus direkt nur die weibliche Form verwenden, viele Texte wären dann leichter lesbar. Ansonsten ist der Schreibstil bemüht jugendlich, umgangssprachlich und ziemlich Denglish. Was auf 140 Zeichen funktionieren mag, passt nicht unbedingt zum langen Fließtext.

Ich will mich nun aber nicht an Kleinigkeiten aufhalten sondern zwei grundsätzliche Probleme ansprechen, die ich mit dem Buch habe.

Stereotypen

Gleichberechtigung soll nach meinem Verständnis Gräben zuschütten und eben für gleiche Rechte sorgen. Der “Feminismus” wie Anne Wizorek ihn versteht, schafft aber gerade neue Abgrenzungen zwischen den Geschlechtern und Menschen unterschiedlicher Ansichten. Dass sie dabei grundsätzlich verkennt, dass Gleichberechtigung nicht Gleichstellung bedeutet, ist nur ein Detail am Rande. Symptomatisch sind zudem stereotypisierende Begriffe wie “Maskus” oder “BWL-Feminist_innen”. -Immer schwingt durch “hier sind wir, die Guten und dort sind die anderen”. Ideologie und Ausgrenzung allenthalben. Sie betreibt genau das Schubladendenken, das sie eigentlich bemängelt.

Irgendwie verhält sich ihre Vorstellung von Feminismus zu Gleichberechtigung wie die Juche-Ideologie zur Demokratie.

Fakten!? Welche Fakten!?

Überhaupt lebt Wizorek in ihrer eigenen Wahrnehmungswelt. Dazu ein ganz kleines und banales Beispiel: So echauffiert sie sich, dass Angela Merkel die “Mutti” sei und Ursula von der Leyen als “Truppenursel” (hab ich übrigens vorher noch nie gehört) bezeichnet würde. Sexismus – und bei Männern sei das ja unvorstellbar… Ich darf an Theodor “Papa” Heuß, Rudolf “Bin Baden” Scharping, Helmut “Der Dicke / Birne /Bimbeskanzler” Kohl, Gerhard “, Philip “Bambi” Rösler, Gerhard “Flasche Bier / Brioni / Genosse der Bosse” Schröder, Konrad “der Alte” Adenauer, Peter “Rumsauer” Ramsauer, Kurt “Mecki” Beck oder Christian “ApO Opa” Ströbele erinnern. Und auch sonst werden immer wieder Behauptungen aufgestellt, ohne dass diese untermauert werden. Und da hat es mir dann gereicht.

Doch die Debatte ist notwendig

Es ist sicher noch einiges im Argen in Sachen gelebter Gleichberechtigung in Deutschland ich denke da nur an die berechtigte Forderung “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit”. Genau so bedenklich ist aber, dass es in Deutschland inzwischen durchaus möglich ist, dass ein Sohn einer alleinerziehenden Mutter ohne ein echtes männliches Vorbild geschweige denn Bezugsperson aufwächst. Auch das ist nicht in Ordnung. Und für beide Seiten gäbe es noch viele Beispiele. Nicht klein reden möchte ich aber, dass sicherlich Frauen in einigen Milieus und Regionen nach wie vor deutlich benachteiligter sind.

Die Debatte ist also nach wie vor notwendig. Und sie wird auch immer notwendig bleiben, da sich die Gesellschaft eben fortlaufend entwickelt. Aber sie hat bessere Beiträge verdient als den von Wizorek.

Gibt es eigentlich das Wort “Puellaismus”? Kam mir so während der Lektüre…

Warum auch ello kein facebook Killer ist

Eine neue Sau wird durchs Dorf gejagt

ello-hype

Es haben schon so viele versucht: app.net, Path, Diaspora, das neue myspace. Und doch sind sie alle irgendwie gescheitert, sogar Google. Den von so vielen herbeigesehnten facebook Killer hat bisher noch keiner entwickelt.

Und auch ello wird es nicht werden.

Ich habe in den letzten Tagen ein wenig mit ello herumgespielt und für Einsteiger eine kurze ello Anleitung erstellt, wobei ich mich dabei auf die technischen Aspekte konzentrierte – jeder soll sich erst mal selbst ein Bild machen. Meine Meinung gibt es dafür hier… für alle, die nicht lange lesen wollen meine Einschätzung vorab: ello wird nicht das “next big thing” im Netz, kann aber mit etwas Glück seine Nische finden.

Es hätte es vielleicht sogar werden können, hat aber zu früh zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Auch in den Mainstream Medien ist es auf einmal die “ehrliche” Alternative zu facebook, Anti-facebook oder gar gleich der nächste facebook Killer. 30.000 Anmeldungen gäbe es pro Stunde – dabei sind es “nur” 30.000 Bewerbungen um Invites… Aber mit solchen Details muss man sich ja nicht aufhalten.

