Die TV-Falle, Roger Schawinski

Seitdem ich eine Zeit lang beratend für den Ableger eines großen deutschen TV-Senders tätig war und dort einen Blick hinter die Kulissen werfen konnte, fasziniert mich das Medium Fernsehen besonders.

Wer vom Lesesessel aus tiefer in die Materie eindringen will, dem sei die “TV Falle” von Roger Schawinski empfohlen.

Der Schweizer Schawinski war von 2003 bis 2006 Geschäftsführer von SAT 1 – und um diese Zeit geht es hauptsächlich in seinem Buch. Sicher, vieles dient dazu, sich nachträglich zu rechtfertigen und sein Bild in der Geschichte zurechtzurücken. Doch gerade diese persönlich geprägten Passagen sind besonders aufschlussreich.

Zudem gibt es viel Kritik an den öffentlich-rechtlichen, den gesetzlichen Rahmenbedingungen und dem Fernsehen an sich. Alles spannend und leicht verständlich geschrieben.

Pflichtlektüre für alle aus der TV-Branche und aufschlussreich für alle Zuschauer, die nach diesem Buch besser verstehen, warum das Fernsehen so ist, wie es ist.

Die TV-Falle: Vom Sendungsbewusstsein zum Fernsehgeschäftalt

iPhone/Android/Blackberry User und wie sie sich sehen

Eine wie ich finde recht treffende Typisierung der iPhone, Android und Blackberry User:

Die volle Größe gibt es bei csectioncomic.com.

Microsoft spricht Frauen mit dem Windows Phone 7 an

Da ist Microsoft mir doch glatt mit einer Idee zuvorgekommen… gezielte Ansprache von Frauen beim Thema Windows Phone 7 an, wie dieses Video mit Sarah Tkotsch (bekannt u.a. aus GZSZ) beweist:

Ich bin gespannt, wer als nächstes kommt…

10 Dinge, die ich machen würde, um Windows Phone 7 zu pushen

Windows Phone 7 ist da – und wahrscheinlich wirklich Microsofts letzte Chance, im mobile Bereich eine wirkliche Rolle zu spielen.

Ich hatte inzwischen Gelegenheit, ein Windows Phone 7 etwas ausgiebiger zu testen, und zwar ein HTC HD7alt. Die Benutzeroberfläche hat mich sehr überzeugt und ist deutlich übersichtlicher als beim iPhone und bei den Android GUIs, die mir bislang untergekommen sind. Auch die Grundfunktionen sind sehr eingängig und smart umgesetzt. Sicher, wenn man in die Tiefen des Systems einsteigt, ist noch nicht alles rund, z.B. fehlt das vielzitierte Copy&Paste, aber das meiste dürfte sich über Updates mit der Zeit beheben lassen.

Das Problem ist freilich, dass die direkten Konkurrenten iPhone, Android und Blackberry schon viel länger im Markt sind. Es gibt für diese Systeme mehr Apps und mehr mediale Aufmerksamkeit. Ganz entscheidend aber: wer sich ein neues Smartphone kauft, wird sich in seinem Bekanntenkreis umhören und da herrschen die Mitbewerber vor.

Hätte ich bei Microsoft (Deutschland) Marketingverantwortung, würde ich mich bemühen, die Stärken des Systems zu nutzen und die Schwächen zu beseitigen:

