Gastbeitrag: Energiewende und Versorgungssicherheit

Gastbeitrag von Frank Rottweiler

Es sind verschiedene Punkte, die in der Debatte um die Laufzeitverlängerung und Versorgungssicherheit vermischt werden.

Das eine ist die politische Verantwortung für die Energieversorgung.

Wenn wir den Triggerpunkt an der Gasversorgung festmachen, dann ist die erste Entscheidung der Bau von Nordstream 1 gewesen. Der wurde unter Bundeskanzler Schröder SPD und Bündnis 90/ Die Grünen genehmigt.
Die Verbindungen von SPD Politikern zu russischen Energieunternehmen wurden danach intensiver.

Unter Merkel kam es zum Atomausstieg obwohl die wissenschaftliche Einschätzung keine zu Fukushima vergleichbaren Risiken feststellen konnte.

Die Entscheidung von Merkel war machtpolitisch motiviert.

Die CDU wollte sich für einen möglichen grünen Koalitionspartner attraktiv machen und die Landesverbände unterstützen, da auf Länderebene die Zustimmung für Bündnis 90/ Die Grünen gewachsen war, siehe den Wahlsieg in Baden-Württemberg. Da Bündnis 90/ Die Grünen in ihrer DNA mehr Anti-Atomkraftpartei wie Klimaschutzpartei sind, war der Atomausstieg aus Sicht von Merkel notwendig

Aus Sicht der Versorgungssicherheit hat der Ausbau und die Milliardengelder in die erneuerbaren Energiequellen nur ein kleinen Beitrag, je nach Berechnung 4-8% vom Primärenergiebedarf, geleistet.

Der Anteil am Strombedarf liegt deutlich höher und erreicht an manchen Tagen zu bestimmten Zeiten 100%.

Wo liegt das Problem?

Die Gründe liegen in der Volatilität der Energieerzeugung der EE und mangelnder Speichermöglichkeiten, die es im GW Bereich braucht.
Dies führt dazu, dass Backup-Strategien notwendig sind, da im Stromnetz minutengenau Verbrauch und Erzeugung synchronisieren werden muss.
Im Koalitionsvertrag der Ampel ist hier ein Ausbau von Gaskraftwerken vorgesehen, zur Erinnerung Gaskraftwerke gehören zur fossilen Verbrennung. Dies hätte die Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen weiter erhöht.

Wie wirkt sich ein weiterer Ausbau der EE auf die Versorgungssicherheit aus?

Um das besser zu verstehen, muss auf die Ebenen der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs geschaut werden.

Hier zeigt sich, dass die erneuerbaren Energien regional sehr unterschiedlich ausgebaut sind. Bei den WKA Anlagen hängt die Rentabilität sehr stark von der Windgeschwindigkeit ab, die geht mit einer dreier Potenz in die Leistungserzeugung ein. Das bedeutet, eine Verdoppelung der Windgeschwindigkeit führt zu 8 mal höheren Leistungen. Deshalb stehen viele WKA in den neuen Bundesländern, an der Küste und im Meer. Bei den PV Anlagen ist es anders, es sind mehr im Süden Deutschlands verbaut, der Grund ist die höhere Anzahl an Sonnenstunden übers Jahr.

Auf Grund der höheren Industrialisierung wird mehr Strom und Energie im Süden von Deutschland benötigt.

Um den Strom zu „transportieren“ wird ein Stromnetz mit entsprechenden Leistungsparametern nötig. Das deutsche Leitungsnetz ist historisch darauf ausgelegt, dass der Strom dort erzeugt wird, wo er benötigt wird. Das macht aus technischer Sicht auch Sinn, da die Durchleitung von Strom über längere Strecken zu signifikanten Verlusten führt.

Um die hohe Stromerzeugung in bestimmten Gebieten Nutzen zu können, braucht es einen Ausbau und massive Investitionen in das Leitungsnetz. Dies nicht nur bei den Hauptsträngen von Nord nach Süd oder Ost nach Süd, sondern auch in den lokalen Netzteilen.

Durch die stark dezentrale Energieerzeugung der erneuerbaren, besteht in vielen Netzteilen ein Ausbaubedarf bei den 110 kV und 380 kV Leitungen.
Dieser Ausbau ist sehr schleppend, für die von Nord nach Süd verlaufende Leitung „Südlink“, geplant seit 2010, ist noch kein Stück der Leitung gebaut.
Wenn der Bau von Hochspannungsleitungen und Stromtrassen geplant wird, sind Bürgerinitiativen oft nicht weit, unterstützt von Parteien jeglicher Ausrichtung, häufig allerdings von Bündnis 90/ Die Grünen unterstützt, weil Eingriffe in die Natur, zumindest temporär, nicht vermeidbar sind und diese nicht gewollt werden.

Bereits heute ist es so, dass je nach erzeugter Leistung, Strom von Photovoltaik- oder Windkraftanlagen nicht verwendet wird, weil es das Netz nicht aufnehmen kann oder kein Bedarf vorhanden ist, es kommt zum Lastabwurf.