Doch was will ello eigentlich sein – und wie?

Das große Versprechen von ello ist eben, dass es werbefrei ist und nicht mit den Daten der Nutzer gehandelt wird. Das Credo von ello ist dann auch

You are not a product.

nachzulesen ist das alles im ziemlich schwülstig daherkommenden ello Manifest. Es präsentiert sich tatsächlich als das Anti-facebook oder auch Anti Google+, deren Geschäftsmodell ja gerade die Werbung ist. Dazu dann noch kein Klarnamenzwang und mehr Freiheiten bei den Inhalten – sogar porn-friendly.

Hört sich alles erst mal interessant an. Nicht nur für die LGBT Szene, Künstler, Hipster und Deutsche. Letztere wahrscheinlich wegen des Datenschutzversprechens.

Aber die Hosting Rechnungen wollen natürlich bezahlt werden. Und auch der VC-Investor, der sich an ello beteiligt hat, wird Geld verdienen wollen. Finanziert werden soll ello dann durch kostenpflichtige Zusatzfunktionen. Soweit die Theorie. Für die Praxis halten sich die ello AGB dann doch Möglichkeiten für die Datenweitergabe frei.

Scheitert ello langfristig an den eigenen Ansprüchen?

Die Frage ist, ob ello das alles so durchziehen kann. Allein schon, dass nun Venture Capital in ello steckt, wird von einigen als Sündenfall gesehen. Andere stören sich gar daran, dass standardmäßig Informationen über die jeweilige Sitzung gesammelt werden – auch wenn man dies deaktivieren kann. ello hat es eben mit einer sehr kritischen und sensiblen Nutzerschaft zu tun.

Skeptisch bin ich, ob die Finanzierung durch kostenpflichtige Funktionen klappt. Bei app.net hat es jedenfalls nicht gereicht. Und das wird es bei ello auch nicht.

Finanzierungsmodelle zu finden, die dem eigenen Anspruch gerecht werden und die Kernzielgruppe nicht verprellen, wird zumindest schwierig.

…doch ello hat schon jetzt ganz grundlegende Probleme

Vorerst hakt es an ganz anderen Dingen. ello ist buggy ohne Ende. Um mich anzumelden und mein Profil einzurichten, musste ich zwei unterschiedliche Browser nutzen, da einiges im Chrome nicht ging, anderes nicht im MSIE.

ello-outage-technik

Hat man es geschafft, sieht ello tatsächlich sehr übersichtlich aus. Aber auch nur, solange man weniger als sagen wir mal 16 Kontakte hat. Danach wird es zusehends wirr und unübersichtlich. Vielleicht hat facebook mit seinen Algorithmen im Feed doch einiges richtig gemacht.

Dann die Funktionen: Außer seinen zu Status posten, Kontakten auf unterschiedliche Art und Weise folgen und Kommentieren geht nicht viel mehr. Die Suchfunktion funktioniert mal, mal nicht, aber niemals gut.

Mit Erreichbarkeitsproblemen hat ello auch ohne Hackerangriffe zu kämpfen.

Die Entwickler werden in nächster Zeit mehr als genug mit Bugfixing und Performance-Optimierung zu tun. Das Hinzufügen der angekündigten weiteren Features wird da auf sich warten lassen.

Wirklich nutzbar ist ello im derzeitigen (Anfang Oktober 2014) Status nicht. Besonders nicht für die breite Masse.

SEO, Porno, Sascha Lobo und die deutsche Attitüde

In Teilen ähnelt die deutsche ello Gemeinde den ersten Mitgliedern bei Google+ – viele SEOs, Consultants und Sascha Lobo.

Sicher wird es jetzt erst mal ganz wichtig, Links in seine öffentlichen ello Profile zu setzen, da das ganz toll fürs Google Ranking ist. In einem Jahr werden diese dann panisch entfernt, da Matt Cutts wieder etwas gesagt hat. Sie kennen das.

Zu befürchten ist weiter, dass aufgrund der Offenheit von ello auch viel Porno dabei sein wird, was es bei facebook und Google+ ja nicht gibt. Hierzulande könnte das ein Problem werden.

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In Deutschland stark vertreten sind dann auch schon Privacy Verfechter. Und natürlich der Menschenschlag, der #Ellosprech schon jetzt ganz toll findet, sich als Elloist bezeichnet und sich einen schwarzen Smiley ins Profilbild setzt. Also ganz genau die Teile der “Netzgemeinde”, die mit ihrer Attitüde dafür gesorgt haben, dass twitter in Deutschland nie so erfolgreich werden konnte.

