Hashtag: PoMo oder PoMo Bubble

Der Hashtag #PoMo steht für POstModern, bzw. POstMOdernisten, der Hashtag #PoMoBubble bezeichnet  deren Filterblase.

Für PoMos ergibt sich die Wahrheit grundsätzlich aus Machtstrukturen bzw. auf der anderen Seite aus soziologischen Definition, so sind Identität und Geschlecht für PoMos einfach nur soziale Konstrukte.

PoMos lehnen im Regelfall die Mehrheitsgesellschaft ab.

Märchen: Rumpelstilzchen (1837)

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam, und zu ihm sagte „ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“ Dem König, der das Gold lieb hatte, gefiel die Kunst gar wohl, und er befahl die Müllerstochter sollte alsbald vor ihn gebracht werden. Dann führte er sie in eine Kammer, die ganz voll Stroh war, gab ihr Rad und Haspel, und sprach „wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.“ Darauf ward die Kammer verschlossen, und sie blieb allein darin.
Da saß nun die arme Müllerstochter, und wußte um ihr Leben keinen Rath, denn sie verstand gar nichts davon, wie das Stroh zu Gold zu spinnen war, und ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfieng. Da gieng auf einmal die Thüre auf, und trat ein kleines Männchen herein und sprach „guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint sie so sehr?“ „Ach,“ antwortete das Mädchen, „ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht.“ Sprach das Männchen „was [334] giebst du mir, wenn ich dirs spinne?“ „Mein Halsband“ sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dan steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so giengs fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold. Als der König kam und nachsah, da erstaunte er und freute sich, aber sein Herz wurde nur noch begieriger, und er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre. Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen und weinte, da gieng abermals die Thüre auf, und das kleine Männchen kam und sprach „was giebst du mir wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?“ „Meinen Ring von dem Finger“ antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm den Ring, und fieng wieder an zu schnurren mit dem Rade, und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen. Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach „die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen; wenn dir das gelingt, sollst du meine Gemahlin werden.“ „Denn,“ dachte er, „eine reichere Frau kannst du auf der Welt nicht haben.“ Als das Mädchen allein war, kam das Männlein zum drittenmal wieder, und sprach „was giebst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?“ „Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte“ antwortete das Mädchen. „So versprich mir, wann du Königin wirst, dein erstes Kind.“ „Wer weiß wie das noch geht“ dachte die Müllerstochter, und wußte sich auch in der Noth nicht anders zu helfen, und versprach dem Männchen was es verlangte; dafür spann das Männchen noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam, und alles fand wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.

Ueber ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zu Welt, und dachte gar nicht mehr an das Männchen, da trat es in ihre Kammer und sprach „nun gib mir, was du versprochen hast.“ Die Königin erschrack, und bot dem Männchen alle Reichthümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte, aber das Männchen sprach „nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“ Da fieng die Königin so an zu jammern und zu weinen, daß das Männchen Mitleiden mit ihr hatte, und sprach „drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.“
Nun dachte die Königin die ganze Nacht über an alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit nach neuen Namen. Als am andern Tag das Männchen kam, fieng sie an mit Caspar, Melchior, Balzer, und sagte alle Namen, die sie wußte, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Männlein „so heiß ich nicht.“ Den zweiten Tag ließ sie herumfragen bei allen Leuten, und sagte dem Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten vor, Rippenbiest, Hammelswade, Schnürbein, aber es blieb dabei „so heiß ich nicht.“ Den dritten Tag kam der Bote wieder zurück und erzählte „neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein, und schrie

„heute back ich, morgen brau ich
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist daß niemand weiß
daß ich Rumpelstilzchen heiß!“

Da war die Königin ganz froh daß sie den Namen wußte, und als bald hernach das Männlein kam, und sprach „nun, Frau Königin, wie heiß ich?“ fragte sie erst „heißest du Cunz?“ „Nein.“ „Heißest du Heinz?“ „Nein.“

„Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“

„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt“ schrie das Männlein, und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wuth den linken Fuß mit beiden Händen, und riß sich selbst mitten entzwei.

Rumpelstilzchen (2019 Berlin-Style Kryptowährung Version)

Es war einmal ein Barrista, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit einem Investor zu sprechen kam, und zu ihm sagte „ich habe eine Tochter, die kann in einem Prozess alle Kryptowährungen minen.“ Dem Investor, der Bitcoins, Libra und Ethereum lieb hatte, gefiel die Kunst gar wohl, und er bat, die schöne Barristatochter sollte vor ihn gebracht werden. Da führte er sie in einen Raum, in dem ein Computer mit Core i9 Prozessor stand und sprach „wenn du nicht diese Nacht durch bis morgen früh fleißig minst, so kündige ich Dein Datenvolumen.“ Darauf ward der Raum verschlossen, und sie blieb allein darin.