  1. Zielgruppe Frauen: Windows Phone 7 ist chic 
    Windows Phone 7 hat derzeit zwei große Stärken im Vergleich zum Wettbewerb: die wirklich ansprechende und übersichtliche Benutzeroberfläche und die gute Integration von facebook.
    Allgemein sollten daher bei der Kommunikation Frauen besonders angesprochen werden. Klar, dazu gehört, dass man in Bunte & Co. entsprechende Anzeigen schaltet. Begleitend sollten aber B/C/D-Promis, die von der Zielgruppe wahrgenommen werden, kostenlos mit Windows Phone 7 Smartphones ausgestattet und A-Promis als Werbegesichter gewonnen werden. Warum z.B. kein HTC HD7 Christina Aguilera Edition?
  2. Zielgruppe XBox User: Mit Vergünstigungen anbieten
    Eine weitere Funktion, auf die Microsoft zu recht stolz ist, sind die Gaming-Funktionen von Windows Phone 7 und da besonders die Verbindungen mit der XBoxalt (was ich mangels Konsole nicht testen konnte). aber auch diese Zielgruppe verlangt nach besonderer Ansprache. In Österreich hat es A1 schon vorgemacht: zum Verkaufsstart der Windows Phones gab es eine XBox kostenlos dazu. Warum nicht umgedreht registrierten XBox Usern Rabatte beim Kauf eines passenden Handys geben? Mit einem 50 Euro Gutschein oder vergünstigten Tarifen würde sich der ein oder andere überzeugen lassen.
  3. Die Blogosphäre entern
    Es gab jetzt schon eine recht halbherzige Kampagne von Microsoft, bei der 10 deutsche Blogger ein Testgerät erhalten konnten. Die 5 besten Tester dürfen es dann behalten. Soweit so gut – aber um damit nachhaltig in den Blogs etwas zu bewegen, ist das viel zu wenig.
    500 Testgeräte an deutsche Blogger, gleich mit einer Prepaid-Karte für 1 Monat Flatrate-Surfen. 250 Blogger, die gut/reglmässig über ihre Erfahrungen berichtet haben, dürfen es dann behalten. Die übrigen 250 Testgeräte gehen dann wieder raus und die 125 besten Tester können sich über ein neues Smartphone freuen usw. usw.
    Damit sind nicht nur die Blogs voll mit dem Thema sondern auch gleich 500 "persönliche" Multiplikatoren unterwegs.
  4. Ran an facebook
    facebook User sind eine der Hauptzielgruppen für das Smartphone. Ein Monat lang werden jeden Tag fünf Smartphones an "Fans" des Gewinnspiels vergeben, die nach verschiedenen Kriterien bestimmt werden: die fünf mit den meisten Freunden, die 5 mit den meisten Fotos, die fünf, die am längsten auf facebook sind, fünf, die an dem Tag Geburtstag haben, fünf, die ein Bild von ihrem kaputten iPhone einstellen…
    Auch damit wird Aufmerksamkeit erzielt und die Zielgruppe "Generation facebook" wird "geimpft".
  5. Windows 7 Scouts
    Zudem sollten über eine online-Kampagne 1.000 "Windows 7 Scouts" rekrutiert werden. Das können Künstler sein, Fremdenführer, PC-Trainer, Journalisten, Verkäufer, DJs… einfach Menschen, die viel mit anderen Menschen zu tun haben, kommunikativ sind und sich für neue Trends begeistern. Diese sollen als Multiplikatoren für WP7 dienen.
  6. Begehrt werden lassen
    Die drei vorgenannten Aktionen sollten nur für eine begrenzte Zeit laufen, maximal 6 Monate lang. Dann wurden darüber rund 1.650 Windows 7 Phones in den Markt gedrückt und entsprechend viele Multiplikatoren gewonnen. Es soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, die Handys würden "verscherbelt". Vielmehr sollten bestimmte Modelle/Editions sogar künstlich verknappt werden.
  7. Entwickler verwöhnen
    Viele gute Apps sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ein mobiles Betriebssystem. Und daher sollten die Entwickler verwöhnt werden. Zum Beispiel, indem man ihnen leihweise ein Windows Phone 7 zur Verfügung stellt, solange sie regelmäßig Apps abliefern.
  8. Offenheit bei den Apps
    Windows Phone 7 hat die Chance, das beste aus der Apple Welt (stabiles System und hohe Kompatibilität) und der Android Welt (Offenheit und daher größere Vielfalt bei den Apps) zu verbinden. Es sollte nicht der Fehler gemacht werden, im Marketplace ähnlich streng zu "zensieren", wie Apple das tut.
  9. Kostenlose Apps
    Eines der Erfolgsgeheimnisse von Android sind die vielen kostenlosen Apps. Es sollten daher zum einen durch Microsoft selbst zahlreiche kostenlose Anwendungen bereitgestellt werden und zum anderen herausragende kostenlose Anwendungen von Entwicklern finanziell oder anderweitig honorieren. Warum nicht für eine bestimmte Zeit für "einmalige" innovative Apps dem Entwickler 1.000 Euro zahlen?
  10. Laufend Updaten
    Einer der großen Fehler Microsofts bei den vorigen Versionen (Windows mobile) war, dass es zu selten Updates gab. Bei Windows Phone 7 sollten regelmäßig und schnell neue Funktionen wie z.B. Copy&Paste, Tethering, Multitasking oder eine bessere Sortierung der installierten Anwendungen ausgeliefert werden.

