Was ich als Scholz & Friends zu #KeinGeldfuerRechts geschrieben hätte

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Inzwischen hat Scholz & Friends reagiert. Eine schnelle Einschätzung dazu von mir findet sich auf Facebook, wird aber auch hier im Blog folgen. Kurz gesagt: Stefan Wegners Stellungnahme wird die Diskussion wohl kaum befrieden.

#KeinGeldfürRechts und die Stellungnahme von Scholz & Friends

Die meisten werden es mitbekommen haben: Gerald Hensel, Werber bei Scholz & Friends, hat auf seinem Blog eine Initiative unter dem Hashtag #KeinGeldfuerRechts gestartet, mit dem er rechten Medien den Geldhahn zudrehen will. Agenturen sollten bei rechten Seiten keine Werbung schalten und diese auf die Blacklists setzen, was Retargeting und andere automatisierte Einblendungen angehe. So weit so gut – oder auch nicht. Ich persönlich halte diese Kampagne für falsch, insbesondere weil Hensel bei der Auswahl der zu boykottierenden Seiten deutlich übers Ziel hinausgeschossen ist. Nicht alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, ist böse. Genau so fände ich übrigens eine #KeinGeldfuerLinks Aktion falsch, ausführlicher hier.

Jedenfalls hat auf der FaceBookseite seines Arbeitgebers eine regelrechte Bewertungsschlacht begonnen. Kritiker des Aufrufs bewerten die Agentur mit einem Stern, Befürworter kontern mit der vollen Punktzahl. Auch darüber mag man trefflich streiten; Hensel und Scholz&Friends sind an dieser Entwicklung aber nicht ganz unschuldig, hatte sich doch Hensel auf die Rückendeckung seines Arbeitgebers berufen und andererseits die Agentur am 8. Dezember folgendes auf ihrer Facebookseite veröffentlicht:

Liebe Facebook-Community,

ganz schön was los bei uns in den letzten Stunden. Wir möchten zunächst mal kurz darauf hinweisen, dass die Aktion #keingeldfürrechts die private Initiative unseres Mitarbeiters Gerald Hensel ist. Also seid Ihr hier an der falschen Adresse. Und wer glaubt, dass er indirekt bei uns Druck aufbauen kann, damit wir diesen dann an einen Friend weitergeben, kennt unsere Agentur nicht. Zu #keingeldfürrechts kann man unterschiedliche Meinungen haben. Aber wir überlassen das jeder Privatperson und auch jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter bei uns, sich diese selbst zu bilden.

Was wir grundsätzlich toll finden: Friends, die sich engagieren und die Meinung und Haltung mitbringen. Und gerne darüber streiten. Dann sind sie richtig bei Scholz & Friends. Das gilt für Gerald und zum Glück auch für ganz viele andere Friends.

Euer Team von Scholz & Friends

Den Link zum Original-Post habe ich hier, einen Screenshot gibt es unten. Ich halte dieses Posting für ungeschickt und bin mir sicher, dass es wesentlich dazu beigetragen hat, den Kampf um die Bewertungshoheit zu verschärfen.

Was hätte man anders schreiben können?

Kritisieren ist gut, besser oder zumindest anders machen aber etwas ganz – öhm – anderes. Was hätte ich also geschrieben.

Liebe Facebook-Community,

es ist hier ja ganz schön was los in den letzten Stunden.

Wir möchten zunächst mal kurz darauf hinweisen, dass die Aktion #keingeldfürrechts die private Initiative unseres Mitarbeiters Gerald Hensel ist.

Wir als Agentur treten für eine breite, bunte und vielfältige Medienlandschaft ein. Verschiedene Meinungen und eine lebendige Diskussionskultur machen eine Demokratie aus, ja ohne diese wäre sie wohl gar nicht möglich.

Daher finden wir #keingeldfürrechts nicht gut. Eine Aktion #keingeldfürlinks fänden wir übrigens genauso schlecht.

