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Was brauche ich technisch zum Bloggen?

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Was brauche ich zum Bloggen?

Immer mal wieder werde ich gefragt, was man zum Bloggen braucht. In der Tat habe ich mich mit diesem Thema früher hier an dieser Stelle immer mal wieder beschäftigt, es aber etwas aus den Augen verloren. Aus gegebenem Anlass hier jetzt endlich die Antwort aus technischer Sicht, insbesondere auf welche Plattformen man setzen kann und setzen sollte.

Verschiedene Möglichkeiten

Man grundsätzlich (mindestens) vier Möglichkeiten:

  • alles selber machen
  • auf spezielle Bloghosting Angebote setzen
  • Blogging Plattformen
  • bei einem anderen Blog mitschreiben (oder bei mehreren)
  • andere Blog-ähnliche Plattformen

Ich will die verschiedenen Möglichkeiten etwas genauer vorstellen:

Bei anderen Blogs mitschreiben

Warum eigentlich nicht? Warum ganz von vorne anfangen, wenn es schon gut etablierte Blogs zu einem Thema gibt, bei denen man mitmachen kann. Sicher, das passt nicht zu einem persönlichen Blog wie diesem hier, aber bei themenspezifischen Blogs kann das sinnvoll sein. Warum z.B. nicht seine Windows Phone Tipps bei einer Seite wie stagerbn.de veröffentlichen? Oder seine Kochrezepte nicht in einem bestehenden Food Blog? Schaut man sich viele Blogs an, stellt man fest, dass sehr viele von mehreren Autoren bestückt werden.

Entscheidet man sich dafür, sollte einem aber auch klar sein, dass es eben nicht der eigene Blog ist. Was passiert z.B. mit den Texten, wenn der eigentliche Bloginhaber kein Interesse mehr an seinem Projekt hat? Was, wenn dem Inhaber ein Text missfällt? Wie sieht es mit Kosten und Einnahmen aus? Wenn man auf solche Fragen jedoch gute Lösungen gefunden hat, kann das Mitbloggen eine gute Alternative sein.

Wer konkret auf der Suche nach einem Blog ist, bei dem das Mitschreiben möglich ist, kann auf bloggerjobs.de nach solchen Kooperationsmöglichkeiten Ausschau halten.

Blog Plattformen

Soll es hingegen doch ein eigenes Projekt sein, das aber möglichst keinen Aufwand verursachen soll, kann man auf Blogplattformen setzen. Die beiden bekanntesten sind sicher WordPress.com und das zu Google gehörende blogger.com. Bei beiden kann man direkt nach der Anmeldung losbloggen. Persönlich bevorzuge ich WordPress, es muss ja nicht immer alles Google sein.

Wer es ganz einfach mag, kann sich für eine kostenfreie Subdomain entscheiden – z.B. umstellung.wordpress.com (damit fing es bei mir richtig an); eine eigene Domain kann man für eine übliche Jahresgebühr dazu buchen. Entscheidet man sich für die kostenfreie Variante “WordPress Anfänger”, hat man 3 GB Webspeicher (was für die meisten ausreichend sein sollte), eine sehr gute technische Plattform und die Auswahl aus verschiedenen Designs und zusätzlichen Funktionen (Umfragen…). Allerdings behält sich WordPress bei der kostenfreien Variante vor, Werbung einzublenden. Wenn man das nicht will, entscheidet man sich für WordPress Premium. Das kostet derzeit 80 EUR pro Jahr und beinhaltet dann auch gleich mehr Speicher, die eigene Domain und mehr Individualisierungsmöglichkeiten.

Wenn ich wirklich vorhabe zu bloggen, würde ich nach meinen bisherigen Erfahrungen auch beim Einsatz von WordPress.com auf jeden Fall von Anfang an auf eine eigene Domain setzen; den Premium Service kann man bei Bedarf später immer noch dazu buchen, am Anfang kommt man auch ohne aus.

Neben WordPress und Blogger gibt es natürlich noch viele weitere Plattformen, darunter auch die deutschen Gewächse blogger.de und blog.de. International ist Ghost ganz interessant, das von ehemaligen WordPress Entwicklern gegründet wurde.