Am wichtigsten wäre es mE, die 1.650 WP7 Smartphones an Multiplikatoren und Meinungsführer zu versenden. Das würde Microsoft in Deutschland in Sachen Hardware-Wert eine gute halbe Million Euro kosten – und damit nicht mehr als ein gutes Dutzend 30-sec-Spots zur Prime-Time bei RTL…

Und noch was: Lieber Achim Berg, wenn Sie das Lesen, denken Sie an mich ;)

Eine kurze Geschichte des Bloggens

geschichte-des-bloggens

Inzwischen sind Blogs Teil des digitalen Alltags. Doch das war nicht immer so…

Unabdingbare Voraussetzung war das Aufkommen des WWW 1991, da die vorigen Internet-Dienste (FTP, usenet…) und proprietären online-Services (BTX, Compuserve…) nicht zum “bloggen” taugten.

Meilensteine des Bloggens

Die ersten “online Tagebücher” kamen dementsprechend in den 1990er mit zunehmender Verbreitung des WWW auf. Hier einige wichtige Meilensteine aus der frühen Geschichte des Bloggens und zur Entstehung des Begriffs:

  • 1994 startet Justin Hall eine persönliche Website, die man heute wohl als “Blog” bezeichnen würde.
  • 1995 geht Jorn Barger mit seiner Website Robot Wisdom, auf der über seine persönliche Sicht verschiedener Themen berichtet.
  • 1996 wurde Xanga gestartet, eine Plattform, die das Führen eines online Tagebuchs ermöglichte – und die immer noch aktiv ist und sich inzwischen als “Blogging-Community” bezeichnet.
  • am 1. April 1997 startet Scripting News von David Winer; der älteste Blog im engeren Sinne, der heute (2010) noch aktiv ist.
  • 1997 nennen The Misantrophic Bitch und andere “Blogger” ihre Websites auch “zine” (von magazine).
  • am 17. Dezember 1997 beginnt Barger (s.o.) auf seiner Website mit täglichen Einträgen und nennt sie “Robot Wisdom Weblog” – der Grundbegriff ist geboren.
  • 1998 startet im Oktober mit OpenDiary die erste Blogger-Community.
  • im April oder Mai 1999 taucht zum ersten mal der Begriff “blog” auf der Website von Pete Merholz auf.
  • im August 1999 wird blogger.com gestartet.
  • 2001 startet Michel Valdrighi die Entwicklung einer PHP-Weblog Software namens b2/cafelog…
  • aus der ab 2003 WordPress hervorgeht. Entwickler ist Matthew Mullenweg.
  • 2004 erscheint die erste stabile Version von WordPress.
  • 2005 wird der Bloghosting Dienst wordpress.com gestartet.

Blogs heute

Spätestens seitdem sind Blogs ein Massenphänomen und es gibt auch viele neue einfachere Dienste, wie z.B. tumblr. Allein in Deutschland soll es derzeit (Stand Anfang 2016) mindestens 200.000 aktive Blogger geben.

Übrigens, die verschiedenen Begriffe (und deren Bestandteile), die für Blogs verwendet wurden, geben gute Aufschlüsse darüber, was ein Blog ist:

  • Diary (Tagebuch)
  • Zine (von Magazine)
  • WebLog (also ein Jorunal im Web)

Bonner Blogger

Übrigens, gerade Bonn hat eine sehr aktive Blogger Szene. Einen guten Überblick kann man sich hier verschaffen.

Was ist eigentlich ein Blog? Versuch einer Kurzdefinition.

Jetzt habe ich schon viele Beiträge geschrieben, wie man zum Blogger wird, ohne genau definiert zu haben, was ein Blog eigentlich ist… das soll jetzt nachgeholt werden.

Der Begriff kommt von WebLog – es handelt sich bei einem Blog also um eine Art, Logbuch, Tagebuch oder Journal, das im Internet geführt wird.

Typische Kennzeichen eines Blogs sind:

  • inhaltlich geht es meist um eine Person oder einen Themenkomplex
  • es gibt meist nur einen Autor
  • die persönliche Meinung des Autors steht meist im Vordergrund (mehr Meinung als Nachricht)
  • die Beiträge sind chronologisch aufgeführt und mit Datum versehen
  • es werden (mehr oder weniger) regelmäßig neue Beiträge geschrieben
  • Beiträge können (meist) kommentiert werden
  • neue Inhalte werden auch in einem RSS Feed zur Verfügung gestellt
  • neben Text können Bilder, Videos, und Ton im weitesten Sinne Bestandteil des Blogs sein; dies in unterschiedlicher Gewichtung.
  • der Blog ist in die “Blogosphäre” eingebunden: z.B. durch Verlinkung und Pingbacks.

