Whatdafuck – 120 Mitarbeiter bei der Lokalredaktion der WR

Das Thema Zeitungssterben und die Print-Krise schwirren mir schon lange durch den Kopf. Gestern stieß ich in diesem Zusammenhang auf den Blog absprung.wordpress.com, in dem eine Redakteurin der gerade in Auflösung befindlichen Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau (WR) der WAZ Gruppe über ihre Gefühle angesichts der anstehenden Kündigung berichtet. Lesenswert, denn das Zeitungssterben bekommt dadurch eine individuelle Stimme.

26 Jahre hat sie bei der WAZ gearbeitet. Und sie stellt fest:

Fest angestellte Redakteure nagen nicht am Hungertuche, selbst mit einer 40%-Stelle noch nicht.

Sie ist eine von noch rund 120 Mitarbeitern, die nun ihre Jobs verlieren werden. Und 115.000 Exemplare soll die verkaufte Auflage der WR derzeit noch betragen.

Die WAZ Gruppe plant, die Zeitung weiter erscheinen zu lassen. Der Mantelteil der Zeitung kam eh schon immer aus der Zentrale, die lokalen Inhalte sollen dann von der “Westfalenpost” (ebenfalls WAZ), den “Ruhr Nachrichten” (Medienhaus Lensing), vom “Hellweger Anzeiger” (Graphische Betriebe F. W. Rubens KG) und von Redaktionen des Märkischen Zeitungsverlages (gehört Ippen, u.a. Lüdenscheider Zeitung) geliefert werden.

Ob das auf Dauer funktioniert und ob die Westfälische Rundschau so ihr eigenes lokales Profil wahren kann, wage ich ehrlich zu bezweifeln.

Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass 120 Mitarbeiter in einer Lokalredaktion viel sind. Es sind sogar verdammt viele. Whatdafuck, sagen wir klar: Es sind zu viele.

Ein Wunder, dass überhaupt so lange beim Geldverbrennen zugesehen wurde. Immerhin 50 Millionen Euro sollen in den letzten Jahren verbrannt worden sein. Und das ist schade. Denn hätte man früher die Reißleine gezogen, hätte es vielleicht keine Totalauflösung der Lokalredaktion geben müssen.

Wenn schon der Mantelteil und Backoffice Funktionen zentral geleistet werden, dürfte man im vorliegenden Fall mit einem guten großen Dutzend gut ausgebildeter, gut ausgestatteter und – ganz wichtig – gut bezahlter Journalisten den Lokalteil der WR qualitativ und mit eigenem Profil weiterleben lassen. Dazu noch ein paar freie und “Leserreporter”, die auch aus den kleinsten Orten im Verbreitungsgebiet berichten und die WR könnte auf Dauer als heimatnahe Zeitung überleben.

Sicher, so ein Konzept ist etwas anderes als die gute alte Zeitungswelt, in der die eingangs erwähnte Blogschreiberin groß wurde. Aber gerade Print mit lokaler Ausrichtung muss heute andere Wege gehen. Das mag man nun gut finden oder nicht, aber die normative Kraft des Faktischen zwingt dazu.

Und die Zeitungen sollten sich diesen Herausforderungen stellen und dem Mut zum Wandel stellen, bevor es zu spät ist.

Mein vorläufiger Schlussstrich zum Thema Wulff

Viele werden jetzt aufatmen. Für mich ist erstmal Schluss mit Wulff.

Ich bin es leid – ich habe einfach keine Lust mehr, mich über “Bundespräsident” Christian Wulff aufzuregen. Weil er es nicht wert ist. Weil die ganz überwiegende Politik es einfach nicht wert ist. Wulff und seine Verteider aus der CDU/CSU/FDP haben es geschafft, mich vom politisch interesierten und engagierten Menschen zum Politikverweigerer zu machen. Da habe ich besseres zu tun.

Eine der etablierten Parteien werde ich nicht mehr wählen, stattdessen starte ich hier allenfalls noch die Serie “die schönsten Protestparteien” – denn Nicht-Wählen kommt dann letztlich doch nicht in Frage.

Noch drei Dinge:

  1. Weil hier so viele danach suchen, liefere ich noch den Link zu Gernot Lehrs PDF “Journalisten fragen, Wulffs Anwalt antwortet” . Ich habe sie nicht mehr gelesen. Rate ich Ihnen auch. Lesen Sie stattdessen lieber ein gutes Buch, spielen Sie mit Ihren Kinder, flirten in einem Café, machen die Wäsche oder sortieren Sie Mikado-Steine nach Farben. Alles ist sinnvoller als sich noch mit Wulff zu beschäftigen. Ach ja, Sie wollen immer noch? Hier der Link.
  2. Lesenswert ist aber noch Bundesverfassungsrichter a.D. Dieter Grimm über den “Bundespräsidenten“.
  3. Erkenntnis: jedes Land hat anscheinend den Präsidenten, den es verdient. Daher bleibt zu sagen: “Gott schütze das heilige Deutschland.”

10 Fakten zum Tag der Pressefreiheit

  1. Der von der UNO eingeführte Internationale Tag der Pressefreiheit (World Press Freedom Day) wird seit 1994 jeweils am 03. Mai begangen.
  2. Der 03. Mai wurde aufgrund der 1991 an diesem Tag bei einer UNESCO Konferenz verabschiedeten “Deklaration von Windhoek” gewählt. In der Erklärung wird “die Schaffung einer unabhängigen, pluralistischen und freien Presse” als “Eckstein für Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung” bezeichnet und gefordert.
  3. Seit 1997 wird an diesem Tag der UNESCO/Guillermo Cano World Press Freedom Prize verliehen. Dies erfolgt im Gedenken an den am 17. Dezember 1986 vor seiner Zeitung “El Espectador” in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá ermordeten Journalisten Guillermo Cano Isaza.
  4. Pressefreiheit bezeichnet das Recht der Medien auf freie Ausübung ihrer Tätigkeit, insbesondere das unzensierte Veröffentlichen von Informationen und Meinungen.
  5. In Deutschland schützt Artikel 5 Abs.  I die Pressefreiheit: “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.”
  6. Reporter ohne Grenzen erstellt jedes Jahr eine Rangliste der Pressefreiheit nach Ländern (Press Freedom Index). Auf den ersten drei Plätzen liegen 2019 Norwegen, Finnland und Schweden. Die Schweiz liegt auf Platz 6 (Vorjahr 5), Österreich auf der 16 (Vorjahr 11) und Deutschland hat sich auf Platz 13 verbessert (Vorjahr 15). Weitere interessante Positionen: Großbritannien auf Platz 33 (vorher 40), USA auf Platz 48 (45), Ungarn auf 87 (73) und Schlusslichter sind wie Nordkorea und Turkmenistan (179 bzw. 180).
  7. 2018 wurden weltweit 80 Journalisten in Ausübung/aufgrund ihrer Tätigkeit getötet. 60 sind entführt, 348 inhaftiert und drei werden vermisst.
  8. 2019 wurden bislang 11 Journalisten und andere Medienschaffende getötet. 191 Journalisten und Medienschaffende und 176 Blogger, Bürgerjournalisten und Online-Aktivisten sind in Haft.
  9. Im Jahr 2008 waren erstmals Online-Journalisten und Blogger am stärksten von staatlichen Repressionsmaßnahmen betroffen.
  10. Ob Blogs nach deutschem Recht unter die Pressefreiheit fallen ist umstritten und dürfte letztlich auch vom jeweiligen Blog abhängen.

Dieser Beitrag wurde am 3. Mai 2019 aktualisiert.