Was man sinnvoll gegen Hochwasser tun könnte

Das Hochwasser in Süddeutschland im Juni 2024 oder die Hochwasserkatastrophe an der Ahr 2021 führen immer wieder zu der Diskussion, was man gegen solche Extremsituationen tun kann.

Ich will an dieser Stelle gar nicht über den Sinn oder Unsinn von Klimaschutzmaßnahmen sowie den Klimawandel, seine Ursachen und deren Bekämpfung eingehen: Unabhängig davon hat es Hochwasser schon immer gegeben und wird es immer geben. Vielleicht – oder sogar sehr wahrscheinlich – in Zukunft mehr und heftiger, als wir es aus der jüngeren Vergangenheit kennen. Doch das, was gemeinhin unter Klimaschutz läuft, ist in erster Linie CO2 Reduktion – und die wird das einzelne Hochwasserereignis jedenfalls nicht verhindern.

Was kann also konkret zum Schutz vor Hochwasser getan werden?

1. Nicht in Überflutungsgebieten siedeln und bauen

In vielen Orten wurde historisch an bestimmten Orten nicht gebaut – einfach, da sie schon immer hochwassergefährdet waren. Dass solche Lagen jetzt oftmals neu als Bauland erschlossen wurden und noch werden, ist unverständlich. Ebenso unverständlich ist, dass z.B. an der Ahr durch die Hochwasserkatastrophe 2021 zerstörte Häuser an gleicher Stelle wieder aufgebaut werden. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.

2. Überflutungsflächen schaffen, Renaturierung von Flächen, Flüssen, Bächen und Feuchtgebieten

Eine wirksame Maßnahme gegen Hochwasser ist die Schaffung von Überflutungsflächen. Diese Flächen dienen dazu, überschüssiges Wasser während Hochwasserereignissen aufzunehmen und zu speichern, wodurch die Belastung auf bebaute Gebiete reduziert wird. Durch die Wiederherstellung natürlicher Auen und die Einrichtung von Retentionsflächen kann das Wasser kontrolliert überströmen, was die Hochwasserspitzen abmildert und die Schäden minimiert.

Es ist wichtig, bestehende Flächenversiegelungen rückgängig zu machen und dafür zu sorgen, dass natürliche Überschwemmungsgebiete erhalten oder wiederhergestellt werden. Indem Flüsse und Bäche renaturiert werden und ihnen mehr Raum geben, kann sich das Wasser bei Hochwasser ausbreiten und der Druck auf die umliegenden Siedlungen wird vermindert.

Zudem spielen Feuchtgebiete und Moore eine zentrale Rolle im natürlichen Hochwasserschutz. Sie fungieren als natürliche Wasserspeicher, die große Mengen an Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben können. Dass gerade Moore hocheffiziente CO2 Speicher sind, ist ein begrüßenswerter Nebeneffekt.

3. Flächenversiegelung im bebauten Raum reduzieren

Ein bedeutender Faktor zur Minderung von Hochwasserrisiken ist die Reduzierung der Flächenversiegelung. Versiegelte Flächen wie Beton- und Asphaltflächen verhindern, dass Regenwasser in den Boden versickern kann, und erhöhen dadurch das Risiko von Sturzfluten und Hochwasser. Durch die Begrenzung der Versiegelung und die Förderung von durchlässigen Materialien in städtischen Gebieten kann die natürliche Wasseraufnahme verbessert werden.

Grünflächen, Parks und urbane Gärten sollten gefördert werden, um die Versickerung zu erhöhen und die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens zu verbessern. Darüber hinaus sollten bei Bauprojekten nachhaltige Entwässerungssysteme integriert werden, die Regenwasser sammeln und speichern, um die Belastung der Kanalisation zu verringern.

4. Landwirtschaft, Kulturraum

Die Landwirtschaft spielt eine entscheidende Rolle bei der Hochwasservorsorge. Durch die Anpassung landwirtschaftlicher Praktiken kann die Bodenerosion reduziert und die Wasserrückhaltung verbessert werden. Maßnahmen wie der Anbau von Zwischenfrüchten, die Nutzung von Bodendeckern und die Minimierung von Bodenbearbeitung tragen dazu bei, den Boden stabil zu halten und die Wasserinfiltration zu erhöhen.

