Michael Simon de Normiers Lindner Rant: “…just when I needed you most!”

Oder war es doch der Kubicki?

Christian Lindner gilt vielen als Lichtgestalt. Bis vergangenen Sonntagnacht, 19./20. November 2017, war das zumindest so. Lichtgestalten fordern heraus, genauer hinzusehen. Ohne sich blenden zu lassen, bitteschön!

Dabei fällt ins Auge, dass Lindner nicht zum ersten Mal das Handtuch geworfen hat. Ende 2011 suchte und fand Lindner, damals Generalsekretär der Liberalen, mit einem prophetischen „Auf Wiedersehen!” auf den schmalen Lippen, den Abgang auf maximaler Bühne. Die FDP hatte er mit dem Vorsitzenden Phillip Rösler im Regen stehen lassen.

Er kündigte eine Erneuerung „von Grund auf” an und setzt sie scheinbar seither in die Tat um. Skepsis bleibt geboten!

Plant so jemand tatsächlich für 6+4 Jahre und mehr? Geht es CL 10,7 wahrhaftig um die Liberalen, deren Werte und die Zukunft in Deutschland?

Neben dem, von ihm selbst antizipierten und einkalkulierten Shitstorm, werden nun allenthalben traumhafte Vorstellungen mit Team Lindner Kubickis Rückzug aus der designierten Regierungsverantwortung assoziiert und auf die „Neue FDP” projiziert: Von Idealen, Rückgrat und Geradlinigkeit ist da die Rede, in Hoffnung.

Hoffentlich geht das mal auf.

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Liste: Gewählte Direktkandidaten des Wahlkreises Bonn bei Bundestagswahlen

Diese Liste zeigt die im jeweiligen Wahlkreis Bonn gewählten Direktkandidaten bei den Bundestagswahlen.

Jahr Name Partei Erststimmen
1949 Konrad Adenauer CDU 54,9 %
1953 Konrad Adenauer CDU 68,8 %
1957 Konrad Adenauer CDU 68,5 %
1961 Konrad Adenauer CDU 60,3 %
1965 Konrad Adenauer CDU 59,6 %
1969 Alo Hauser CDU 37,9 %
1972 Alo Hauser CDU 51,8 %
1976 Alo Hauser CDU 54,1 %
1980 Alo Hauser CDU 49,3 %
1983 Hans Daniels CDU 55,1 %
1987 Hans Daniels CDU 50,3 %
1990 Editha Limbach CDU 44,8 %
1994 Editha Limbach CDU 44,8 %
1998 Norbert Hauser CDU 42,8 %
2002 Ulrich Kelber SPD 39,7 %
2005 Ulrich Kelber SPD 42,0 %
2009 Ulrich Kelber SPD 33,3 %
2013 Ulrich Kelber SPD 38,2 %

Das Ergebnis von 1969 fällt insoweit aus dem Rahmen, als dass der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Wilhelm Daniels (ehemals CDU) als unabhängiger Einzelbewerber antrat und 20,1% der Stimmen erhielt. Damit war er bis jetzt einer der drei erfolgreichsten Einzelbewerber in der Geschichte der Bundesrepublik.

Auch 2009 ist bemerkenswert – hier trat auch Guido Westerwelle (FDP) als Direktkandidat an und konnte 19,1% der Erststimmen erreichen.

Lesenswertes 3

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Hier wieder die aktuellen 10 Links aus der Rubrik lesenswertes.

  1. Die Deutschen sind in der Pubertät
    Sehr lesenswertes Interview über die derzeitige Lage in Deutschland.
  2. Schreiben, um ein Mensch zu bleiben
    Sehr einfühlsamer Artikel über Guido Westerwelle und sein neues Buch “Zwischen zwei Leben: Von Liebe, Tod und Zuversicht“.
  3. Windows 10 Mobile als Self Service
    Dr. Windows spekuliert über die Update Strategie Microsofts bei Windows 10 für Smartphones.
  4. What to eat? Mein Menüplan für KW 46
    Ich finde einfach die Idee gut, sich vorher für die Woche einen Menüplan zu erstellen und diesen auch noch öffentlich zu machen. Tun sicher viele, ist mir aber heute zum ersten mal so untergekommen.
  5. The Verge Review of Animals: The Dog
    An sich erwartet man bei The Verge eher Reviews von iPhones, Surface Tablets oder Betriebssystemen. Die können aber auch Tiere.
  6. Bonn leuchtet im Dunkeln
    Irgendwie ist “Bonn leuchtet” im Vorfeld an mir vorbeigegangen. Wie gut, dass es hier zumindest Bilder davon gibt.
  7. 10 Prozent werden straffällig
    Zu Kriminalität bei Flüchtlingen – differenzierter, als man es nach der Überschrift erwarten könnte.
  8. Kann ein Reichsbürger ehrenamtlicher Richter sein?
    Die Frage beantwortet sich eigentlich von selbst…
  9. Deutschlands heißer Herbst
    Über die Gewalt von Links und Rechts.
  10. Geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten: Fast-Food-Ketten droht Schließung
    Ohne weitere Worte.

