Spam: Bitte an den CEO weiterleiten

Manche Spam-Mails wollen Deine Kartendaten. Diese hier will etwas Gemütlicheres: Deine Angst um den eigenen Namen. Absender Albert Liu, Domain cnnethost.com, Betreff so karg, dass man erstmal denkt, da habe jemand den Namen falsch in die Betreffzeile geklebt. Dann der erste Satz, noch vor „Dear CEO“:

It’s very urgent, so we kindly ask you to pass this email to your CEO.

Sehr dringend. Bitte an den Chef. Und falls es die falsche Person erwischt hat: einfach ignorieren. Höflich, fast schon zu höflich. Genau so fängt diese Masche seit Jahren an.

Was sie Dir erzählen

Die Mail vom 28. Juli kommt angeblich vom „China domain name registration center“ in Shanghai. An dem Tag, an dem sie geschrieben wurde, soll eine Firma namens Baoming Ltd. den Namen aus Deiner Mailadresse als Internet-Keyword und als chinesische Domains anmelden wollen: .cn, .com.cn, .net.cn, .org.cn. Nach einer angeblichen Prüfung stelle man fest, das kollidiere mit Deinem Firmen- oder Markennamen. Deshalb diese Nachfrage: Ist Baoming Ltd. vielleicht Dein Geschäftspartner in China?

Die Anrede in der E-Mail ist z.B. die E-Mail Adresse und nicht Dein echter Name. Hier sogar noch ein Stück dreister: Der Betreff ist genau dieser Teil vor dem @, und „Dear CEO“ sitzt darunter, als wärst Du Vorstand einer Holding. Kein Vorname, keine Firma, kein „Sehr geehrte Damen und Herren“. Nur der Lokalteil, ein Titel und die Bitte, das bitte ganz schnell nach oben weiterzuleiten.

Dann die Signatur, die nach Büro aussehen soll: Albert Liu, General Manager. Telefon, Fax, Mobil, alles mit +86. Eine Adresse in der Hongmei Road in Shanghai. Ein Logo, das nicht bei cnnethost.com liegt, sondern bei inboxcn.com. Foxmail als Mailprogramm. Fertig ist der kleine Behörden-Look.

Die Masche dahinter

Das ist kein Phishing-Button und kein Gewinnspiel. Das ist die China-Domain-Masche, und sie ist älter als manch ein Startup, das sie heute im Postfach findet. Die Idee ist simpel und ziemlich fies, weil sie an etwas Wahres andockt: Cybersquatting gibt es. Marken werden in anderen Ländern als Domain geparkt. Wer eine Website hat, kennt die Sorge, dass jemand den Namen woanders wegschnappt.

Genau da setzen sie an. Sie tun so, als wären sie die Stelle, die das verhindern kann. Nicht als Verkäufer, sondern als Registry. Jemand Drittes will Deinen Namen. Sie fragen nur nach. Du musst nur antworten.

Antwortest Du, beginnt der zweite Akt. Plötzlich kann man die Anmeldung „anhalten“, natürlich nur in einer kurzen Frist. Dann kommt das Angebot, die vier chinesischen Endungen selbst zu registrieren, „zum Schutz der Marke“. Die Preise, die dabei genannt werden, haben mit einer normalen .cn-Domain nichts zu tun. Statt ein paar Euro redet man von Hunderten, manchmal Tausenden. Manche, die mitgeschrieben haben, bekamen hinterher sogar Rechnungen, nur weil sie nachgefragt hatten.

Oft spielt noch eine zweite Figur mit: Erst der freundliche Registry-Mensch, ein paar Tage später eine andere Mail, in der die angebliche chinesische Firma droht, die Domains jetzt wirklich zu nehmen. Guter Cop, böser Cop. Albert Liu darf dann der Retter sein.

Warum das nichts mit einer Registry zu tun hat

Die echte Vergabestelle für .cn ist das CNNIC. Die schreibt keine Kaltakquise an irgendwelche Postfächer im Ausland, nicht an „Dear CEO“, und nicht mit der Bitte, die Mail intern weiterzuleiten. Eine echte Registry muss auch niemanden fragen, ob Baoming Ltd. Dein Partner ist. Wenn eine Domain frei ist, kann sie jemand anmelden. Wenn sie Deine Marke verletzt, gibt es dafür Verfahren, nicht Albert aus dem Junk-Ordner.

cnnethost.com ist auch nicht das CNNIC. SPF, DKIM und DMARC gehen hier sogar durch. Das klingt erstmal nach „echt“, sagt aber nur: Die Mail kommt wirklich von dieser Domain. Nicht, dass die Domain eine Behörde ist. Outlook hat trotzdem SCL 6 vergeben und die Sache als Junk einsortiert. Der Versandweg führt über mx.cnnethost.com, der Server steht nicht in Shanghai, und das Logo hängt an einer zweiten Domain. Derselbe Albert Liu, dieselben Shanghai-Nummern, dieselbe Hongmei-Road-Adresse tauchen seit Jahren in Warnungen auf, nur die Absenderdomain rotiert.

Und Baoming Ltd.? In der nächsten Welle heißt die Firma Hongbo, Hongshun, Kangwei oder irgendetwas mit Bao. Immer Ltd., immer genau an dem Tag der Mail, immer genau Dein Name als Keyword. Das ist kein Zufall und keine Recherche. Das ist eine Vorlage.

Was Du tun solltest

Nichts antworten. Nicht anrufen. Nicht faxen. Nicht „nur kurz Bescheid geben, dass es nicht unser Partner ist“. Genau das ist der Haken, an dem die nächste Mail hängt.

Wenn Du wirklich eine .cn-Domain willst, gehst Du zu einem normalen Registrar und meldest sie selbst an. Das ist weder dringend noch teuer und braucht keinen General Manager in Calibri-Blau. Ob Baoming Ltd. irgendwo in China existiert, musst Du nicht klären. Die Firma in dieser Mail existiert für Dich nur als Köder.

Kurz: alte Masche, neuer Absender, gleicher Satz mit dem CEO. Löschen. Den Namen hat trotzdem niemand in Shanghai geklaut.

Der Mailtext (ohne Links)

Absender: Albert Liu (albert@cnnethost.com)
Betreff: (nur der Teil vor dem @ der Mailadresse)
Datum: 28. Juli 2026

(It’s very urgent, so we kindly ask you to pass this email to your CEO. In case you consider this has been sent to you wrongly, please disregard it. Thanks.)

Dear CEO,

This email is from China domain name registration center in Shanghai, China. On July 28, 2026, we received a request from Baoming Ltd. They want to register „…“ as their internet keyword and Chinese domain names (….cn, ….com.cn, ….net.cn, ….org.cn). But after we review it, we find this name conflicts with your business name or brand name. In order to deal with this situation better, it’s necessary to send this email to you and confirm whether this firm is your business partner in China?

Best regards

Albert Liu
General Manager
Tel: +86-2161918696 | Fax: +86-2161918697 | Mob: +86-13816428671
12F Kaike Building, No. 1801 Hongmei Road, Shanghai 200233, China

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