Egal, für welche man sich entscheidet: Die Blog-Plattformen machen es einem sehr leicht und man muss sich (fast) nicht um die Technik kümmern. Auf der anderen Seite sind einem technische Grenzen gesetzt. Immerhin – hat man sich für WordPress.com entschieden, ist es später bei Bedarf sehr leicht, seinen Blog auf eine selbst gehostete Lösung umzuziehen.

Alles selber machen

Will man die volle Kontrolle über seinen Blog, kann man ihn auch komplett selber aufsetzen – auch hier gehe ich davon aus, dass man WordPress einsetzt. Es gibt zwar Alternativen wie z.B. Serendipity, das bereits erwähnte Ghost als selbst gehostete Lösung oder Anchor. Die Anforderungen sind hier ähnlich wie bei WordPress. Da es derzeit für kein anderes System so viele Plugins, Themes und weitere Unterstützung im Netz gibt wie für WordPress, würde ich mich für diese Plattform entscheiden.

Dazu braucht man zunächst ein Hostingpaket, das PHP sowie eine MySQL Datenbank unterstützt. Damit man schöne URLs hat – also z.B. www.umstellung.info/ernaehrung/ statt www.umstellung.info/index.php&p=565 – sollte das gewählte Paket noch .htaccess Features erlauben, zumindest Rewrite Rules. Entsprechende Angebote gibt es z.B. bei Hosteurope (Basic) oder 1&1 (Starter) für 3,99 Euro im Monat – die Kosten für die eigene Domain sind dabei inklusive. Man kann sich aber für jeden Anbieter entscheiden, der die technischen Voraussetzungen erfüllt.

Als nächstes benötigt man einen FTP Client, mit dem man Zugriff auf den Server hat, am besten finde ich Filezilla. Dort werden dann die entsprechenden FTP Zugangsdaten eintragen, man verbindet sich mit dem Webspace und erstellt dort ein Verzeichnis für den Blog. In der Konfiguration des Hosters lässt man dann die entsprechende Domain auf das Verzeichnis verweisen.

Dann lädt man sich die aktuelle WordPress Version herunter. Diese entpackt man dann und lädt sie mittels Filezilla in das vorher erstellte Verzeichnis. Domain aufrufen und man wird Schritt für Schritt durch die Installation geführt (dazu erstelle ich bei Gelegenheit einen eigenen Artikel) und kann sein WordPress nach Wunsch einrichten und mit Themes und Plugins erweitern.

In der Folge muss man seine Installation natürlich auch pflegen: Updates von WordPress einspielen, Datensicherungen erstellen, auf korrekte Verzeichnisrechte achten… So gesehen macht diese Variante also auch etwas Arbeit und erfordert grundlegendes IT Know-How. Dafür hat man die volle Kontrolle und kann seine Installation sehr individuell anpassen.

Spezielles WordPress Hosting

Ein Mittelweg sind spezielle WordPress Hosting Pakete, die z.B. von HostEurope und 1&1 angeboten werden. WordPress ist hierbei direkt vorinstalliert und die Firmen kümmern sich auch um die Sicherheitsupdates – es ist also sozusagen eine Mischung aus der WordPress.com Plattform und einem selbst gehosteten WordPress.

Bei 1&1 geht es derzeit bei rund 4 Euro im Monat los – man erhält zu diesem Preis bereits eine eigene Domain und 10 GB Webspace. Das Einstiegspaket bei HostEurope ist mit knapp 10 Euro teurer, bietet jedoch gleich 30 GB und sogar eine Testumgebung, bei der man gefahrlos mit seinem Blog herumexperimentieren kann.

Sicherheitsupdates werden automatisch eingespielt, man muss sich also um nichts kümmern. Im Gegenzug ist man dadurch bei der Anpassung der Installation etwas eingeschränkt. Wenn man “normal” bloggt, ist das kein Problem. Will man WordPress als angepasstes CMS nutzen, kann man hingegen auf Probleme stoßen.

