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Die NRW Landtags-Wahl 2012 im Internet

Mehr oder weniger überraschend wird in Nordrhein Westfalen am 13. Mai 2012 ein neuer Landtag gewählt. An dieser Stelle werde ich in Anlehnung an meine twitter-MdB Liste einiges an Webquellen zur NRW-Wahl sammeln. Auch hier gilt, über Linkvorschläge freue ich mich, einfach als Kommentar zu diesem Artikel posten. Updates gibt es hier und unter dem Hashtag #nrw12 bei twitter.

Aktueller Hinweis: Die Liste ist derzeit im Aufbau, aber bewusst so unfertig online gestellt.

Parteien

Bündnis90/Die Grünen

Website: Bündnis 90/Die Grünen in NRW

CDU

Website: CD NRW
facebook: CDU NRW bei facebook

Die Linke

Website: Die Link NRW

FDP

Website: FDP NRW
twitter: @fdp_nrw

Piratenpartei

Website: Piratenpartei NRW
twitter: @PiratenNRW
Landesliste der Piratenpartei bei #nrw12

SPD

Website: NRW SPD

Standort Berlin – die Fehlentscheidung von twitter (und ein Satz zu Rowan Barnett)

twitter ist hierzulande noch nicht sonderlich erfolgreich und durch eine deutsche Niederlassung erhofft man sich, den lokalen Markt besser zu verstehen und folglich besser auf ihn eingehen zu können.

Als Standort für die deutsche Niederlassung wurde Berlin gewählt. Und das halte ich für einen Fehler.

Nähe zur Politk benötigt twitter zum einen mangels gravierender Angriffsflächen einerseits gar nicht und muss sie an sich auch gar nicht mehr suchen, wie meine Liste der twitternden Bundestagsabgeordneten zeigt. Auch das Argument, in Berlin finde man ein hervorragendes Startup-Umfeld, zieht nur bedingt. Zwar sind in Berlin viele Startups zu finden und es könnte sich für twitter lohnen, mit diesen in einen regeren Austausch zu treten. Ansonsten behandelt Berlin aber seine Internet-Szene aber eher stiefmütterlich (nicht dass twitter das bräuchte). Und auch auf die so hoch gelobten hochkarätigen Entwickler in Berlin dürfte twitter gar nicht angewiesen sein.

Es gibt also zunächst nicht viel, was objektiv für den Standort spricht, dafür gewichtige Gründe dagegen.

Denn in vielen Berliner Milieus ist twitter schon längst angekommen, viel stärker als bei Deutschlands Otto Normalsurfern. Und diese präponderanten Berliner Szenen werden twitter den Blick auf genau diesen Otto Normalsurfer verstellen, den man doch eigentlich verstehen und erreichen möchte.

twitter hätte sich besser im bundesdeutschen Durchschnitt ansiedeln sollen – ich hätte z.B. eine Stadt im Ruhrgebiet gewählt – oder gar eine mittelgroße Stadt in der Provinz. So darf man aber gespannt sein, inwieweit sich das neue deutsche twitter berlinisiert.

Die Entscheidung für Rowan Barnett als Deutschland-Chef könnte sich aber wegen seiner bild.de Erfahrung und seiner Springer-Kontakte als Glücksgriff erweisen – mag die selbsternannte Berliner Internetszene auch dagegen wettern.

Das Pluragraph Social-Media-Bundestagsranking

Dieser Blog ist bekannt und beliebt für seine Bundestags-Twitter Top 10 und seine umfangreiche Auflistung aller Twitterati aus dem Deutschen Bundestag. Diese Liste zeigt eindrucksvoll, wie viele Abgeordnete des Hohen Hauses bereits heute den Microblogging-Dienst aktiv nutzen, um mit 140 Zeichen in Dialog mit dem Bürger zu treten.

Sind diese Politiker auch die aktivsten Social-Media-Abgeordneten des Bundestages? Und welche sozialen Netzwerke nutzen die Bundespolitiker noch?

