Wie ich schreibe – von Gabriel Namara

Zunächst einmal möchte ich mich bei Severin bedanken, dass er Autoren wir mir, die verlagslos und independent unterwegs sind (Jaja, letzen Sommer hatte ich einen Top Ten Erfolg, aber davon abgesehen gibt es keine Fernseh Talkshows mit mir, also bezeichne ich mich als Underground), für einen warmen Händedruck die Möglichkeit gibt, etwas über mich zu erzählen. Ich verfolge ja immer seine Posts auf Twitter und das ist schon teilweise ziemlich geil und unterhaltsam – wer es noch nicht getan hat, sollte ihn mal abonnieren.

Krafttraining und Bodybuilding

Wenn ich ein neues Buch angehe, ist das Erste, was ich tue, zu trainieren.

Ich bin ein leidenschaftlicher Verfechter davon, für kurze Zeit schwere Dinge anzuheben und dabei herum zu schreien. Gerade Letzteres treibt meine Umgebung zur Verzweiflung und beschert mir unglaubliche Glücksgefühle.

Das klassische Pumpertraining habe ich eingetauscht und mache hauptsächlich funktionale Ganzkörper Übungen, wie Kreuzheben, Kniebeugen und Bankdrücken mit der Langhantel. Mann nennt diese Kombination “die großen Drei”, weil damit relativ viel an Muskelgruppen erschlagen wird. Die Pumperübungen mache ich noch obendrauf, etwas sparsamer, als früher. Mir geht es hauptsächlich darum, möglichst viel Masse zu erhalten und falls möglich noch etwas draufzupacken. Davon abgesehen verschafft es mir ungeheure Befriedigung, wenn ich feststelle, dass ich gerade alle Scheiben meines Gyms (ich habe mir ein eigenes, exklusives Studio eingerichtet) auf der Hantel habe. Tatsächlich sehe ich mich seit letzter Woche mit der Notwendigkeit konfrontiert, neue Scheiben dazuzukaufen. Nach drei Jahren Stagnation also endlich Bewegung in meinem mittlerweile vierzigjährigen Körper.

Früher habe ich auch gern Kampfsport gemacht, in meinem Fall Muay Thai, das viele als “Thaiboxen” kennen dürften. Es ist eine traditionelle Kampfsport Art, bei der Schläge, Tritte, Kniestöße und Ellenbogen eingesetzt werden dürfen. Ich hatte das Vergnügen bei einem namhaften Trainer zu trainieren, in einer renommierten Hamburger Rumpelbude, die Gym Kwan heißt und sich dadurch auszeichnet, ihre Kämpfer schon beim Training mit Holzlatten auf die Beine zu hauen, während sie zum Warm Up  Liegestütze machen.  Unser Trainer schrie dabei gern Dinge wie: “Ihr sollt leiden!” Und lief mit über dem Kopf wirbelndem Kung Fu Speer zwischen unseren Reihen hindurch, den wir ab und zu zu durch Schläge zu spüren bekamen. Dieses Gym ist voller netter Menschen mit Teamgeist und interessanten Charakteren – was mancher vielleicht nicht erwarten würde. Und es bringt noch heute die meisten namhaften Kämpfer aus dem Hamburger Umfeld hervor.

Leider wurde ich irgendwann zu alt dafür – ich war öfter verletzt und wusste, dass es mit dem Kämpfen nichts mehr werden würde in Zukunft. Ein guter Freund sagte damals zu mir, Kampfsport mache man, wenn man 16 ist und jemandem auf die Schnauze hauen will, aber in unserem Alter (damals war ich Mitte 30) ginge es vor allem darum, noch möglichst lange gut auszusehen.

Ich sah dies sofort ein und wechselte auf den Kraftsport. Jetzt kann ich niemanden mehr mit meiner Schnelligkeit beeindrucken, aber dafür kann ich, wenn es darauf ankommt, einen Kleinwagen anheben (Der Dodge Challenger von Matchbox ist ein gutes Beispiel). Das macht Spaß, fühlt sich gut an und vor allem versorgt es mich mit jeder Menge Dopamin. Und genau das brauche ich, um seelisch im Alltag in einer guten Verfassung zu sein. Es gibt zwei Dinge, die mich zu einem unverträglichen und inkompatiblen Subjekt machen: kein Training und zuwenig Kaffee.

Praktisch ist das Krafttraining mit Bodybuilding Elementen das Fundament für mein Schreiben. Allerdings könnte ich ohne Musik schlecht trainieren. Und das bringt mich zur zweiten Vorraussetzung für mein Schreiben: der Musik.

Musik

Sie ist für mich noch wichtiger als Filme. Ich bin ganz ehrlich der Meinung, dass ich niemals auch nur ein einziges Buch geschrieben hätte, wenn ich nicht Musik dazu gehört hätte, die mich bewegt und quasi den passenden Soundtrack für mein Buch bildet.

