Der Ladekabel-Wahnsinn

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Ach war das früher einfach. Wir alle vier – tatsächlich Vater, Mutter, Tochter, Sohn (sortiert nach Alter) – hatten ein iPhone 4 oder 4s. Und im Bekanntenkreis gab auch keine anderen Handys.

Das Unglück fing an, als das erste iPhone 5 dazu kam und mein Mann – sehr schusselig – immer sein Lightning Ladekabel verlegte. Der Kauf mehrerer Ersatzladegeräte war die Folge. Schlimmer noch: da sich bei den Freundinnen Samsung durchsetzte, musste ich bei Besuchen von da an immer an mein Ladegerät fürs iPhone 4S denken.

Und jetzt? Ich habe das iPhone 5S von meinem Mann geerbt. Meine Tochter ist auf Samsung umgestiegen, mein Sohn hat das abgelegte iPhone 4S von mir und mein Mann ist mit einem Nexus unterwegs. iPhone 4 Stecker, Lightning Stecker, Micro USB, USB C. Vier verschiedene Ladekabel in einer Familie. Das ist furchtbar.

Liebe EU, kannst Du da nicht was machen? Du mischst Dich doch sonst in alles ein.

Gastbeitrag von Monika T. Die studierte Juristin und jetzige Leiterin eines chaotischen aber liebenswerten Familienunternehmens lebt in der Bonner Südstadt.

Microsoft Lumia 640 – das (fast) perfekte Handy für mich

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Das Lumia 640 DS in der Praxis

In Sachen Smartphone bin ich dieses Jahr etwas vom Pech verfolgt. Nachdem das Display meines geliebten Lumia 920 plötzlich schwarz blieb und das als Ersatz ausgewählte Lumia 630 auf dem Boden des Röttgener EDEKA Markts zerschellte, musste Ersatz her. Eigentlich zur Unzeit, denn Anfang Oktober wird Microsoft neue Lumias vorstellen, die dann nicht nur direkt mit Windows 10 kommen, sondern auch endlich Flaggschiff-Spezifikationen haben werden.

Dass es wieder ein Windows Phone werden sollte, war klar. Ein äußerst interessantes Windows Smartphone ist dabei das BLU Win HD LTE, das mit recht guter Ausstattung weniger als 130 Euro kostet.  Da ich mich aber bereits an Windows 10 mobile gewöhnt habe, muss es wieder ein Lumia sein, da die Technical Preview nur auf Microsofts eigenen Geräten läuft. Mehr zu möglichen Alternativen dann übrigens weiter unten.

Entschieden habe ich mich dann für das Lumia 640, das es in zwei Versionen gibt: einmal eine Dual-SIM Variante (ab ca. 135 Euro), einmal eine mit LTE, die meist ca. 30 Euro mehr kostet. Auch wenn ich Dual SIM an sich nicht brauche, habe ich mich für diese Ausführung entschieden. Beim 630er habe ich gemerkt, dass für meine Anwendungen LTE nicht unbedingt notwendig ist und 30 Euro sind 30 Euro. Die Wahl fiel dann auf die blaue Variante. Orange war nicht vorrätig, schwarz gefällt mir nicht und meine Frau hat das weiße Modell, so dass es eine gewisse Verwechslungsgefahr gegeben hätte.

Da das Handy nur 8 GB internen Speicher hat, empfehle ich, gleich eine 32GB microSD Speicherkarte dazu zu kaufen. Effektiv stehen einem dann rund 36GB freier Speicher zur Verfügung, was für mich ausreichend ist. Wenn Sie mehr brauchen: auch 128 GB Karten werden unterstützt.

Ansonsten ist die Installation wie bei Windows Phone gewohnt einfach: mit der Microsoft ID anmelden, fertig. In meinem speziellen Fall dann noch die Windows Insider App drauf und das Update auf Windows 10 mobile installieren. Die Technical Preview läuft auf dem 640 sehr glatt und ich konnte bisher im Produktivbetrieb keine Probleme feststellen; 1 GB Ram und der Snapdragon 400 Quadcore Prozessor bieten genug Leistung für Microsofts nächstes mobiles Betriebssystem. Und da bereits angekündigt wurde, dass Windows 10 mobile für dieses Modell schon bald nach Start verfügbar sein wird, ist man auf der sicheren Seite.