Auf der Social Media Benchmarking und Analyse-Plattform Pluragraph sind alle 620 Bundestagsabgeordneten mit ihren Social-Media-Profilen erfasst und werden tagesaktuell gerankt. In das Ranking fließen

  • die Anzahl der Follower bei Twitter,
  • die Fans der Facebook-Fanseiten,
  • die Anzahl derer denen ein Profil in den VZ-Netzwerken gefällt und
  • die Anzahl der Kreise, in denen eine Person auf Google+ ist,

ein.

Flickr kann nicht mit in die Betrachtung einbezogen werden, da eine große Anzahl an hochgeladenen Fotos das Ergebnis zu stark verzerren würde. Da die weiteren erfassten Netzwerke keine Schnittstelle zum Auslesen anbieten, werden XING, YouTube, MySpace, LinkedIn, Vimeo und andere mit einem festen Wert erfasst. Hier wird ein pauschaler Wert von 50 angesetzt. Aus diesen Werten ergibt sich dann das Gesamt-Ranking und z.B. die
Social Media Top 20 der Bundestagsabgeordneten:

Nicht unüberraschend liegt der Kanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU), die ihr Bundestagsmandat eher nebenbei führt, auf Platz 1, abgeschlagen dahinter der Fraktionschef der größten Oppositionspartei und potentielle Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD). Merkel erreicht ihren Pluragraphwert fast ausschließlich über ihre Facebook-Präsenz, Steinmeier hingegen ist auch bei Google+ sehr aktiv. Gefolgt werden diese von zwei weiteren aktuellen FDP und CDU-Ministern und dem parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen Volker Beck auf Platz 5. Unter den Top 5 befinden sich also bereits Abgeordnete von vier Fraktionen. Bester Politiker der Fraktion Die LINKE. ist der Fraktionschef Dr. Gregor Gysi auf Platz 14.

Interessant, dass der in der Öffentlichkeit eher unbekannte Bonner SPD-Abgeordnete Ulrich Kelber nur knapp hinter seinem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel (SPD) liegt. Dieser hatte Facebook erst vor einigen Wochen für sich entdeckt.

Siegmar Gabriel – zuletzt in der Kritik wegen israelkrischer Äußerungen über Facebook – hat in den vergangen Tagen trotz oder wegen des Postings das stärkste Wachstum aller Parlamentarier hinglegt.

Ebenfalls überraschend ist die sehr gute Platzierung des Thüringer FDP-Abgeordneten Patrick Kurth auf Platz 12 und die des FDP-Renegaten Frank Schäffler, der in den vergangenen Monaten zum wichtigsten Gegner der aktuellen FDP-Parteispitze avanciert ist. Er liegt fünf Plätze vor dem Vizekanzler und FDP-Vorsitzenden Dr. Philipp Rösler auf Platz 10.

Das gesamte Ranking aller Bundestagsabgeordneten finden Sie hier.

Anmerkung: Die Daten basieren auf rein quantitativen Follower-/Fan-Zahlen. Der Pluragraph-Wert sagt demnach nichts über die Qualität der Social-Media-Aktivitäten und die Inhalte aus. Eine wirkliche Erfolgsmessung ist damit nicht möglich, das Ranking bietet aber einen guten Ausgangspunkt für weitere Analysen.

Pluragraph.de ist die erste kostenlose Plattform für Social-Media-Benchmarking und Social-Media-Analyse im nicht-kommerziellen Bereich. Mit heutigem Stand sind bereits über 5.700 Organisationen mit über 12.500 Profilen auf der Plattform erfasst, darunter u.a. der Bundestag- und die Landesparlamente, die Bundestagsabgeordneten und einige Landtagsabgeordnete, die Bundesländer, alle deutschen Parteien, deren Landesverbände, deren Fraktionen, alle vorhandenen Profile von Ministerien und Ministern, die größten 1000 Städte und Landkreise Deutschlands, über 500 Verbände, eine Vielzahl kommunaler Einrichtungen und Behörden, Handels- und Handwerkskammern, Theater, Museen, NGOs, Stiftungen, Think Tanks, Universitäten, sowie weitere unzählige Vereine.