Da saß nun die arme Barristatocher, und wußte um ihr Leben keinen Rath, denn sie verstand gar nichts davon, wie Kryptowährungen zu minen waren, und ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfieng. Da gieng auf einmal die Thüre auf, und trat ein kleiner Nerd herein, und sprach „guten Abend, Mädchen, warum weint sie so sehr?“ „Ach,“ antwortete das Mädchen, „ich soll Kryptowährungen minen, und verstehe das nicht.“ Sprach der Nerd „was giebst du mir, wenn ich dirs mine?“ „Meine Apple Watch“ sagte das Mädchen. Das Männchen nahm die Uhr, setzte sich vor den Rechner, und sofort waren Kryptowährungen berechnet. Als der Investor kam und nachsah, da erstaunte er, und freute sich, aber sein Herz wurde nur noch gieriger. Er ließ die Barristatochter in einen anderen Raum bringen, wo er vorsorglich eine kleine Serverfarm installiert hatte und befahl ihr, auch in dieser Nacht zu minen, wenn ihr ihr Datenvolumen lieb wäre. Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen, und weinte, da gieng abermals die Thüre auf, und der kleine Nerd kam, und sprach „was giebst du mir wenn ich wieder mine?“ „Mein Smartphone“ antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm das Smartphone, und fieng wieder an zu minen. Der Investor freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht der Kryptowährungen satt, sondern ließ die Barristatocher zu einer riesigen Serverfarm bringen und sprach „die mußt du noch in dieser Nacht voll ausnutzen; wenn dir das gelingt, sollst du meine Gemahlin werden.“ „Denn,“ dachte er, „eine reichere Frau kannst du auf der Welt nicht haben.“ Als das Mädchen allein war, kam der Nerd zum drittenmal wieder, und sprach „was giebst du mir, wenn ich dir noch diesmal mine?“ „Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte“ antwortete das Mädchen (und verriet nicht, dass sie zur Sicherheit noch ein Google Pixel 3a als Ersatzgerät hatte). „So versprich mir, dass Dein Kind später für mich Linux Code debuggt.“ „Wer weiß wie das noch geht“ dachte das Mädchen, und wußte sich auch in der Noth nicht anders zu helfen, und versprach dem Männchen was es verlangte; dafür minte der Nerd noch einmal. Und als am Morgen der Investor kam, und alles fand wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Barristatochter ward eine Investorengemahlin und Instagram-Star.

Ueber ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zu Welt, und dachte gar nicht mehr an den Hipster-Nerd, da trat er in ihre Kammer und sprach „nun gib mir was du versprochen hast, ich erziehe es am besten von Anfang an, mit dem Programmieren-Lernen kann man nicht früh genug anfangen“ Die Instagram-Königin erschrack, und bot dem Hipster alle Reichthümer ihres Mannes an, wenn es ihr das Kind lassen wollte, aber das Männchen sprach „nein, Hilfe beim Debuggen ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“ Da fieng sie so an zu jammern und zu weinen, daß der Nerd Mitleiden mit ihr hatte, und sprach „drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.“

Nun dachte das It-Girl die ganze Nacht über an alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und durchsuchte ganz Google und das Darknet. Als am andern Tag der Nerd kam, fieng sie an mit Steve, Kevin, Louis, und sagte alle Namen, die sie wußte, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach der Nerd „so heiß ich nicht.“ Den zweiten Tag schrieb sie alle Freundinnen an, und sagte dem Nerd die ungewöhnlichsten und seltsamsten vor, Drogo, Euron, Viserys, aber es blieb dabei „so heiß ich nicht.“ Den traf sie einen Bekannten, der ezählte “neue Namen habe ich keine einzigen finden können, aber wie ich vor dem Berghain stand, so sah ich da einen Wohnwagen, dort brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen mit Hipsterbart, hüpfte auf einem Bein, und schrie

„heute back ich glutenfreies veganes Dinkelbrot, morgen brau ich Craftbeer,
übermorgen hol ich der Investorin ihr Kind;
ach, wie gut ist daß niemand weiß
daß ich Rumpelstilzchen heiß!“

Da war sie ganz froh daß sie den Namen wußte, und als bald hernach der Nerd kam, und sprach „nun, Frau Investorin, wie heiß ich?“ fragte sie erst „heißest du Pinky?“ „Nein.“ „Heißest du Brain?“ „Nein.“

„Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“

„Das hat dir eine KI gesagt, das hat dir eine KI gesagt“ schrie das Männlein, und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde daß es sich den Knöchel verstaucht und humpelte in seiner Wut nach Bulgarien, wo es fortan den Code der Kontrollrechner der dortigen Kernkraftwerke debuggte.