Ansonsten überzeugt das Gesamtpaket im Alltagseinsatz bei den Dingen, die für mich wichtig sind: Telefonieren, Whatsapp, Messenger, Surfen, twitter, facebook, Spotify, E-Mail, mal ein Spiel und natürlich die mobile Hotspot Funktion. Die Hauptkamera macht ordentliche Bilder und löst schnell aus – einzig den Kamera Button vermisse ich, weswegen es für mich auch nur das “fast” perfekte Smartphone ist. Ansonsten gibt es nichts, was ich im Alltagseinsatz vermisse oder was störend wäre. Obwohl ich das Smartphone wirklich sehr intensiv nutze (telefoniere sehr viel damit und nutze die mobile Hotspot Funktion ca. 2 Stunden täglich) komme ich sehr gut durch den Tag.

Kurzum: im Paket mit einer ordentlichen microSD Karte bekommt man für weniger als 150 Euro ein Smartphone, das einen im Alltag sehr gut begleitet. Für mich daher eine klare Kaufempfehlung. Das 640er gibt es z.B. bei Amazon.

Und sonst so

  • OnScreen Tasten statt Hardware-Tasten: hier sind ja viele skeptisch, aber im Praxiseinsatz finde ich ich sie inzwischen praktischer als Hardware-Tasten
  • Glance Screen – im Standby werden Benachrichtigungen und die Uhrzeit auf dem Display angezeigt
  • Double Tap to Wake up – zwei mal auf das Display tippen, und das Lumia 640 schaltet sich ein.

Alternativen

Android ist wegen der Sicherheitsmängel und der Update Politik keine Alternative für mich. Und in der gleichen Preisklasse bieten die Androiden auch nicht die Leistung, die vergleichbare Windows Phones haben.

Das Apple iPhone 5S bietet im Alltagseinsatz auch nicht mehr, ist aber dafür mehr als drei mal so teuer.

Im Windows Phone Lager habe ich mir noch das eingangs erwähnte BLU Win HD LTE angesehen, das noch günstiger ist und sogar LTE bietet, dafür aber zur Zeit noch kein Windows 10 (Preview) unterstützt.

Eine etwas günstigere Alternative ist das Lumia 535, das aber ein schwächer auflösendes Display und einen nicht so leistungsstarken Prozessor hat. Windows 10 mobile wird darauf laufen, die Frage ist aber, ob so schnell wie auf dem 640.

Vergleichbare Hardware wie das 640 hat das etwas teurere Lumia 730; dieses bietet auch ein etwas schickeres Gehäuse und eine etwas bessere Kamera (Zeiss Optik, aber auch ohne Button). Das günstigste aktuelle Modell mit Kamera Button ist das Lumia 830, das mir aber vom Design her nicht so gut gefällt und aktuell auch fast 300 Euro kostet.

Hier noch die wichtigsten technischen Eckdaten des Lumia 640DS

  • Qualcomm Snapdragon 400 Prozessor (Quad-Core) mit 1,2 GHz
  • 1 GB RAM, 8 GB Speicher, erweiterbar um 128 GB (MicroSD)
  • 5 Zoll HD720 Display (1280*720 Pixel); entsprechend 294 ppi
  • Hauptkamera mit 8 MP, Autofokus, 1/4 Zoll Sensor, Blende 2.2 und Brennweite 28 mm; LED-Blitzlicht; 1080p Videoaufzeichnung
  • Frontkamera 0,9 MP; Blende 2.4; 720p Video
  • 2 microSIM Slots; microSD; USB 2.0; Kopfhöreranschluss
  • WLAN WLAN IEEE 802.11 b/g/n; Bluetooth 4.0; Navigation mit A-GLONASS, A-GPS, BeiDou; DLNA
  • 141,3mm*72,2mm*8,8mm und 145 g Gewicht
  • Farben: Weiß, Schwarz, Cyan, Orange

War’s das, Apple?

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Bild (c) Nokia

Die Apple Keynote vom am 10.09.2013 brachte keine (fast) Überraschungen. Alle wesentlichen Details waren vorher schon geleaked. Einmal das bunte Polycarbonat iPhone 5C, das vom Design her aussieht wie frisch aus der Entwicklungsabteilung von Nokia kopiert, das dann auch für den einzigen Wow-Effekt des Tages sorgte – den überraschend hohen Preis: “Technik von gestern zum Preis von vorgestern”, wie Sascha Pallenberg passend schrieb.

Das 5S hat eine bessere Kamera, ist schneller, hat einen Fingerabdruck-Sensor und ist auch in Gold erhältlich. Letzteres freut wahrscheinlich Käufer in Russland, Arabien und hierzulande vielleicht noch einige… ähm, lassen wir das.