Zum Autor

Martin Fuchs entwickelte Anfang 2011 mit Jona Hölderle und Niels Richter Pluragraph.de und ist Gründer der ersten Beratung für den Einsatz von Social Media im öffentlichen Sektor: Bürger & Freunde. Zudem bloggt er über den Einsatz von Social Media in der Politik unter www.hamburger-wahlbeobachter.de.

Mehr Mut zum Fettnäpfchen

Wer heute morgen dem ein oder anderen “Social Media Berater” auf facebook, twitter oder Google+ folgt, wird an dem Interview mit Klaus Eck über die deutsche Social Medie Angst in der Lead nicht vorbeigekommen sein. Es ist zwar schon ein paar Tage älter, macht aber erst jetzt die Welle – wahrscheinlich, weil Mirko Lange darauf aufmerksam gemacht hat.

Ecks Kernaussage ist, dass die meisten Deutschen sich aus Angst, missverstanden zu werden, anzuecken oder als Angeber zu gelten, sich erst gar nicht oder wenn nur sehr zurückhaltend auf Sozialen Netzwerken äußern.

Nun ist ja die neue Angst und Vorsicht der Deutschen in vielen Bereichen nichts neues – die “German Angst” ist im angelsächsischen Raum schon sprichwörtlich. Und sicher kann es durchaus sinnvoll sein, sich auch einmal zurückzunehmen.

Doch ich finde: geschwiegen wurde und wird in diesem Land viel zu viel.

Selbst äußere ich mich oft sehr provokativ und offen im Internet. Und das kann auch jeder lesen – es gibt keine Einschränkungen. Wenn ich dabei Apple-Fanboys als “Scientologen” bezeichne oder die Gäste von Wulffs Zapfenstreich auf die Liste der Schande setze, darf man dazu durchaus geteilter Meinung sein und auch gerne kontrovers mit mir diskutieren. Aber wenigstens wird dann diskutiert.

Gut, ich kann durchaus nachvollziehen, dass jemand, der noch Karriere machen will (ich habe das im klassischen Sinne aufgegeben) seine Meinung vorsichtiger formulieren wird und wohl auch sollte. Beherrschen Personaler die Kunst des Googlens doch inzwischen sehr gut. Doch muss sich eine Meinung ja nicht gleich bei so kontroversen Themen in so provozierender Form äußern.

Wünschenswert ist in Deutschland generell eine offene Debattenkultur, die nicht nur von den üblichen Verdächtigen in den Talkshows gelebt wird. Nein, notwendig ist eine offene und lebendige Diskussionskultur untereinander. Die sozialen Netzwerke und Blogs mit ihren Kommentarfunktionen bieten dafür eigentlich ein gutes Umfeld. Und wenn dabei am Anfang etwas schief geht oder man übers Ziel hinausschießt – man kann die Dinge immer noch klarstellen und sich im Zweifel auch entschuldigen.

In diesem Sinne: mehr Offenheit, mehr Diskussion, mehr Gelassenheit und mehr Mut zum Fettnäpfchen.

 

Links oder rechts?

Wie schätzen Sie diese politischen Positionen und Forderungen ein?

  • Wir fordern, dass sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen.
  • Alle Staatsbürger müssen gleiche Rechte und Pflichten besitzen.
  • Brechung der Zinsknechtschaft.
  • Im Hinblick auf die ungeheuren Opfer an Gut und Blut, die jeder Krieg vom Volke fordert, muß die persönliche Bereicherung durch den Krieg als Verbrechen am Volke bezeichnet werden: Wir fordern daher restlose Einziehung aller Kriegsgewinne.
  • Wir fordern die Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten (Trusts) Betriebe.
  • Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben.
  • Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Altersversorgung.
  • Wir fordern die Schaffung eines gesunden Mittelstandes und seine Erhaltung, sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende, schärfste Berücksichtigung aller kleinen Gewerbetreibenden bei Lieferung an den Staat, die Länder oder Gemeinden.
  • Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke.
  • Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation.
  • Wir fordern die Ausbildung besonders veranlagter Kinder armer Eltern ohne Rücksicht auf deren Stand oder Beruf auf Staatskosten.
  • Der Staat hat für die Hebung der Volksgesundheit zu sorgen durch den Schutz der Mutter und des Kindes, durch Verbot der Jugendarbeit, durch Herbeiführung der körperlichen Ertüchtigung mittels gesetzlicher Festlegung einer Turn- und Sportpflicht, durch größte Unterstützung aller sich mit körperlicher Jugendausbildung beschäftigenden Vereine.
  • Gemeinnutz vor Eigennutz.
  • Wir fordern Ersatz für das der materialistischen Weltordnung dienende Recht.