Für diejenigen, die selber Sport machen, möchte ich nicht vergessen, zu erwähnen, dass nachweislich das Hören der Lieblingsmusik eine Steigerung der eigenen Kraft um bis zu 20% zur Folge hat. Gemessen und untersucht. Wow.

Der Geschmack ist mit den Jahren vielfältiger geworden. In meinen Büchern findet sich so mancher Hinweis. Ab und zu leite ich Kapitel mit Textzeilen aus meinen Lieblingsliedern ein, oder habe Reminiszenzen in meinen Texten. In einem Roman, der in den Achtzigern spielt, weht der Sound von Kraftwerk durch den Garten, oder Lou Reed (viel zu früh gestorben) schrammelt irgendwas im Ghettoblaster. Für die Science Fiction würde ich sagen, dass Angels & Airwaves meine Hauptband sind, was Soundtracks für meine Romane angeht. Mancher kennt vielleicht Blink 182, die Punkrock spielen – allerdings mit starkem College Radio Einschlag, den ich sehr gut finde. Amerikanische Gute-Laune-Musik mit schönen Melodien. Der Sänger hat dann AVA gegründet – Angels & Airwaves. Angels & Airwaves haben mit Tom Delonge einen SciFi begeisterten Sänger – vermutlich deshalb erschaffen seine Sounds so phantastische Bilder in meinem Verstand.

Schon als Kind habe ich beim Hören von Musik Töne geschmeckt und diese auch als Formen gesehen. Ganz ohne Drogen. Bis heute ist es so, dass ich entweder richtige Filme sehe, oder Farben und Formen mit verrücktesten Strukturen. Besonders Elektronische Musik ist dort mächtig und funktioniert bei mir am Besten.

Zugeben muss ich, dass ich beim Training selbstverständlich HipHop und Rap höre. Man kann zu melancholischen Dark Wave Sounds einfach schlecht trainieren. Ich habe das mal versucht – da fühlen sich sogar leichte Gewichte furchtbar schwer an. Rap und HipHop, von T.I. oder Dr. Dre, ab und zu DMX – das pusht total und wenn man rumschreit, passt das auch gut in den Sound. Ich könnte mit Sicherheit keinen SciFi Roman schreiben, während ich das höre – aber für meinen Sport ist das super. Davon abgesehen kann man Youtube anmachen, den Sound darüber streamen und während der Pausen zwischen den Sätzen scharfe Mädels in kurzen Röcken zum Beat tanzen sehen. Für alte Säcke wie mich, die Motivation für das Training brauchen, genau richtig.

Ich hoffe, meine Frau findet das niemals heraus.

Filme

Viele Leser haben mir gesagt oder geschrieben und gemeint, ich schriebe sehr filmisch. Das höre ich sehr gern, da ich genau das will. Filme sind eine ganz tolle Sache, eine Kombination aus Bild und Ton, die eigentlich die meisten Menschen begeistern kann. Und ich würde lügen, dass sie mich nicht inspirieren würden. Ganz bestimmt haben die Kameraeinstellungen in Apocalypse Now (meinem Lieblingsfilm) meine Schreibweise entscheidend geprägt.

Ideen

Wie kommen mir die Ideen, wenn ich trainiert habe und Musik höre? Genau dabei. Ich höre Sound, bekomme ein Bild. Das kann ein Charakter sein, oder eine Szene. EARTHRISE – Gestrandet auf dem Mond hat so angefangen. Da waren zwei Astronauten, der eine älter, der andere jünger. Sie waren aus irgendeinem Grund auf dem Mond gefangen, hatten eine Bruchlandung hingelegt und mussten sich überlegen, wie sie sich retten konnten. Dabei entstand ein Dialog in meinem Kopf, ich hörte richtiggehend die Stimmen. Ich musste das aufschreiben, tat es und von da an entwickelten sich immer mehr Ideen. Kurz danach bretterte ich eines Morgens über die Autobahn und hatte Tangerine Dream in meiner Playlist. Das ist eine Band, deren Wurzeln bis in die Krautrock Zeit der Siebziger zurückgehen. Sie haben das schon gemacht, als ich noch nicht einmal geboren war. Bis heute finde ich ihre Musik faszinierend, da diese gleichermaßen atmosphärisch als auch treibend ist. Ich hörte “Valley of the Sun”, dachte über den Dialog der Astronauten nach und sah vor meinem geistigen Auge eine Saturn V Mondrakete von 1969 abheben. EARTHRISE war geboren und ich brauchte nur noch weiterschreiben, es kam alles ganz von selbst. Und so ist es immer, wenn ich schreibe – bin ich erstmal in der Stimmung, erlebe ich etwas, das viele als Flow bezeichnen. Etwas ist durch mich aktiv und ich brauche nur noch ausführen. Das ist manchmal ganz schön beunruhigend, wenn man sich das danach durchliest und denkt, wie bist du jetzt darauf gekommen. Als hätte jemand Anderes das geschrieben. Schreiben ist so, wie einen guten Film angucken, 3D und in Farbe. Meine Charaktere unterhalten sich mit mir, idealerweise unterhalten sie sich untereinander. Sie werden immer realer und ich könnte es nicht ertragen, sie nicht aufzuschreiben. Und je mehr ich schreibe, desto realer werden sie. Es ist ein bißchen, als würden sie sich bei mir für die ihnen entgegengebrachte Aufmerksamkeit bedanken.