Übrigens, gerade lokale Hostinganbieter wie z.B. tops.net aus Bonn bieten im Rahmen auch individuelle Unterstützung bei der WordPress Installation an.

Andere Plattformen

Daneben gibt es noch andere Möglichkeiten, wenn man gerne im Internet schreiben will.

Interessant ist tumblr, das einer klassischen Blogplattform sehr nahe kommt. Loslegen kann man noch einfacher als mit WordPress.com, die Verwendung einer eigenen Domain ist möglich. Der Vorteil von tumblr ist, dass man sehr gut mit anderen Blogs interagieren und Inhalte, die einem gefallen, leicht einbinden kann.

Besonders für lange Einzeltexte ist Medium geeignet, eine grafisch ansprechend sehr schön gemachte Plattform bei der die Themen und nicht die jeweiligen Autoren im Vordergrund stehen.

Jux überzeugt mit interessanten Post-Formaten, Soup ist eine Mischung aus erweitertem persönlichem Profil und Blog.

Daneben gibt es sicher noch hunderte Dienste, von denen ich noch nicht gehört habe…

Welche Plattform also wählen?

Welche Plattform man wählen soll, hängt also wesentlich von den eigenen Zielen ab.

Will man nur ein bisschen in die Welt des Bloggens hineinschnuppern und WordPress ausprobieren, kann man sich einen kostenlosen Account unter WordPress.com anlegen. Hat man das Ziel, dauerhaft zu bloggen, sollte man sich gleich eine passende Domain dazu ordern.

WordPress Premium finde ich hinsichtlich Preis/Leistung nicht so interessant, da sind die vorgestellten speziellen WordPress Hosting Lösungen meist besser geeignet. Für einen mehr oder weniger ambitionierten Standardblog wie diesen hier würde ich mich für das Angebot von HostEurope entscheiden.

Will man sehr individuelle Projekte realisieren und an der WordPress Installation sehr viel anpassen, kommt man an einer komplett selbst verwalteten Lösung nicht vorbei. Dies ist natürlich auch mit dem meisten Aufwand verbunden und in den meisten Fällen nicht notwendig.

Interessant finde ich noch tumblr, was für einige eine sehr gute Alternative zum nicht selbst gehosteten WordPress sein kann.

Medium sehe ich eher als Ort für ausgewählte Texte – und gerade nicht als klassische Blogplattform. Gleiches gilt für die meisten anderen Blog-Alternativen.

Und was braucht man sonst noch?

Ansonsten braucht man nicht viel – eigentlich nur einen Computer mit Internet Zugang.

Da ein Blog auch von Bildern lebt, sollte man ein Smartphone mit ordentlicher Kamera oder eine Digitalkamera zur Hand haben. Auch ein Bildbearbeitungsprogramm kann nicht schaden – für grundlegende Aufgaben sind kostenlose Tools wie Adobe Photoshop Express geeignet. Allerdings würde ich ein wenig Geld in die Hand nehmen und Adobe Photoshop Elements kaufen (knapp 80 Euro).

Früher habe ich zum Schreiben der Blogbeiträge noch den Microsoft Live Writer verwendet, verwende jetzt aber nur noch den WordPress Editor.

Mehr braucht es eigentlich nicht – außer gute Ideen und Ausdauer.

Sonst noch lesenswert zum Thema

Die große bunte Apple Pay Show

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Apple inszeniert seine Shows großartig und schafft wirklich ein Reality Distortion Field – anders ist es nicht zu erklären, dass gestandene Techblogger wie Sascha Pallenberg – der sonst nicht als iSheep verdächtig ist – in unkritische Lobeshymnen ausbrechen oder Michael Spehr angesichts der iWatch alles andere nur noch für Elektroschrott hält (fragen wir ihn mal, wenn er die Uhr in einem halben Jahr testen konnte).

Gut, “Palle” hat recht, wenn er von gutem Kino aus Cupertino spricht – jedenfalls wenn man bedenkt, dass im Kino Illusionen verkauft werden. Zum Beispiel die, das iPhone 6 sei ein Highend-Smartphone (das 6 Plus ist aber eins). Oder die Mär, Apple hätte jetzt das mobile Bezahlen neu erfunden.