Klingt doch eher links, oder? Dabei sind die Positionen dem Parteiprogramm der NSDAP von 1920 entnommen – wobei es natürlich viele weitere Punkte gibt, die wieder auf ganz andere Ziele hinweisen. Hinweisen darf ich auch gleich darauf, dass ich einzelne Kürzungen vorgenommen habe, die direkt erkennen liessen, dass all die guten Taten nur Volksgenossen zugute kommen sollten.

Warum ich das schreibe? Erika Steinbach hat auf twitter die NSDAP als “linke” Partei bezeichnet:

steinbach-twitter

Dass danach heftigste Proteste folgten, dürfte keinen verwundern. Und zu dem Thema könnte man jetzt sehr viel schreiben – wozu mir heute leider die Zeit fehlt. Ich möchte aber doch den kleinen Denkanstoß bringen, dass die Begriffe “Links” und “Rechts” zu vereinfachend für die Einordnung von Parteien sind. Und das geht an Frau Steinbach und an ihre Kritiker. 140 Zeichen Echtzeitdiskussion sind für manche Themen einfach nur suboptimal.

Ich ergreife hier ausdrücklich NICHT Partei für Erika Steinbach generell, insbesondere nicht für ihre SPD-Gleichschaltungs-Aussage und anderem Blödsinn. Ich halte nur nichts von reflexhaften Diskussionsreaktionen. Und auch die Einzigartigkeit der Dimension der durch Deutschland zwischen 1933 und 1945 begangenen Verbrechen möchte ich durch diesen Beitrag nicht in Frage stellen.

An die Netzgemeinde an den Datenempfangsgeräten…

…so hätte Ansgar Hevelings Brandschrift im Handelsblatt gegen "das Internet" wohl auch beginnen können. Ein im übrigen wirklich schlechter Text, der nur strotzt von floskelhaften Plattitüden, Bildungsbürger-Buzzwords, Halbwissen, Nichtwissen, mal mehr oder weniger unfreiwilliger Komik und viel selbstgefälliger CDU-Bräsigkeit.

Die "liebe Netzgemeinde" spielt erwartungsgemäß mit- #hevelingfacts, Hacken seiner Website, hämische Kommentar über den vermeintlichen Hinterbänkler – und Thomas Knüwer arbeitet sich mal wieder an seinem alten Arbeitgeber ab.

Man könnte sich entspannt zurücklehnen, das Popcorn auspacken und Peter Altmaier zustimmen, der dazu twittert: "GsD, seit langem mal wieder ein entspannter Tag. Die Kinder bewerfen sich begeistert mit Förmchen und haben einen Riesenspass. Alles i.O.!".

Könnte man, sollte man aber nicht. Denn Ansgar Hevelings wirres Geschwurbel sollte Stein des Anstoßes sein. Denn in einem hat Heveling sicher recht – er vertritt mit seinen Grundpositionen wohl tatsächlich eine schweigende Mehrheit in Deutschland. Eine Mehrheit, die sich auf Schützenfesten vergnügt, die zu Wulff hält, die den RTL einschaltet, dort zu Dieter Bohlen aufschaut und für die das Internet eBay, amazon, Diät- und Katzenforen und wenn es hochkommt noch MeinVZ oder schon facebook ist (und ganz heimlich youporn). Dagegen steht die "Netzgemeinde", die 18 Stunden am Tag auf twitter lebt, auf Google+ diskutiert, sich über tumbler mitteilt und facebook "sowas von 2010" findet – von MeinVZ ganz zu schweigen.