Notizen

Normalerweise mache ich mir Notizen, wann immer mir etwas einfällt. Man bildet sich ja gern ein, dass man das schon alles im Kopf behält.

Ich sage, das ist falsch.

Man vergisst die meisten Dinge ganz einfach wieder.

Deshalb empfiehlt es sich, solche Ideen sofort aufzuschreiben. Besonders gern mag ich Ideen, die auf den ersten Blick nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben. Dann wird es echt. Ich sehe vor mir also eines Morgens eine Frauenhand, die sich in warmen Sand gräbt und auf das Meer hinausschaut. Ihre braunen Haare wehen in der Sommerbrise und es ist klar, dass ihr eine große Herausforderung bevorsteht, das kann ich spüren, wenn ich ihre sonnengebräunte Haut sehe und den Blick, mit dem sie jetzt in den Himmel schaut. Das wird meine Pilotin für die Rettungsmission in EARTHRISE 2. Und sie wäre es nicht geworden, wenn ich diese Idee nicht aufgeschrieben hätte.

Technisch gesehen sind die meisten Notizen bislang auf meinem iPad oder Handy. Allerdings ist mir das zu unpraktisch. Ich habe mir ein Notizbuch gekauft, in kleinem und handlichen DIN A 6 Format. Das passt in jede Tasche und ein Stift ist in einer kleinen Halterung an der Seite eingeklemmt. Schon jetzt stehen Ideen drin, die ich an einer Ampel hatte oder beim Mittagessen, welche ich aus Faulheit nicht in mein Handy gehackt hätte, die aber total schön sind.

An meinem Notizbuch geschnitten habe ich mich auch schon. Das geht, man muss nur in der Tasche nach etwas suchen und dann mit dem Finger über die Kante gleiten. Man kann sagen, ich unterschreibe seit Neuestem meine Geschichten mit Blut. Das macht doch sonst nur Goetz dingens, der sich mal gern auf Buchmessen selber ritzt, oder? So sieht echte Passion aus.

Womit ich schreibe

Am besten schreibe ich seit drei Jahren auf meinem iPad. Ich habe eine schöne Tasche, mit Tastatur. Es ist handlich, kann überall mit hin und ich kann die Füße hochlegen, mich mit extra starkem Kaffee auf die Couch legen und schreiben. Das ist besser, als mit einem Laptop und bietet alles, was ich brauche. Selbstverständlch fühle ich mich auch total überevolutionär, wenn ich sagen kann: ich schreibe alle meine Bücher auf dem iPad. Sozusagen die nächste Spezies der Autoren. Ein alter Millenial. Das einzige, was mich noch mehr reizen würde, wäre eine noch ältere Schreibmaschine mit großen, runden Tasten – vielleicht aus den Dreißigern. Aber im Zeitalter von elektronischem Publishing wäre das zeittechnisch gesehen Selbstmord.

Warum ich schreibe

Ich habe absolut keine Ahnung. Irgendwie war ich schon immer kreativ und konnte schlecht Basketball spielen, aber gut mit Worten umgehen. Vermutlich wurde ich auch irgendwie dahin getrieben, da viele Menschen meine Romane mögen, allerdings mag es keiner, wenn ich Gitarre spiele. Tatsächlich bittet man mich meistens zeitnah aufzuhören, wenn ich gerade ein Instrument spiele. Überwiegend auch vehement. Ich selber bin der Meinung, dass es sich prima anhört, aber irgendwie muss man auch mal der Schwarmintelligenz trauen. Und mittlerweile haben sich, gegenüber früher, auch die Zeitspannen verkürzt, vom Anfang des Spielens bis zu dem Moment, wo man mir befiehlt, mit dem Krach aufzuhören. Für mich heißt dass, das ich mit den Jahren und zunehmender Übung schlechter geworden bin.

Von daher macht das Schreiben mir deutlich mehr Spaß. Und vermutlich ist Spaß ganz wesentlich dafür, dass ich dranbleibe. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal Danke an meine Leser sagen. Jede e-Mail, jede Rezension, egal ob gut oder sehr gut, ist willkommen. Von denen, die schlecht rezensieren hätte ich gern die Adressen, einfach an management.gabriel.namara@gmail.com mailen, dann kann ich Euch die russische Mafia auf den Hals hetzen. Alle anderen kriegen, sofern sie konstruktiv kritisieren, immer das nächste Buch umsonst. Mittlerweile machen manche Leser von sich aus Lektorat für mich. Das ist eine Auszeichnung, über die ich mich unglaublich freue. Da ist er wieder, der Spaß. Von daher muss ich jetzt dringend mal an Teil 2 von EARTHRISE gehen.

Liebe Grüße, Gabriel

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Gastbeitrag von Independet Autor Gabriel Namara.

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