Wichtig ist aber auch, dass jeder Mensch offen an der politischen Diskussion teilnehmen kann, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen, besonders auch nicht von seinem Arbeitgeber.

Wer daher glaubt, dass er indirekt bei uns Druck aufbauen kann, damit wir diesen dann an einen Kollegen weitergeben, ist hier an der falschen Adresse – denn Meinungsfreiheit ist für uns kein hohles Wort.

Euer Team von Scholz & Friends

Ich bin kein Werber oder Texter, insoweit ist dieser Text nicht perfekt, aber ich glaube, es wird deutlich was ich damit sagen will: so eine Aktion, die andere Medien mundtot machen will, ist nicht akzeptabel. Aber wegen eines einmaligen Ausrutschers direkt einen Mitarbeiter zu entlassen, ist auch überzogen.

Ein #henselgate für Scholz & Friends?

Fragen wirft der weitere Umgang von S&F mit Hensels Aktion auf, die sich für die Agentur zusehends zum #henselgate entwickelt.

Die Einsternebewertungen nehmen zu, die positiven stagnieren. Es gibt Beschimpfungen deutlich unterhalb der Gürtellinie und Kunden von S&F werden aufgefordert, die Verträge mit der Agentur zu kündigen, ansonsten werde man die Unternehmen boykottieren.

Nicht schön. Und die Reaktion von Scholz & Friends dazu? Schweigen.

So gibt es seit dem zitierten Facebook Post keine weitere öffentliche Stellungnahme, die Adventskalender Aktion auf Facebook wird nicht fortgeführt, auf tweets wird nicht mehr reagiert, eine ziemlich verunglückte Mail an Broder von achgut.com. Stattdessen ist die Pressemitteilung, mit der Hensels Verpflichtung kommuniziert wurde, nicht mehr erreichbar. Die ursprünglich witzige 404 Seite mit dem confused Vincent Vega Meme ist seriös geworden.

Man mag fast den Eindruck gewinnen, dass eine Deutschlands renommiertester Agenturen einen Kommunikationsberater braucht.

Anhang – der Screenshot

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Screenshot 14.12.2016 ca. 7:30h.

10 Fakten zum 14. Dezember

  1. Bangladesch erinnert heute an die Bengalischen Intellektuellen, die im Bangladesch-Krieg durch die Pakistanische Armee ermordet wurden.
    Johannes hat heute Namenstag. Patron des heutigen Tages ist Johannes vom Kreuz ein spanischer Dichter, Mystiker und Kirchenlehrer.
  2. Die sog. Luciaflut tötet 1287 an der deutschen Nordseeküste rund 50.000 Menschen.
  3. Maria Stuart wird im Jahre 1542 Königin von Schottland. Da sie erst 6 Tage alt ist, übernimmt James Hamilton, 2. Earl of Arran, die Regierungsgeschäfte.
  4. Die Spielbank Monte Carlo nimmt 1856 den Betrieb auf.
  5. Dem Physiker Manfred von Ardenne gelingt 1930 im Laborversuch die weltweit erste vollelektronische Fernsehübertragung mit einer Kathodenstrahlröhre.
  6. Die Generalversammlung der UN entscheidet sich 1946 für New York als ständigen Sitz der Vereinten Nationen.
  7. Mariner 2 passiert 1962 die Venus und liefert erste Bilder und Daten. Es ist die erste interplanetare Raumsonde.
  8. Richard Oetker wird 1976 von Dieter Zlof in Freising entführt. Oetker wird 47 Stunden später gegen eine Zahlung von 21 Millionen DM frei kommen. Er wird aber in einer viel zu kleinen Holzkiste durch Stromschläge schwer verletzt und leidet bis heute an den Folgen der Entführung.
  9. Tycho Brahe wird 1546 geboren.
  10. Prince Albert Frederick Arthur George, Duke of York, der spätere König George VI. wird 1895 geboren.