Display-Name: tatarczyk/1788316945. Absender: t.bswu@epopuga.com. Betreff: 0TT0 hat dir gerade eine Nachricht geschickt.
Zwei Nullen statt Buchstaben. Otto-Rot. Ein Logo, das nicht von Otto kommt. Und eine Zahl hinter dem Schrägstrich, die sich anfühlt wie Kundennummer, Ticket, Geheimcode. Ist sie nicht. Es ist im Wesentlichen ein Unix-Zeitstempel. Die Mail ist in der Nacht zum 2. September rausgegangen, und die Zahl im Absender ist genau diese Sekunde. Der „persönliche Code“ im Text ist dieselbe Zahl plus eins. So persönlich ist das.
Outlook hat SCL 6 vergeben und die Nachricht in den Junk gelegt. Trotzdem sieht sie aus wie ein Kundenmail. Genau das ist der Job.
Das ist eine Fake-Verlosung
Vorweg, klar: Du hast nichts gewonnen. Es gibt keinen hochwertigen Artikel, der auf Dich wartet. Es gab keinen Frühjahrsverkauf, in den Deine Ticketnummer gerutscht ist. Niemand bei Otto hat Dich dreimal angeschrieben und wartet jetzt 12 Stunden auf Deinen Klick. Das ist eine erfundene Verlosung, gebaut wie ein Mahnschreiben: Du hast schon gewonnen, Du hast es nur noch nicht abgeholt, die anderen Gewinner waren fleißiger, Frist heute.
Solche Mails verkaufen nicht den Toaster. Sie verkaufen den Klick. Danach kommt, wie die Mail selbst verrät, ein „Lieferformular“. Adresse, Telefon, oft Karte für die Versandkosten, manchmal ein Login, das nach Otto-Konto aussieht. Der Preis ist der Vorwand. Das Formular ist die Falle.
Was die Karte Dir erzählt
Die HTML-Mail kommt als schmale weiße Karte auf grauem Grund. Oben ein roter Balken, darin ein Otto-ähnliches Logo, gehostet bei channelx.world, Dateiname otto-1.png. Nicht otto.de, nicht ein CDN von Otto. Eine fremde WordPress-Seite, die das Bild irgendwann mal abgelegt hat. Wer Marken klaut, klaut auch Dateinamen.
Darunter ein grauer Kasten, der nach Kundenkonto aussieht. Kunde: Vor- und Nachname. Persönlicher Code: 1788316946. Nicht beanspruchte Belohnung: Hochwertiger Artikel. Der Artikelname fehlt. Es ist ein Link, der nach epopuga.com führt. Du sollst klicken, um zu sehen, was Du „gewonnen“ hast. Klassiker.
Dann der weiche Einstieg: Erinnerst Du Dich, beim Frühjahrsverkauf eingekauft zu haben? Duzen, Vorname, ein kluger Schachzug, weil die Ticketnummer in die vierteljährliche Tech-Verlosung gewandert sei. Drei Benachrichtigungen hättest Du schon ignoriert. Ein seltener Preis, nur einmal im Jahr, letztes Mal, dass sie sich melden.
Darunter eine Gewinnerliste. C. Laurent. N. Martin. Und dann Dein Name in Rot, mit dem Stempel NICHT BEANSPRUCHT. So baut man sozialen Druck. Zwei Initialen, die nach echten Menschen klingen, und Du als der eine, der zu blöd war abzuholen.
Roter Button über die volle Breite: Beanspruche deinen (1) hochwertigen Artikel hier. Die Eins in Klammern soll nach Lagerbestand aussehen. Frist: 12 Stunden. Wichtig: Wenn Du gesehen hast, was Du gewonnen hast, kommt das Lieferformular, damit das Geschenk sicher ankommt.
Fußzeile: Mit freundlichen Grüßen, Vorname Schmidt, O𝗧𝗧O Team. Die Ts im Markennamen sind Unicode-Buchstaben, keine normalen T. Der Betreff schreibt 0TT0 mit Nullen. Oben das echte-ish Logo, unten eine Signatur, die Vorname und Schmidt zusammenklebt. Drei Schreibweisen für eine Firma, die das nicht geschrieben hat.
Outlook zeigt außerdem einen Anhang. Nicht öffnen. Auch der gehört zum Look „da ist etwas für Dich“.