Doch der hinter Apple Pay stehende Visa Token Service wird für alle mobilen Plattformen verfügbar sein. Hauptsache, das mobile Gerät unterstützt dann auch NFC. Passenderweise zeigt die Visa Seite, die den Service vorstellt, auch Android Geräte… Und ebenso ist die “Brieftasche” in Windows Phone schon eingebaut – siehe Bild oben. Visa Token zu integrieren ist auch hier also kein Problem.

Visa hat jedenfalls schon bekanntgegeben, dass man daran arbeite, die Technik auf andere Plattformen und auch in andere Länder zu bringen. 2015 dürfte Europa dran sein.

Letztlich ist Apple Pay also nichts anderes, als eine App auf dem iPhone, die mit TouchID gesichert über NFC auf die von den Kreditkartenfirmen gestellte Technik zugreift. Praktisch ist dabei, dass man seine bei iTunes hinterlegte Kreditkarte direkt importieren lassen kann. Das gleiche können aber auch Google (Play Store) und Microsoft (Windows Store) tun.

Zugutehalten muss man Apple, dass der Bezahlvorgang mit Apple Pay anscheinend besonders rund läuft – und so ist es Apple auch gelungen, seine Partner zu überzeugen, 0,15% vom Umsatz jeder Transaktion abzugeben. Ob dies den Konkurrenten gelingen wird, bleibt abzuwarten. Spannend ist auch die Frage, ob Apple diese Konditionen in anderen Märkten erzielen wird, in denen das iPhone nicht so dominant ist, wie noch in den USA – und ob Apple den Bezahldienst dann für solche Märkte nicht anbietet bzw. sperrt.

Bewundernswert an der ganzen Geschichte ist, dass Apple es schafft, nahezu die gesamte “Fachpresse” nachplappern zu lassen, dass das Payment Gesamtpaket eine Apple Technologie und Erfindung sei.

Microsofts größter Fehler beim Kauf der Nokia Mobilsparte

Ich wollte es schon lange schreiben, aber aus gegebenem Anlass – Nokias here Navigation ist jetzt auch für Samsung Smartphones verfügbar – muss es jetzt mal raus:

Es war ein riesiger Fehler von Microsoft, nicht ganz Nokia zu übernehmen, sondern nur die mobile Gerätesparte.

Die kostenlose here offline Navigation war ein echtes Killer-Feature auf Windows Phone – doch diese Exklusivität ist jetzt leider weg. Weitere Probleme sehe ich in der Zukunft kommen, z.B. eigene Nokia Wearables oder auch die Lizensierung von Patenten (gerade im Kamerabereich) an andere Hersteller. Und irgendwann könnte Nokia sogar wieder Smartphones herausbringen…

Microsoft hat sich damit nur mehr Zeit gekauft, Nokia Geräte mit echtem Android zu verhindern. Für wenig mehr Geld hätte Ballmer das ganze Paket haben können.

Die Nokia Netzwerksparte hätte von MS in eine eigene Gesellschaft ausgelagert werden können, die offen für Beteiligungen strategischer Partner hätte sein können oder an die Börse gebracht worden wäre. Und das Patentpaket wäre so oder so ein Schatz in Microsofts Händen gewesen.

Wie auch immer – die die notwendige Akquisition wurde nur halbherzig durchgeführt und MS wird dafür einen Preis zahlen müssen.

Update 18.11.2014

Nokia hat mit dem Nokia N1 nun ein Android Tablet vorgestellt – auch wenn es sich nur um ein OEM Gerät handelt, auf dem das Nokia Label prangt. Ich denke, es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir 2016 auch Android Smartphones mit Nokia Label sehen werden… Meine Einschätzung, dass die Art und Weise, wie Steve Ballmer die Nokia Akquisition durchgezogen hat, ein riesiger Fehler war, bestätigt sich weiter.

Die Frage bleibt, ob MSFT jetzt noch einmal Geld in die Hand nimmt, um den Fehler zu korrigieren. Doch ob die Finnen das nach den Massenentlassungen wollen, steht auf einem ganz anderen Blatt.