Zur Erinnerung: Stromverbrauch und Stromerzeugung müssen synchron sein, minutengenau.

Die Weiterleitung von Strom ins Ausland ist ebenfalls durch das Leitungsnetz begrenzt. Hier gab es in der Vergangenheit an Netzknotenpunkten auch schon Probleme.

Aus Sicht der Versorgungssicherheit macht es aus heutiger Sicht keinen Sinn, die EE massiv weiter auszubauen, zuerst braucht es Leitungen und zur Reduzierung der Volatilität und dem Management von Kalt-Dunkelflauten Speicher oder CO2 arme Backup Lösungen.

Vorgeschlagene alternative Lösungen von Robert Habeck zur Energiesicherheit auf Fernwärmelösungen zu setzen, sind hier klar kontraproduktiv, weil Fernwärme eine komplette andere Infrastruktur benötigt.

Die Investitionen und Anstrengungen müssen sich auf das Stromnetz fokussieren.

Ein weiterer Ausbau der EE ist dazu noch eine sehr teure Lösung, weil durch das EEG die erneuerbaren Energieerzeuger auch für Strom bezahlt wird, welcher bei dieser Infrastruktur nicht verwendet werden kann.

Können die bestehenden Atomkraftwerke einen Beitrag zur Reduzierung von russischem Gas, zur Energiewende und zum #Klimaschutz leisten?

Die politischen Fronten sind klar.

Es wird nun versucht technische Gründe anzuführen, warum eine Laufzeitverlängerung keinen Sinn macht.

Laut Vorschriften sind die Anlagen bis 31.12.2022 sicher, ab 2023 müssen Prüfungen erfolgen, die während dem Betrieb durchgeführt werden können. TÜV und andere Experten haben bestätigt, dass dies möglich sei.

Kein Personal

Das Personal für ISAR 2 ist laut Betreiberangaben verfügbar. Der Grund liegt darin, daß dieses Personal auch für den Rückbau der Anlage benötigt wird.
Es ist davon auszugehen, dass dies bei den anderen Kernkraftwerken ähnlich ist.

Keine Brennelemente

Brennelemente können innerhalb von 15 Monaten beschafft werden, bei entsprechender Priorisierung auch schnelle.
Bei rechtzeitiger Bestellung können die #AKW im Herbst 2023 einsatzfähig sein.

Bis zu 31.12.22 laufen Sie mit 100% danach im Streckbetrieb mit ca. 70% Leistung.

Brennelementehersteller haben im März 2022 dem Wirtschaftsministerium und dem Bundesumweltministerium bei schneller Bestellung, Brennstäbe bis zum Jahresende zuliefern.

Dies wurde von beiden Ministerien abgelehnt.

Endlagerung

Die Endlagerfrage ist ungeklärt, diese ist weniger eine technische oder geologische Frage, es gibt in 1-2 km Tiefe Gesteinsschichten, die sich auch bei einer Million Jahre nicht verändern und geeignet wären, sondern eine politische.

Hinzu kommt, dass weltweit an Technologien geforscht wird (z.B. Dual Use Reaktoren) die es ermöglichen können, heutige „verbrannte“ Brennstäbe erneut zu verwenden. Nach dieser Verwendung sinkt die Halbwertszeit auf 100 Jahre, was das Endlagerproblem signifikant verändern wurden.

Wie verändert sich das heutige Endlagerproblem mit dem weiteren Betrieb der 6 in Deutschland noch vorhandenen Kernkraftwerke?
Wenn die 6 in Deutschland vorhandenen #Kernkraftwerke noch 15 Jahre betrieben werden, erhöht sich die Menge des zur Endlagerung notwendigen Materials um ca. 13%.

Das hat also keinen grundsätzlichen Einfluss auf den Prozess der Endlagerfindung und vergrößert das Problem nicht wesentlich.

Relevanz der Stromerzeugung durch die Kernkraftwerke.

Die 3 vorhandenen #Kernkraftwerke produzieren 5% des deutschen Strombedarfs, allerdings 24/7 und gut angebunden / vernetzt.

Mit den 3 #Kernkraftwerken die 2021 abgeschaltet wurden, ist die Stromerzeugung bei 12-13%. Das heute Gas und Kohle zur Verstromung verwendet werden und damit Feinstaub, CO2 und andere Verbrennungsrückstände in Millionen Tonnen pro Jahr produziert werden ist unverantwortlich.

Jeder m³ Gas und Kohle, der nicht verbrannt werden muss hilft.

Das „Risikobarometer“ schlägt klar, zu Gunsten der #Laufzeitverlängerung und der Reaktivierung der drei Kraftwerke die 2021 abgeschaltet wurden, aus.
Da eine sichere Energieversorgung für das funktionieren einer Gesellschaft notwendig ist, spielen neben der Versorgungssicherheit auch die Kosten eine Rolle.

Über 90% der Kosten bei Kernkraftwerken entfallen auf Planung und Bau der Kernkraftwerke. Ein weiterer Pluspunkt.

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