Die Rolandssage

Eine junge Gräfin, ein edler Held,
Sie schwuren sich Lieb und Treu;
Er kam aus der Schlacht, er zog zu Feld,
Die Liebe war immer neu.

In Spanien stritt die fränkische Kraft,
O Roncesval, blutiges Thal!
Da fiel die Blüte der Ritterschaft,
Da fiel Held Roland zumal.

„Nun Ade dir, Welt! dein süßer Gewinn
Betrüglich ist er fürwahr:
Maria, himmlische Königin,
Dir weih ich mein goldenes Haar.“

Das Kloster beschaut sich mitten im Rhein;
Noch hallen die Glocken im Thal.
Da schallt ein Huf, wer mag es sein?
Der Todte von Roncesval?

Nein Roland selbst, er leibt und lebt:
Ja wärest du, wärest du todt!
Denn wisse, daß sie das Kloster begräbt,
Die dir zu leben gebot.

„Und begräbt das Kloster Schön Hildegund,
So setz ich mich hier auf den Stein
Und schaue zeitlebens zum Tode wund
Hinab auf das Kloster im Rhein.“

Im Kloster betete Hildegund;
Held Roland saß auf dem Stein
Und schaute zeitlebens, zum Tode wund,
Hinab auf das Kloster im Rhein.

Gedicht: Karl Simrock, 1837

Gemälde: Andreas Achenbach, 1834 (gemeinfrei)

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