Einzig das Entsperren des Smartphones mit Fingerabdruck – das muss ich ehrlich zugeben – hat was, die Funktion schätze ich schon seit Jahren bei meinen Thinkpads. Schön umgesetzt hat Apple den Sensor mE aber nicht. Und wir werden bald elegantere Lösungen von Samsung, Nokia/Microsoft, HTC, Sony und sogar von chinesischen Billigherstellern sehen.

Was Innovation angeht, war es das diesmal für Apple. Was natürlich nicht heißt, dass die neuen iPhones sich nicht wieder hervorragend verkaufen werden und die Margen beim 5C sich besonders hoch sind.

Tim Cook, treffend als “panicked and completely idea-free man” karikiert, hatte bei der Keynote aber auch weniger die Tech-Freaks als vielmehr die Wallstreet im Visier. Das “Billig-iPhone” ist eben nur für Apple deutlich billiger in der Herstellung als die Fortführung des iPhone 5. Es ist eine Premiere, dass das Vorgängermodell verschwindet. Und einen Schwerpunkt der Präsentation bildeten Folien, bei wie vielen Netzbetreibern auf der Welt die neuen Modelle jetzt verfügbar sein werden. Honoriert hat die Börse es insoweit, als dass der AAPL Kurs nach der Keynote nur um 2,28% (11,53US$) zurückging.

Im Oktober kommen wahrscheinlich die neuen iPads und werden wohl auch nur schneller, dünner, hochauflösender sein – Anpassung an den Wettbewerb.  Beim Thema Smartwatch wird man Nachzügler sein, hat dadurch aber die Chance, einiges besser zu machen als die Konkurrenz. Bleibt die Frage, was aus dem ominösen Fernseher wird – Steve Jobs hat hier noch vor seinem Tod hohe Erwartungen geweckt: “Es wird die einfachste Benutzeroberfläche haben, die man sich vorstellen kann. Ich habe es endlich herausgefunden.” wird er zitiert. Doch dieses Zitat ist jetzt schon über zwei Jahre alt und gesehen haben wir von Apple nichts in der Richtung. Stattdessen hat z.B. Microsoft mit XBox One vorgelegt, wie das Fernsehen der Zukunft aussehen kann.

Wird Apple uns nochmal so richtig überraschen? Vorerst wohl kaum. Und geht damit mit großen Schritten in Richtung eines ganz normalen Technologie-Unternehmens.

Dank dem panischen ideenlosen Mann an seiner Spitze.

Ein Blick in die Zukunft von Apple

Fazit des Artikels: Apple wird ein Unternehmen wie viele andere, wenn es nicht bald wieder ein neues disruptives Produkt vorstellt.

Die von mir gerne gelesene britische Tageszeitung theguardian brachte es mit einer interessanten Analyse auf den Punkt:

Every empire crumbles
Apple is losing its hip and unpredictable edge as it risks being left behind by the very technology it helped to proliferate…
Quelle: theguardian

The New Yorker Cover - August 9, 2010Letztlich meint der Autor Victor Keegan, dass Apples wichtigstes Produkt, der iPod, nicht mehr genug Kraft habe, das Wachstum des Unternehmens weiter anzutreiben und Apple ein neues disruptives Produkt brauche, um den hohen Erwartungen wieder gerecht zu werden.  Moment – schrieb ich gerade iPod – und ist es Ihnen aufgefallen? Ja, denn der Artikel stammt aus dem Jahr 2006. Welches Produkt Steve Jobs dann vorstellte, ist bekannt: das iPhone, mit dem der gesamte Smartphone Markt, wie wir ihn heute kennen, erst geschaffen wurde.

Apples größtes Problem ist aber: das Unternehmen steht und fällt mit dem Erfolg des iPhone, wie Dan Frommer anschaulich herausgearbeitet hat. Macs und iPads sind für Wohl und Wehe der Kalifornier nicht so wichtig. Von den iPods will ich erst gar nicht sprechen.

Was das iPhone angeht, sind Presse und Kunden jedoch zunehmend kritisch: So wirkt “iOS so was von 2007”,die Konkurrenz von Nokia mit dem Lumia 920 und Samsung ist technisch deutlich weiter, es gibt Massen an günstiger Android Konkurrenz und neue preisagressive Windows Phone Angreifer wie das Lumia 620 oder das Huawei Ascend W1. Ganz wesentlich aber: das Ökosystem läuft nicht so rund, wie man das von Apple erwarten dürfte; das Apple Maps Desaster ist da nur die Spitze des Eisbergs – fragen Sie mal Apple Nutzer nach Problemen mit der Cloud und der Synchronisation von Daten…

All das zeigt sich auch an der Börse. Der Aktienkurs bewegt sich um die 500US$ (in dieser Minute in der ich das schreibe sogar auf den Cent genau) nachdem er am 19. September 2012 bei 702,10 US$ lag.