Meinung: Hört auf mit den hysterischen Reaktionen auf die #ltwbb19 und #ltwsn19 – dargelegt am Beispiel Miriam Vollmer

Wer auf twitter unterwegs ist und sich nicht in eine für ihn genehme Wohlfühlfilterblase zurückzieht, sollte ein dickes Fell haben. Und da ich eine breit aufgestellte Timeline habe – was ich jedem nur empfehlen kann – bin ich permanent mit  tweets sowohl aus dem linken wie auch dem rechten Lager konfrontiert, die ich inhaltlich nicht teile und die in mir oft den Impuls zum Widerspruch wecken. Im Laufe der Zeit habe ich mir so ein dickes Fell zugelegt und respektiere, akzeptiere oder ignoriere Meinungsäußerungen, die meinen Vorstellungen widersprechen. Nicht nur, dass ich noch nie jemanden geblockt habe, ich habe auch erst sehr selten – drei vier mal – tweets gemeldet; diese übrigens allesamt im Zusammenhang mit sehr explizitem Antisemitismus und Rassismus.

So habe ich den oben abgebildeten tweet von Miriam Vollmer zunächst auch mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis genommen. Zum Anlass und Thema dieses Beitrags wurde er dann aus zwei Gründen:

Die Hysterisierung der Diskussion

Zunächst, da ich mit erstaunen feststellen musste, dass solche Aussagen kein Einzelfall sind:

Ich selbst sehe die AfD sehr kritisch, insbesondere den völkischen Flügel rund um Höcke halte ich für sehr problematisch und indiskutabel. Und bevor mir etwas unterstellt wird: Wie man hier im Blog schon seit Jahren nachlesen kann, lehne ich rechtsradikales Gedankengut konsequent ab.

Doch für ebenso problematisch halte ich die Dämonisierung der AfD, wie sie durch solche tweets vorangetrieben wird, die m.E. eben keine Nazi-Partei ist. Zudem ist diese Art der Kritik äußerst kontraproduktiv, da sie nicht nur das Gesprächsklima vergiftet, sondern auch der AfD in die Hand spielt – mein alter Artikel über AfD Bashing zur Bundestagswahl 2017 ist auch nach diesen beiden Wahlen leider immer noch aktuell.

Jedenfalls sind selbst aus dem Höcke Flügel der AfD keine ernstzunehmenden öffentlichen Forderungen bekannt, politische Gegner oder Ausländer aufzuknüpfen oder zu vergasen. So vielschichtig die Gründe sind, warum die AfD im Osten so stark ist, so klar ist auch, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz – um nicht zu sagen Bodensatz – deren Wähler wirklich nationalsozialistischem Gedankengut nahe steht.

Eine Aussage wie “Jeder dritte Ostdeutschen will uns hängen sehen.” ist jedenfalls auf Ebenen falsch und provokativ und trägt zu einer Radikalisierung der Diskussion und der Spaltung der Gesellschaft bei, erfüllt möglicherweise durch die Gleichsetzung Ostdeutscher mit Nazis und anderen Verbrechern sogar den Straftatbestand der Volksverhetzung.

Und so ist es erschreckend, dass dies nicht nur eine Einzelmeinung ist, sondern in Abwandlungen häufiger so formuliert wird und viel Zustimmung findet.

Die Angriffe auf Vollmer – und die unkritische Solidarität

Ebenso bedenklich finde ich zunächst auf der anderen Seite allerdings auch die oft rassistischen und persönlichen Angriffe auf Vollmer, die teilweise ihre Vorurteile sogar zu bestätigen scheinen. Dass es einen brauen Bodensatz unter den AfD Wählern gibt, habe ich ja schon festgestellt, und von einzelnen auf Alle zu schließen, ist sicherlich unzulässig.  Zudem könnte man auch überspitzt sagen, dass es so aus dem Wald schallt, wie man hinein ruft und dass man nicht in die Küche gehen sollte, wenn einem der Herd zu heiß ist…

Jedenfalls wehrt sich die Angegriffene mit Meldungen und erhält auf twitter hierbei auch viel Unterstützung, auch durch Aufrufe, ihr zu folgen.

Hier sind wir beim zweiten Punkt für den Anlass meiner Kritik ankommen: Diese Unterstützung ist unkritisch und einseitig, da sie eben verkennt, dass es Vollmer selber war, die mit unsachlichen und pauschal beleidigenden Aussagen zu dieser zu hitzigen Diskussion beigetragen hat.

Ein Plädoyer für mehr Sachlichkeit

So oder so wünsche ich mir im Zusammenhang mit den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg 2019 eine sachliche Diskussion, wieso so viele Wähler ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben, von die bislang nicht durch Lösungen aufgefallen ist, sondern lediglich als Protestpartei den Finger in die Wunden gelegt hat, die die anderen Parteien gerissen haben.

Und solange diese Wunden nicht geheilt werden, werden wir auch mit einer AfD leben müssen.

Eine solche unsachliche Diskussion und pauschale Wählerbeschimpfung schafft aber nur neue Wunden.