Zu viel Hype führt zur nächsten Geisterstadt

ello wurde von den Medien in eine Rolle hineingeschrieben, der es noch lange nicht gerecht werden kann, allein schon technisch nicht. Die Bedürfnisse des normalen Nutzers werden nicht erfüllt, der bleibt dann doch bei facebook.

Schon jetzt gibt es Parallelen zu Google+ – viele Profile ohne Profilbilder, einem “Hallo ich war schon ganz früh mal hier” Post (wenn überhaupt) und mit einem Kontakt. Dass es eine kleine Nische für ello geben wird, will ich gar nicht ausschließen – die gibt es schließlich auch bei Google+, was ja eine weitere Parallele wäre.

Das “next big thing” ist ello jedenfalls nicht.

ello-geisterstadt

Ich bin gespannt, wen die Medien als den nächsten Königsmörder sehen.

Und das sagen die andern…

Zum Abschluss hier noch weitere interessante Links zum Thema ello:

Interessante Tweets zu ello

<blockquoteclass=”twitter-tweet” lang=”de”>

Elloist wie eine stetig wachsende Schlange vor einem Laden, von dem niemand weiß, was es dort zu kaufen gibt.

— Harald Link (@haraldlink) 1. Oktober 2014

<scriptasyncsrc=”//platform.twitter.com/widgets.js” charset=”utf-8″>

<blockquoteclass=”twitter-tweet” lang=”de”>

“Wirhaben uns auf ellokennen gelernt” — niemand

— Sebastian Michaelsen (@s_michaelsen) 30. September 2014

<scriptasyncsrc=”//platform.twitter.com/widgets.js” charset=”utf-8″>

El Gaucho in Köln

Im El Gaucho in Köln war ich früher recht oft und hielt es damals für eines der besten argentinischen Steakrestaurants in Deutschland und verbinde viele gute Erinnerungen damit.

Über 10 Jahre war ich nicht mehr da – und als wir vor einigen Tagen mit meiner Familie in der Nähe war, entschlossen wir uns spontan zu einem Besuch, wobei wir wenig Hoffnung hatten, am Freitagsabend um 20:30 einen Platz zu bekommen… Runter in den Keller, gefragt und Überraschung: “Warten Sie fünf Minuten an der Theke, dann haben wir einen Platz für Sie.” Und so war es dann auch. Leider, um es direkt zu sagen.

Verändert hat sich in den letzten 10 Jahren nicht viel: viel Holz, viele Bilder mit prominenten Gästen an den Wänden, gemütlich. Renoviert wurde in der Zeit aber auch nicht.

Auf der Karte fällt zunächst auf, dass es gar keine Kinderportionen gibt – na gut, teilen sich die beiden eben ein 300g Steak. Meine Frau wollte vorab eine Suppe, die aber leider “schon aus” war. Gut, stattdessen ein Shrimps-Cocktail. Ich konzentriere mich ganz aufs Fleisch und dazu eine Folienkartoffel.

Vorher bestellen wir für alle Knoblauchbrot. Dass entpuppt sich als eine Art kalte Kräutercracker, die wenigstens den Kindern schmecken: “Darf ich noch einen von den Keksen haben?”

Der Shrimpscocktail ist recht gut, vielleicht zu viel Sauce, aber jedenfalls auch genug Shrimps. Besonders freute ich mich aufs Fleisch, hatte ich doch das Filetsteak mit Kräutern dort als eines der besten Steaks meines Lebens in Erinnerung.

Nein, entweder hatte ich vor 10 Jahren sehr niedrige Ansprüche oder das El-Gaucho hat in den letzten Jahren einfach sehr abgebaut. Ich gehe von letzterem aus. Die Trockenkräuter auf dem lieblos gegrillten Filetsteak kommen aus der Streudose (so wie auch die Trockenzwiebeln). Die Fleischqualität ist ok, aber in der Pfanne zuhause kriegt es auch ein leidlich geübter Koch mindestens so gut hin. Bei den Rumpsteaks stimmt nicht mal die Qualität – einfach nur sehnig und mehr Fettrand als sonst bei diesem Zuschnitt üblich. Einfach nur schade ums Geld.

Gleiches gilt für die Beilagen: Pommes Frites fettig und kalt, Folienkartoffel mehlig und ebenfalls kalt. Überhaupt hätte ich mehr Auswahl an Beilagen gewünscht, besonders Gemüse.

Positiv hervorzuheben: der Service ist freundlich (wenn auch unorganisiert), der offene Rotwein schmeckt ordentlich. Das war es dann aber schon.

Das El Gaucho scheint nur noch von seinem Ruf zu leben.

Wer wirklich gute Steaks essen möchte sollte lieber nach Bonn fahren und das El Tarascon besuchen, das zwar etwas teurer aber dafür auch deutlich besser ist – in jeder Hinsicht.