Sicher, Apple wird 23. Januar mit den neuen Quartalszahlen nochmals iPhone und iPad Rekordabsätze und wahrscheinlich auch einen Rekordumsatz präsentieren. Der Gewinn könnte hingegen durchaus rückläufig sein, zumindest in Relation zum Umsatz. Und schon für die nächsten Quartalsergebnisse erwarte ich eine deutlichere Abkühlung in allen Bereichen.

Klar ist aber auch – ernsthafte Sorgen machen muss man sich um Apple in den nächsten Jahren nicht. geschätzte 150 Milliarden US$ in der Kriegskasse, eine riesige iPhone Installationsbasis und ein harter Kern an unbelehrbaren Fanboys sorgen dafür, dass wir auch in Zukunft immer mal was neues aus Cupertino hören werden.

Doch was wird Apple tun?

Zuletzt sorgte man für weiterhin gute Ergebnisse, indem man neue Produktvarianten in immer kürzeren Abständen vorstellte und die Preise hoch hielt. Angesichts deutlich preisgünstigerer Konkurrenz auf technischer Augenhöhe, mangelnden echten Innovationen und der Verärgerung der Stammkunden über zu schnelle Modellwechsel (zwischen dritter und vierter iPad Generation lagen gut 8 Monate) kann dieser Weg aber nicht dauerhaft beschritten werden.

Eine Expansion in Emerging Markets bietet zwar Wachstumspotential – der iOS Marktanteil in Indien z.B. liegt gerade mal bei 0,9% – doch spricht hier einerseits der hohe Preis der Produkte dagegen, andererseits konnten sich hier die günstigen Androiden gut etablieren und Nokia ist im asiatischen Raum mit den Lumias und den sehr günstigen Asha Phones recht erfolgreich. Zudem würde eine Niedrigpreispolitik die Erträge deutlich schmälern.

Daneben wird über ein einfacheres und preisgünstigeres iPhone auch für die Stammärkte spekuliert. Doch zeigte sich schon beim iPad Mini, dass dessen Verkäufe deutlich zu Lasten des “großen” iPad gehen. Es mag durchaus sein, dass Apple diesen Weg der preisgünstigeren Varianten auch im iPhone gehen wird, doch wäre dies auf jeden Fall ein Bruch mit der bisherigen klaren Linie und würde auf die Gewinne drücken.

Aber auch eine noch weitere Diversifizierung der iPhone Familie ist denkbar: das Low-Cost Einsteigermodell, das “normale” iPhone mit 4″ Display und ein High-End iPhone mit 4,8″ für Datenblattfresser und Power User. Und dann noch ein 5,5″ Phablet zwischen iPhone und iPad mini…

So oder so – Apple würde damit ein Hersteller unter vielen, der sich noch stärker als bisher der Konkurrenz von Samsung, HTC, dem wiedererstarkenden Nokia und anderen Anbietern stellen muss.

Zu neuen Höhen – besonders an der Börse – könnte Apple also nur ein neues disruptives Produkt führen. Ob ein iPhone 5S oder iPhone 6 ausreichend wäre, wage ich einmal zu bezweifeln – selbst wenn es mit Lichtfeldkamera und Fingerabdrucksensor ausgestattet wäre. Ein Reality Distortion Field ist ja schon seit dem iPhone 3GS eingebaut.

Am Apple Fernseher wird schon lange gearbeitet und Vorarbeiten hat sicherlich schon Steve Jobs geleistet, doch soll das Projekt langsamer vorankommen als gedacht und der Bedienansatz gerüchteweise bei Testnutzern durchgefallen sein.

Eine Uhr? Das wäre zu wenig. Heimautomation wäre ein anderes weites Feld – doch bleibt letztlich alles Spekulation.

Insbesondere stellt sich die Frage, ob Apple in der Lage ist, ohne Steve Jobs ein marktumkrempelndes Prodikt zu entwickeln und einzuführen.

Und so steht Apple wieder einmal mehr am Scheideweg. History repeating.

Bild: (c) Allposter / The New Yorker

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