"Deutschland-einig-Dschungelland" oder: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus"

Selten hat ein TV-Event für so viel Gesprächsstoff gesorgt wie “Ich bin ein Star, holt mich hier raus”, auch bekannt als #ibes, Dschungelcamp oder einfach nur der Dschungel). Phantastische Einschaltquoten (die in der werberelaventen Zielgruppe die 50% knackten), Titelseiten von Bild bis taz, Argumente fürs Bildungsbürgertum vom Spiegel, warum es ok ist, RTL einzuschalten (“das Camp spiegelt die sozialen Konflikte Deutschlands wieder…”) und sogar das ZDF schwimmt mit abendlichen Dschungel-Diskussionen bei Lanz auf der Erfolgswelle mit. Es fehlt eigentlich nur noch, dass Johann Lafer bei “Lanz kocht” seine besten Känguru-Hoden Rezepte verrät und Herr Schubeck darüber sinniert, welches Kräutlein am besten mit dem Krokodil-Penis harmoniert.

Und auch ich gebe zu: wohl noch nie habe ich eine Fernsehsendung mit soviel Inbrunst verfolgt, wie diese aktuelle Staffel.

Sicher, es gibt immer noch vereinzelte Stimmen, die von Unterschichtenfernsehen sprechen und dem ganzen Theater nun gar nichts abgewinnen können – aber diese Stimmen sind deutlich weniger und viel leiser als bei den vergangenen Staffeln.

Deutschland einig Dschungelland. Doch warum? 10 Gründe:

  1. Schnell und kompakt: RTL macht hier nicht den Fehler, alles zu sehr in die Länge zu ziehen: 60 Minuten-Hauptshow (abgesehen vom Sarah “Dingens” Knappik Auszug…), zügige Verkündung der Voting-Ergebnisse, Konzentration aufs wesentliche, dramaturgisch perfekt geschnitten, kaum Werbung. So macht Fernsehen Spaß.
  2. Die geniale Moderation von Dirk Bach und Sonja Zietlow: macht #ibes erst zu dem was es ist: “Thomas Rupprath hat also Feuchttücher dabei. Ich finde das sehr clever – wenn man bedenkt, dass wir hier 100 Prozent Luftfeuchtigkeit haben. Was könnte sein zweiter Luxusartikel sein: Ein Sack Rindenmulch?”
  3. Hintergründigkeit: #ibes hat dank der Moderatoren auch eine gewisse Hintergründigkeit – anders als das nur noch flache und platte DSDS.
  4. Die Kandidaten: Hier ist für jeden jemand dabei: Rainer Langhans sorgt dafür, dass sogar ehrenwerte Alt-68er wie Gretchen Dutschke reinzappen, Guido Westerwelle erfreut sich am gestählten Körper von JayGay Khan, die ältere Generation an Mathieu Carrière, Asis an Sarah “Dingens”  Knappik…
  5. Gesprächsstoff: Mit 8 Millionen Menschen in Deutschland lästern und diskutieren – worüber ist das sonst noch möglich.
  6. Schadenfreude ohne schlechtes Gewissen: Schadenfreude hinterlässt oft einen schalen Beigeschmack. Nicht hier: die “Stars” wissen vorher, worauf sie sich einlassen und bekommen schließlich genug Geld dafür.
  7. Fassungslosigkeit I: Selten ist es jemanden gelungen, sein Image so sehr zu ruinieren – vom Dschungeltarzan mit Siegchancen zu JayGay Khan.
  8. Fassungslosigkeit II: Selten ist es jemanden gelungen, sein Image so sehr zu ruinieren – von sexy Indira Jones zur schlecht inszenierenden Intriga.
  9. Plüschaffe Schottialt – der eigentliche Star des Camps.
  10. Einfach mal schön vor dem Fernseher entspannen

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