Was kommt noch neues bei Smartphones?

Sind Smartphones durch?

Schaut man sich die Smartphone Neuerscheinungen der letzten Monate an, mag man durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Thema durch ist. Durch in dem Sinne, dass bei den neuen Modellen nichts revolutionär neues kommt. Symptomatisch dafür das neue Galaxy S8 von Samsung, das eher mit kleinen Weiterentwicklungen und Verbesserungen punktet, als sich

Symptomatisch dafür ist auch, dass den Neuvorstellungen nicht mehr entgegengefiebert wird. Allenfalls das Apple iPhone 8 könnte noch für Begeisterungsstürme gut sein, da es eine für Apple ganz neue Designsprache und Features einführen könnte.

Aber auch hier wird sich am grundlegenden Konzept nichts ändern.

Natürlich gibt es immer schon Smartphones abseits des Mainstream, doch vereinheitlichen sich die Designs immer mehr. Echte Tastaturen, Clamshells oder ganz andere Bauformen werden immer weniger. Und auch neue Ansätze wie das ansatzweise modulare LG G5 wurden vom Markt anscheinend nicht angenommen – der Nachfolger muss wieder ohne die Ergänzungsmodule auskommen.

Wohin geht die Reise?

Ich bin mir sicher, dass wir schon in den Anfängen der “Post-Smartphone Ära” stecken, doch so wie auch der PC nicht gestorben ist, wird auch das Smartphone nicht verschwinden.

Was werden wir aber in Zukunft noch an Entwicklungen sehen? Hier meine Prognosen.

Mehr Displayfläche – und die Folgen fürs Entsperren

Xiaomi hat es mit dem Mi Mix vorgemacht: Die Displayfläche wird immer größer, die Ränder an der Vorderseite werden immer kleiner. Gut, die Idee hatte Nokia schon 2014, doch setzt sich dieser Trend jetzt mehr und mehr durch. Apple wird ihm wahrscheinlich mit dem iPhone 8 folgen.

Größere Displays haben natürlich weitere Folgen: Hardwaretasten auf der Vorderseite verschwinden, Softkeys setzen sich durch. Und die Fingerabdrucksensonsern wandern auf die Rückseite (Samsung, LG), Seite (Sony, Honor) oder setzen auf neue Techniken der Erkennung des Abdrucks (Xiaomi).

Auch alternative Methoden zum Entsperren werden wir mehr und mehr sehen: Gesichtserkennung, Iris-Scanner, Handflächen oder auch die Erkennung von Bewegungen bzw. Bewegungsmustern.

Mehr Laufzeit – Akku und Co

Das ist wohl das größte Problem für die meisten Smartphone-Nutzer: dass man mit dem Akku nicht durch den Tag kommt. In den letzten Jahren hat sich hier auch nicht viel getan, da größere Akkukapazitäten meist durch immer größere hochauflösende Displays und leistungsstärkere Prozessoren aufgefressen wurden. Zudem hat das Samsung Note Debakel gezeigt, dass der Wunsch nach mehr Akku-Kapazität einerseits und immer dünneren und leichteren Geräten andererseits eine durchaus explosive Mischung sein kann.

Ganz klar ist aber: an dieser Baustelle muss und wird sich etwas tun.

Akkus werden leistungsstärker werden, die Smartphones im Gegenzug vielleicht sogar wieder ein wenig dicker. Sparsamere Komponenten sorgen dann im Zusammenspiel für endlich längere Laufzeiten.

Skeptisch bin ich leider, ob sich hier in näherer Zukunft echte Innovationen durchsetzen werden. Ansätze gäbe es viele, die auch schon seit Jahren immer wieder durch die Presse geistern: Brennstoffzellen oder auch Displays, die mit durchsichtigen Solarzellen ausgestattet sind. Denkbar wären auch Elemente, die Bewegungen des Smartphones in Strom umwandeln. Bis wir diese im Einsatz sehen, wird aber noch etwas Zeit vergehen.

Egal wie, längere Laufzeiten wünschen sich alle Smartphone User. Und dieser Wunsch wird umgesetzt werden.

Kamera

Die Kamera ist für viele inzwischen schon fast das wichtigste Feature bei einem Smartphone. Und für die meisten Anwenden dürften die Kameras inzwischen gut genug sein.

Allerdings gibt es noch Luft nach oben, gerade was LowLight und Zoom angeht. Mit der herkömmlichen Linsen- und Sensortechnik dürfte diesbezüglich aber nicht mehr viel mehr zu machen sein.

Schon heute sehen wir daher viele Smartphones, die mit zwei Kameras ausgestattet sind, die auf verschiedene Szenarien spezialisiert sind bzw. ihre Ergebnisse zusammenfassen.