Warum das nichts mit Otto zu tun hat
Otto schreibt nicht als t.bswu@epopuga.com. Otto schreibt nicht 0TT0 in den Betreff, um Filter zu täuschen. Otto hängt kein Logo von channelx.world in eine Verlosungsmail. Und Otto erfindet keine Ticketnummer aus der Uhrzeit.
Die Absenderzeile klebt den Nachnamen an denselben Zeitstempel. Das soll nach internem Vorgang aussehen: Name, Aktenzeichen, fertig. In Wahrheit hat jemand eine Liste mit Namen, eine Domain, die SPF, DKIM und DMARC sauber durchbekommt, und ein HTML-Template in Otto-Rot. Die Häkchen sagen: epopuga.com darf über relay.sender.epopuga.com versenden. Sie sagen nicht: Das ist Otto.
Die Zahl im Display-Namen und der Code im Text sind um eins versetzt. Wer eine echte Kundennummer vergibt, rutscht nicht um eine Sekunde daneben. Wer einen Timestamp in zwei Felder kopiert, schon.
Der Link und was danach kommt
Button, Belohnung, alles führt auf epopuga.com, kurzer Pfad, zufällige Zeichen. Kein otto.de, kein otto.market, kein HTTPS, das nach Versandhandel riecht. Die Domain ist der Absender und das Ziel. Das ist bequem für die Absender und ein Alarmsignal für Dich.
Was hinter dem Klick liegt, ändert sich. Mal eine Seite, die nach Gewinnausschnitt aussieht. Mal ein Formular. Mal Weiterleitung. Die Mail nimmt das Ende schon vorweg: Lieferformular. Also Adresse, vielleicht Ausweis, vielleicht „Zoll“ oder „Versandpauschale“. Fake-Verlosung plus Nachnahme-Feeling, nur digital.
Die Gewinnerliste, die 12-Stunden-Frist, die drei vorherigen Benachrichtigungen, die Du nie bekommen hast: alles Druck. Wer kurz denkt „vielleicht war da wirklich was im Frühjahr“, hat genau so reagiert, wie das Template es will.
Was Du tun solltest
Nichts klicken. Nicht den hochwertigen Artikel. Nicht den Button. Den Anhang nicht öffnen.
Wenn Du wirklich wissen willst, ob Otto etwas von Dir will: otto.de oder die App selbst öffnen, Bestellungen und Nachrichten dort. Nicht über epopuga.com. Eine echte Verlosung von Otto kommt nicht als 0TT0 um halb fünf in der Früh, mit Unicode-Ts und einem Zeitstempel als Ticket.
Kurz: Fake-Verlosung im Otto-Look, fremde Domain, erfundener Preis, Lieferformular als nächster Schritt. Löschen. Es wurde kein hochwertiger Artikel für Dich zurückgelegt, und C. Laurent hat auch nichts abgeholt.
Der Mailtext (ohne Links)
Absender: tatarczyk/1788316945 (t.bswu@epopuga.com)
Betreff: 0TT0 hat dir gerade eine Nachricht geschickt
Datum: 2. September 2026
Kunde: (Vor- und Nachname)
Persönlicher Code: 1788316946
Nicht beanspruchte Belohnung: Hochwertiger ArtikelErinnerst du dich daran, bei uns während des Frühjahrsverkaufs eingekauft zu haben, (Vorname)?
Das war ein kluger Schachzug. Warum? Weil deine Ticketnummer 1788316946 in unsere vierteljährliche Tech-Verlosung eingegeben wurde.
Aber wir haben bemerkt, dass du dein Geschenk noch nicht beansprucht hast, sogar nach 3 Benachrichtigungen.
Wir können uns einfach nicht vorstellen, dass du einen seltenen Preis verpasst, den wir nur einmal im Jahr anbieten, deshalb melden wir uns ein letztes Mal.
Diese Gewinner haben ihre Preise bereits beansprucht:
C. Laurent
N. Martin
(Vor- und Nachname) (NICHT BEANSPRUCHT)Beanspruche deinen (1) hochwertigen Artikel hier
Frist: 12 Stunden
Wichtig: Nachdem du gesehen hast, was du gewonnen hast, senden wir dir ein Lieferformular, um sicherzustellen, dass dein Geschenk sicher ankommt.
Mit freundlichen Grüßen,
(Vorname) Schmidt
OTTO Team