Darüber hinaus sollten Terrassierungstechniken und der Aufbau von Hecken und Windschutzstreifen gefördert werden, um das Wasser auf den Feldern zu halten und den Abfluss zu verlangsamen. Durch die Wiederherstellung und den Schutz von Feuchtgebieten und Auenlandschaften kann zudem ein natürlicher Wasserspeicher geschaffen werden, der bei Hochwasserereignissen überschüssiges Wasser aufnehmen kann.

Die Integration solcher nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken hilft nicht nur, Hochwasserrisiken zu mindern, sondern trägt auch zur Erhaltung des Kulturlandschaftsbildes bei und unterstützt die Biodiversität.

6. Hochwasserschutz beginnt in den Bergen

Ein effektiver Hochwasserschutz beginnt bereits in den Bergregionen, da diese Gebiete eine Schlüsselrolle im Wasserkreislauf spielen. Skipisten und andere intensive Freizeitnutzungen können erhebliche Schäden an der natürlichen Vegetation und Bodenstruktur verursachen, was zu erhöhter Bodenerosion und schnelleren Wasserabflüssen führt. Durch den Schutz und die Wiederherstellung der alpinen Vegetation, sowie die Minimierung der Flächenversiegelung und -verdichtung, kann das Wasser besser im Boden zurückgehalten und die Abflussgeschwindigkeit verringert werden. Maßnahmen wie die Begrünung von Skipisten im Sommer, der Bau von Wasserauffangsystemen und die Schaffung von natürlichen Barrieren können dazu beitragen, die Wasserspeicherung in den Bergen zu verbessern und somit die Hochwassergefahr in tiefer gelegenen Gebieten zu reduzieren.

7. Wiederaufforstung und Bedeutung natürlicher Wälder

Natürliche Wälder spielen eine entscheidende Rolle im Hochwasserschutz. Durch die Wiederaufforstung und den Schutz bestehender Wälder kann die Wasserrückhaltefähigkeit des Bodens erheblich verbessert werden. Bäume und Pflanzen verlangsamen den Wasserabfluss, fördern die Infiltration und reduzieren die Bodenerosion. Wälder dienen als natürliche Schwämme, die große Mengen Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben können. Daher sollten Aufforstungsprojekte und der Erhalt von Waldgebieten gefördert werden, um die natürlichen Wasserregulierungssysteme zu stärken. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zum Hochwasserschutz bei, sondern fördern auch die Biodiversität und das Klima, indem sie Kohlenstoff speichern und Lebensräume für zahlreiche Arten bieten

8. Konkrete Schutzmaßnahmen

Die Errichtung und Verbesserung von Hochwasserschutzanlagen wie Deichen und Dämmen, die Nutzung von Rückhaltebecken und Poldern sowie effektive Regenwassermanagementsysteme wie Zisternen und Gründächer sind essenziell. Ebenso wichtig ist die Verbesserung der städtischen Kanalisation und Entwässerungssysteme, um die Aufnahme und Ableitung von Regenwasser zu optimieren. Diese konkreten Schutzmaßnahmen helfen, die Auswirkungen von Hochwasserereignissen zu mindern und die Sicherheit der betroffenen Gebiete zu erhöhen.

9. Verwaltung und Vorbeugung

Effektiver Hochwasserschutz erfordert auch eine umfassende Verwaltung und Vorbeugung. Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung über Hochwasserrisiken und Vorsorgemaßnahmen sind essenziell, um die Menschen auf mögliche Gefahren vorzubereiten und sie zu eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen. Die Entwicklung und Implementierung von Notfall- und Evakuierungsplänen stellt sicher, dass im Ernstfall schnelle und geordnete Reaktionen möglich sind. Die Einrichtung von Hochwasserfrühwarnsystemen und regelmäßige Übungen von Katastrophenschutzmaßnahmen tragen dazu bei, die Bevölkerung rechtzeitig zu informieren und die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu überprüfen. Schließlich ist eine enge Koordination und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ebenen der Verwaltung und Organisationen im Hochwasserschutz unerlässlich, um Ressourcen effizient zu nutzen und gemeinsam effektive Strategien zu entwickeln.

(dieser Beitrag wird fortlaufend ergänzt)

Bild: Midjourney AI

 

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