Bestie von Gévaudan ist der Name eines Wesens, das für einer Reihe von Angriffen auf Menschen im Süden Frankreichs zwischen 1764 und 1767 verantwortlich ist.
Diese Angriffe, die sich hauptsächlich in der Region Gévaudan (heute Teil des Départements Lozère) ereigneten, führten zu wahrscheinlich rund 100 Todesfällen, wobei die Opfer oft schwer verstümmelt wurden. Dazu kamen bis zu 80 Verletzte.
Die Identität der Bestie bleibt bis heute ein Rätsel, das viele Theorien und Spekulationen hervorgebracht hat.
Die erste dokumentierte Attacke fand am 30 Juni 1764 statt, als eine junge Frau namens Jeanne Boulet in der Nähe des Dorfes Saint-Étienne-de-Lugdarès getötet wurde. Berichte über weitere Angriffe folgten bald, oft mit erschreckend ähnlichen Details: Die Bestie griff überwiegend Frauen und Kinder an, biss ihre Kehlen durch und hinterließ tiefe Wunden.
Zeitzeugen beschrieben die Bestie unterschiedlich, was die Identifizierung erschwerte. Allgemein wurde sie als wolfsähnlich, aber viel größer und kräftiger beschrieben, mit einem großen Kopf, einem langen Schwanz und einem rötlich-braunen Fell. Einige Berichte sprachen auch von einer seltsamen Färbung oder Streifen auf dem Rücken.
Angesichts der Panik in der Region entsandte König Ludwig XV. zunächst lokale Jäger und später professionelle Wolfsjäger, um die Bestie zu erlegen. Trotz zahlreicher Treibjagden und einer Belohnung für die Erlegung des Tieres blieben die Angriffe zunächst unvermindert.
Im Juni 1767 wurde schließlich ein großer Wolf von einem Jäger namens Jean Chastel erlegt. Dieser Wolf wurde als die Bestie von Gévaudan identifiziert, da nach seinem Tod die Angriffe aufhörten. Allerdings bleiben Zweifel, ob dieser Wolf tatsächlich für alle Angriffe verantwortlich war.
Es gibt daher nach wie vor viele Theorien darüber, was die Bestie von Gévaudan gewesen sein könnte:
- Ein oder mehrere große Wölfe: Eine verbreitete Theorie besagt, dass es sich einfach um besonders aggressive Wölfe handelte.
- Hybriden oder exotische Tiere: Einige spekulieren, dass es sich um eine Kreuzung zwischen einem Wolf und einem Hund oder ein exotisches Tier handelte, das aus einem Privatzoo entkommen war. Oft wird auch eine Hyäne genannt.
- Menschliches Eingreifen: Es wurde auch spekuliert, dass die Angriffe von einem Menschen verursacht wurden, entweder durch bewusste Tötung oder durch das Trainieren von Tieren, um anzugreifen.
Die Bestie von Gévaudan hat einen festen Platz in der französischen Folklore und Literatur. Sie inspirierte zahlreiche Bücher, Filme und wissenschaftliche Studien, die versuchen, das Mysterium zu lösen. Die Geschichten über die Bestie haben die Vorstellungskraft vieler Generationen beflügelt und bleiben ein faszinierendes Kapitel der französischen Geschichte.
Illustration: Thomas Borup, Hyäne, die im Gebiet von Gevaudan in Frankreich viele Menschen zerfleischt hat, 18. Jahrhundert

