Gedicht: Bonn

Wenn sich auch das Stück am Rheine
Nicht ganz rein gehalten hat,
So ist Bonn doch eine feine,
Ziemlich angenehme Stadt.

Enge Häuser, krumme Gassen,
Eine Kirche dann und wann;
Mitten ist ein Platz gelassen,
Wo man freier athmen kann.

Menschen wohnen hier in Schaaren,
Mann und Weib und Kind und Greis,
In den Armen und — den Haaren
Liegen sie sich wechselweis’.

Bonn hab’ ich mir auch erkoren.
Schön ist’s hier zur Sommerfrist,
Ganz besonders, wenn den — Thoren
Glücklich man entronnen ist.

Gärten, schattige Alleen, Rheinland,
Rheinluft allzumal,
Und die schönsten Berge sehen
Nieder in das schönste Thal.

Drachenfels, wie schaut in’s Weite
Seine Zinne stolz und keck,
Lieblicher auf dieser Seite
Ragt das treue Rolandseck.

Und von Godesberg hernieder
Kommt das Vorgebirg’ und spannt
Seine sanftgeformten Glieder
Anmuthreich um Stadt und Land.

Zwischen Berg’ und Stadt im Thale
Lebt sich’s wie im Paradies,
Und hier war’s, in diesem Thale,
Wo ich fand mein Paradies.

Karl Hermann Schauenburg

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