Und das ist eine Welt, die Ansgar Heveling nicht versteht, vor der er Angst hat. Weil sie Veränderungen mit sich bringt, die er nicht mehr kontrollieren kann. Weil die Netzgemeinde so vielschichtig ist und eher liberal und links. Das muss doch eingedämmt werden – mit PIPA, SOPA und ACTA. Durch Diskreditieren der anderen Seite mit einer martialischen Sprache. Durch das Hochhalten klassischer Werte und Werke – gleich, ob Bibel oder Marx. Und der Herr der Ringe geht sowieso immer. In seiner ganzen Argumentation zeigt Heveling, dass er "das Netz" eben gerade nicht verstanden hat.

Durch die Reaktionen auf ihn wird er sich bestätigt fühlen. Seht her ich hatte Recht – die böse digitale Avantgarde hat meine Homepage gehackt, verhöhnt mich und ist in den Krieg gegen mich den Bürger gezogen. Und in den Schützenzelten am Niederrhein werden sie ihm zustimmen.

Auf die Hevelings dieser Welt sollte man daher zugehen und ihnen die Angst nehmen – indem man ihnen erklärt, was "das Netz" eigentlich ist, wie es funktioniert und wie die "Netzgemeinde" tickt. Aber auch indem man ihnen zuhört und deren Ängste und Bedenken ernst nimmt.

Denn sonst hören wir vielleicht als nächstes "We are Heveling. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us."

7 sehr kurze Gedanken zur aktuellen twitter-Diskussion

Gestern sorgte auf twitter ein zugegebenermaßen sehr missverständlich formulierter Blogbeitrag des Unternehmens (Tweets must still flow), dass zukünftig einzelne tweets selektiv geblockt werden könnten, für einen Sturm der Entrüstung. Sofort war aufgeregt von Zensur die Rede und viele drohten für den heutigen Samstag nichts zu twittern – woooh.

Daniel Bröckerhoff ist es zu verdanken, für Aufklärung gesorgt zu haben und somit zumindest die denkenden Geister etwas beruhigt zu haben. Auf den Punkt bringt das sein Beitrag "twitter verbessert sich und alle schreien Zensur".

Der Vorfall bringt mich spontan auf folgende ungeordnete Gedanken:

  1. Banale Hausfrauenkalenderweisheit bewahrheitet sich wieder: Erst denken, dann tweeten.
  2. Grenzenlose Meinungsfreiheit für alle in einem globalen öffentlichen Kommunikationsmedium dieser Dimension ist im Prinzip wünschenswert.
  3. Grenzenlose Meinungsfreiheit für alle in einem globalen öffentlichen Kommunikationsmedium dieser Dimension scheitert aber an unterschiedlichen moralischen Vorstellungen, rechtlichen Regelungen und wohl im Einzelfall auch an der Würde des betroffenen Individuums.
  4. International tätige Unternehmen haben keine andere Möglichkeit, als auf diese Herausforderungen zu reagieren, wollen Sie nicht riskieren, in bestimmten Ländern gar nicht mehr aktiv sein zu dürfen.
  5. Es ist besser, dass einzelne tweets durch twitter regional geblockt werden, als dass diese global gelöscht werden.
  6. …ob das den Chinesen aber auf Dauer ausreicht, ist fraglich.
  7. Trotzdem heiß ich zur Zeit bei twitter Loretta – aber das ist eine andere Geschichte.

Das merkwürdige twittern des Siegfried Kauder

Vor kurzem habe ich eine Liste twitternder Bundestagsabgeordneter erstellt, in der auch der Account von Siegfried Kauder mit dem Namen @kaudermdb aufgeführt war.

Wenige Tage später erreichte mich eine Mail der CDU/CSU Fraktion, in der ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass der Account ein Fake sei. Ich bin dem Wunsch natürlich nachgekommen, doch blieben Zweifel: @kaudermdb twitterte regelmäßig in einer Art und Weise, die Siegfried Kauder durchaus zuzutrauen wäre – wenn auch nicht besonders professionell. Ich hielt es nicht für ausgeschlossen, dass es sich hier um einen privat geführten Account Kauders handelt oder dass z.B. ein Mitarbeiter oder Parteifreund aus dem Wahlkreis mit Kauders Wissen aktiv sei. Auch die Follower wirkten authentisch und schienen von der Echtheit Kauders überzeugt. Daher merkte ich in der Liste an, dass ich es für nicht ausgeschlossen hielt, dass es sich hier doch um Siegfried Kauders Account handeln könne.