Eine kurze Definition von “Blog” lautet meiner Meinung nach:

Ein Blog besteht aus zusammenhängenden, chronologisch aufgeführten online publizierten Inhalten in Journal- oder Tagebuchform.

Diese ist freilich weitgefasst und die Grenzen zu anderen online Publikationsformen sind fließend. Insbesondere die Abgrenzung zu Nachrichtenseiten ist oft schwierig. 

Man könnte also auch enger definieren:

Ein Blog ist ein abtrennbarer Bereich einer Website, der in chronologischer Form Beiträge eines oder mehrerer Autoren enthält, die einen Themenkomplex aus individuell geprägter Sicht behandeln.

Letztlich dürfte aber die folgende Definition die treffendste sein:

Ein Blog ist eine Website mit chronologischen Inhalten, die als Blog bezeichnet wird.

…ganz im Sinne von ”Kunst ist, was Kunst sein will”.

Die 100 beliebtesten Bücher der Deutschen gesucht

Es werden immer mal wieder Listen mit den 100 beliebtesten Büchern oder Büchern, die man gelesen habe sollte, zusammengestellt. Eine der größten diesbezüglichen Aktionen organisierte das ZDF: “Unsere Besten – das große Lesen“. Die Liste inspiriert – gerade, wenn man ein Geschenk für jemanden sucht.

Für mein Projekt umstellung.info suche ich derzeit 100 Bücher, die man gelesen haben sollte – und freue mich über passende Vorschläge.

Der offene Brief der Familie Kretschmer

Fast eine Woche nach dem Amoklauf des Sohnes Tim Kretschmer hat heute die Familie über ihre Rechtsanwälte einen offenen Brief herausgegeben, den ich hier unkommentiert darstelle:30

Offener Brief

Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders, genommen. Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben. Bis zu dem furchtbaren Geschehen waren auch wir eine ganz normale Familie. Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders.

Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie.

Unser tiefstes Mitgefühl möchten wir den Opfern, Angehörigen und Freunden aussprechen. Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten.

Leutenbach, den 17.03.09

 

Staatsanwaltschaft eröffnet Ermittlungsverfahren gegen Jörg Kretschmer

Wie heute bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen Jörg Kretschmer, den Vater des Winnender Amokläufers Tim Kretschmer, eröffnet. Dabei geht es auch um den Vorwurf fahrlässiger Tötung.

Kern der Vorwürfe:

  • Jörg Kretschmer hat die Tatwaffe und die zugehörige Munition nicht verschlossen aufbewahrt.
  • Schon dem 10-jährigen Tim gab er Schießunterricht.

Mehr dazu auch auf Spiegel online.

Die Tricksereien von Jörg Kretschmer

Jörg Kretschmer, der Vater des Amokläufers Tim Kretschmer, lässt derzeit seinen Anwalt erklären, sein Sohn sei nicht in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.

Dies ist allenfalls juristische Haarspalterei. Denn dass Tim Kretschmer mehrfach bei Psychiatern vorstellig war, ist unstrittig. Ob dies nun im streng juristischen Sinne eine Psychotherapie war oder nicht, mag dahingestellt bleiben.

Dass Tim psychisch verhaltenauffällig war, ist aber wohl offensichtlich. Um so mehr ist fraglich, wieso der Vater seinen Sohn auf den Schiesstand begleitete und ihn weiter an Waffen heranführte.

Es ist zu wünschen und zu hoffen, dass Jörg Kretschmer deswegen (und wegen der Verstösse gegen das Waffenrecht) nicht nur zivilrechtlich in Anspruch genommen wird, sondern sich auch seiner strafrechtlichen Verantwortung stellen muss.

Auf eine Entschuldigung für die Tat des Sohnes und vielmehr noch für die eigenen massiven Versäumnisse wartet man nach wie vor vergebens. Charakter ist etwas anderes.

Lesenswert dazu der aktuelle Artikel auf SPON, aus dem ich zitieren darf:

Ein Grund für das Dementi der Eltern lässt sich womöglich in dem Umstand finden, dass Tim K. mit der Beretta 92 seines Vaters um sich schoss. Sollte sich nämlich herausstellen, dass K. schon vor der Tat gefährlich erscheinende Auffälligkeiten an den Tag gelegt hatte, könnte sich der Vater einem Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegenübersehen.

Den kompletten Artikel findet man hier.