Gedicht: An Jean Paul

An Jean Paul

So oft ich sonst mich trug mit deinem Bilde,
Bereut ich, daß ich meine Pflicht verschoben,
Und nie zu dir ein Wort des Danks erhoben
Für deine seelenvolle Lieb und Milde.

Nun hat der Tod mit seinem Gorgoschilde
Den Blick erstarrt, der gern geschaut nach oben,
Und was ich Freundliches für dich gewoben,
Send ich dir nach in fremdere Gefilde.

Es hat den Jüngling deine Gunst belebet,
Dir galt für künft’ge Glut der erste Zunder,
Auf dem noch kaum ein Funke schwach gebebet.

Nun weilt dein ewig wonniger, gesunder,
Verjüngter Geist, wohin er stets geschwebet,
Im überschwenglichen Gebiet der Wunder.

Gedicht von August von Platen zum Tode von Jean Paul am 14. November 1825.

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