Internetregel: Poe’s Law

Poe’s Law lautet:

Without a winking smiley or other blatant display of humor, it is uttrerly [sic] impossible to parody a Creationist in such a way that someone won’t mistake [it] for the genuine article.

Auf Deutsch:

Ohne einen zwinkernden Smiley oder eine andere offensichtliche Darstellung von Humor ist es absolut unmöglich, einen Kreationisten so zu parodieren, dass niemand es für einen echten Beitrag hält.

Poe’s Law wurde erstmals am 10. August 2005 in einem Forum veröffentlicht.

Das ist der Urknall der heutigen Poe’s Law-Diskussion. Sie gilt aber längst nicht mehr nur für Kreationisten, sondern für alle Formen von Online-Radikalismus, Ideologie oder schlicht Überzeugungseifer.

Wenn jemand eine völlig überzogene Meinung postet („Wir sollten alle Häuser aus veganem Beton bauen, um den Planeten zu retten“), weißt du nicht:

  • Ist das Satire?
  • Ist das ernst gemeint?
  • Oder ist es Meta-Satire über Satire über Ernsthaftigkeit?

Ironie verliert im Text ihre schützende Intonation, und je extremer oder absurder die Welt ohnehin wirkt, desto schwerer wird es, Parodie und Realität zu trennen.

Im Grunde ist Poe’s Law also ein Kind der digitalen Babylon-Verwirrung:
Die Zeichen der Ironie sind unscharf geworden, und wir leben in einer Zeit, in der die Wirklichkeit selbst manchmal wie eine Parodie ihrer eigenen Pressemitteilungen klingt.

Ein schöner Nebeneffekt: Wer Poe’s Law versteht, hat einen eingebauten Schutz gegen leichtgläubigen Empörungsreflex. Man fragt sich dann automatisch: Ist das vielleicht einfach zu dumm, um echt zu sein — oder zu echt, um dumm zu sein?