Bild: Seitenzahl 3 der legendären Seite 3 der “The Sun”.

Warum das Dschungelcamp 2014 ohne mich stattfindet

Ja, ich hatte mich schon gefreut – ein Jahr lang gab es kein “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” mehr. Trash-Entzug pur. Seit der ersten Staffel 2004 habe ich kaum eine Folge verpasst und in den letzten Jahren auch leidenschaftlich auf facebook und twitter mitdiskutiert und gelästert. Genau das hatte ich auch diesmal vor und habe vorbereitend natürlich meine obligatorische Google Auswertung der IBES Kandidaten gemacht.

Allein – schon nach der Bekanntgabe der Insassen des RTL Lagers kühlte meine Stimmung merklich ab. Und als es am Freitag dann soweit war und der Einzug der Z-Promis anstand, habe ich nur kurz reingeschaltet und bin dann zügig eingeschlafen. Am Samstag war ich in der Oper (Tosca in Bonn, sehr sehenswert), hätte mir den Schluss der Dschungelshow beim RTL durchaus noch ansehen können, war aber nicht motiviert. Sonntag hatte ich partout keine Lust, habe mich auf facebook kurz entschuldigt und dann lieber gelesen, das gleiche ebenso am Montag – diesmal nur ohne mich zu verabschieden.

Das Dschungelfieber hat mich diesmal nicht gepackt, ganz im Gegenteil: die wenigen Momente, die ich diesmal gesehen habe, haben mich geheilt.

Früher war IBES wunderbar anarchistisches Unterschichtfernsehen, das der Gesellschaft hintergründig einen Spiegel vorgehalten hat. Vom Feuilleton verachtet, vom Boulevard missachtet. Werbung schalten wollte keiner, weswegen es für RTL Verhältnisse erfreulich kurze Unterbrechungen gab. Mitgemacht haben durchaus Charakterköpfe wie eine Desiree Nick, Rainer Langhans oder Ingrid van Bergen, Sympathieträger wie Ross Anthony, Überraschungen wie Joey Heindle oder gar Daniel Küblböck. Echte Frauen, starke Männer und widerliche Kotzbrocken. Politik, Kirchen und Tierschützer protestieren in trauter Einheit. Letztere waren kurz davor, für teilkastrierte einhodige Kängurus auf die Straße zu gehen.

Und jetzt? Vielleicht von Winfried Glatzeder und Tanja Schumann abgesehen sind eigentlich nur noch sich vorhersehbar selbst inszenierende Eigengewächse des Boulevards dabei. Fick und Fotzi, die Boulevardnymphomaninen samt Entourage im Ekelbumsbomber nach Australien – zwecks Förderung von dem, was heute vom Prekariat für Karriere gehalten wird.

Das ganze Schauspiel wird dazu noch massiv von den anderen Medien hochgeschrieben – rufe ich bild.de auf, scheint das mehr als vorhersehbare freiwillige Ausscheiden vom “Wendler” das wichtigste Ereignis des Tages zu sein:

dschungelcamp-ibes-bild

Klar, von der ersten Staffel an wurde IBES immer kommerzieller und immer mehr Mainstream. Aber diesmal ist es so gesichtslos und weichgespült, dass ich es mir nicht antun werde. Punkt.

Und auch wenn der RTL jetzt Guido Westerwelle auf einem Pegasus reitend in den australische Urwaldcamp einfliegt – an meinem Entschluss wird das nichts mehr ändern.

Den verbleibenden Zuschauern wünsch ich dennoch viel Spaß – und nichts für ungut. Aber vielleicht bin ich ja 2015 wieder an Bord.