Doch da geht noch mehr: Oppo hat einen Smartphoneprototypen gezeigt, bei dem die Kamera vertikal im Gehäuse sitzt; über Spiegel kann das Licht durch mehr Linsen gelenkt werden, als dies bei der herkömmlichen Anordnung der Fall ist. Und auch Apple hält ein entsprechendes Patent. Mit dieser Technik dürfte ein wesentlich besserer Zoom möglich werden.

In den Laboren gibt es dann noch Konzepte für ganz neue Kameratechniken, z.B. solche, die den Facettenaugen von Insekten nachempfunden sind. Bis wir diese in Smartphones sehen, wird es aber noch etwas dauern.

Verbesserungen im Kleinen wären aber auch noch bei der Bedienung möglich: wer einmal die Kamerataste bei Windows Smartphones genutzt hat, möchte diese nicht mehr missen – es wäre schön, wenn diese Schule machen würde.

So oder so: Besser werden die Kameras auf jeden Fall werden. Aber auch hier sehe ich auf kurze Sicht mehr Evolution als Revolution.

Schneller

Klar, Highendsmartphones werden auch in Zukunft schneller werden. Aber seien wir ehrlich: für gefühlte 80% der Anwendungen und 95% der Anwender sind schon ein Snapdragon 810 oder ein Apple A9 Prozessor schnell genug. Vom Snapdragon 835 ganz zu schweigen.

Updates

Für Apple Anwender kein Problem, im Android Lager für viele ein Ärgernis: auch Flaggschiffe mancher Hersteller erhalten schon nach kurzer Zeit keine Betriebssystem-Updates mehr.

Ich bin mir sicher, dass Google hier in Zukunft noch mehr Druck machen wird und der Ärger über fehlende Updates bald auch beim weltweit meist genutzten Betriebssystem der Vergangenheit angehören wird.

Mehr Sensoren

Schon jetzt stecken viele Sensoren in einem Smartphone: Barometer, Beschleunigungssensor, Digitaler Kompass (Magnetometer), Fingerabdrucksensor, Gyroskop, Näherungssensor, IrPulsmesser und Umgebungslichtsensor sind es z.B. beim Samsung Galaxy S8.

Auch hier werden wir in zukünftigen Geräten mehr sehen. Thermometer, Hydrometer z.B. Und besondere Chancen sehe ich im medizinischen Bereich – so gibt es z.B. schon Sensoren, die den Atem analysieren und bei bedenklichen Werten Alarm schlagen könnten. Oder das Smartphone bekommt einen UV Sensor und warnt Sie, wenn Sie zu lange in der Sonne liegen.

Hier bin ich mir sicher: bei den Sensoren ist noch lange nicht Schluss.

Assistenten

Klar, sprachgesteuerte Assistenten sind schon auf Smartphones – Google, Siri, Cortana – doch werden die Hersteller versuchen, hier auch eigene Lösungen zu etablieren. Bixby von Samsung lässt grüßen. Dass hier jeder ein eigenes Süppchen kocht, halte ich aber für einen Irrweg. Schon Siri ist nicht viel mehr als ein Spielzeug, Cortana verliert gerade den Anschluss, Bixby ist hierzulande zum Start des S8 nicht einmal verfügbar. Wirklich brauchbar sind auf Smartphones derzeit nur Googles Dienste, wobei Amazon mit Alexa einiges an Potential hat…

Ich kann den Wunsch der Hardware Hersteller verstehen, sich über eigene digitale Assistenten zu profilieren, doch funktionieren diese nur gut, wenn man entsprechendes Know-How und eine große Nutzerbasis hat. Ideal wäre, Amazon, Google oder Microsoft würden ein “KI Kit” zur Verfügung stellen, das auf eine gemeinsame Intelligenz setzt, bei dem es aber Möglichkeiten gibt, dem Assistenten eine eigene Persönlichkeit zu geben.

Das Smartphone als PC

Microsoft hat es mit Continuum vorgemacht, beim Galaxy S8 zieht Samsung mit “Dex” nach – das Smartphone kann mit Monitor, Tastatur und Maus verbunden werden und verhält sich dann wie ein PC. Für Textverarbeitung und Co. ist es dann als PC Ersatz völlig ausreichend.

Zentrale für andere Gadgets – und das Ende des Smartphones, wie wir es kennen

Letztlich wird das Smartphone aber mehr und mehr zum Gehirn und Hub für andere Gadgets werden: smarte Fitnessbänder, Smartwatches, externe Kameras, Kopfhörer… Apples airPods sind ein Schritt in diese Richtung.

Aber genau diese Entwicklung wird uns endgültig in eine Post-Smartphone Zeit führen, in der wir dann in einer nicht zu fernen Zukunft ganz neue Gerätetypen sehen.

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