Nach Peter Altmaiers Wulff-kritischem tweet vom 11.01.2012 folgte auch der vermeintliche Siegfried Kauder:

Christian Wulff sollte seinem Versprechen nach Transparenz schlussendlich nachkommen, um das Amt nicht nachhaltig zu beschädigen

…und wenig später ist der @kaudermdb Account Geschichte und offensichtlich gelöscht.

Der echte Siegfried Kauder Account ist laut Rheinzeitung @SiegfriedKauder – der hat aber noch nie etwas getwittert, taucht zur Stunde nicht in der offiziellen Liste der CDU/CSU Abgeordneten in sozialen Netzen auf und hat auch nur 3 Follower.

Drei Dinge sind nun denkbar:

  1. Der Account war echt, hat es mit dem Wulff-tweet jedoch überzogen, sich der Parteidisziplin gebeugt und alles gelöscht.
  2. Der Account war ein Fake, hat ob des Medienechos kalte Füsse bekommen und alles gelöscht.
  3. @kaudermdb wurde von einem Parteifreund/Mitarbeiter mit Kauders Wissen geführt. Mit der Wulff Kritik hat er aber überzogen hat und wurde daher “gebeten”, den Account zu löschen.

Die vereinzelt geäußerte Vermutung, es habe sich bei @kaudermdb um den Bruder Volker Kauder gehandelt, halte ich für abwegig.

Tatsächlich gehe ich von der dritten Variante aus – aber vielleicht weiß jemand mehr…

Christian Wulff und die Frage nach der Transparenz

Die vielleicht bemerkenswerteste und gewichtigste Äußerung zum Thema Wulff kam letzte Nacht heimlich still und leise über twitter:

altmaier-wulff-twitter

Wir erinnern uns – in dem bemerkenswerten Interview kündigte "Bundespräsident" Wulff an, am nächsten Tag alle 400 Fragen und Antworten sowie zugehörige Dokumente ins Netz zu stellen und so für die größtmögliche Transparenz zu sorgen. Was dann folgte, war eine dürre 6-seitige PDF Datei, die nichts enthielt, was man schon wusste. Von der versprochenen Transparenz jedenfalls keine Spur.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr ruderte bekanntlich zurück. Zum einen, da die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht dies verhindere, zum anderen, da die Journalisten doch schon alles veröffentlicht hätten.

Nun weiß ich von Journalisten, dass Lehr auf bestimmte Fragen noch gar nicht geantwortet hat – darunter auch Fragen, die ganz andere Themenkomplexe betreffen als die, die zur Zeit diskutiert werden. Und damit meine ich nicht die hinter vorgehaltener Hand über Bettina Wulff getuschelten Artemis und Chateau Geschichten, die die Privatsache des Paares sein sollten – unverständlich, warum Wulff die Phantasien über seine Frau überhaupt ansprach. Es gibt aber durchaus noch interessantere und gewichtigere Geschichten aus Hannover und Umgebung. Jedenfalls würde eine Veröffentlichung dieser Anfragen neue Kriegsschauplätze aufmachen.

Was nun die Verschwiegenheitsverpflichtung angeht – von dieser hätte Christian Wulff seinen Anwalt leicht befreien können. Warum er dies noch nicht getan hat, ließ das Bundespräsidialamt bisher offen. Sollten Rechte von den zahlreichen "Freunden" und "Geschäftspartnern" des "Bundespräsidenten" betroffen sein, so ließen sich hier sicher Einverständniserklärungen einholen. Auch hier scheint es keine Bemühungen durch Gernot Lehr zu

So oder so – an echter Transparenz scheint Christian Wulffs Anwalt zur Zeit kein Interesse zu haben. Und so wird uns der Fall Wulff weiter verfolgen.