Was wichtiges zum Burka Verbot – und warum Haarspalterei hier gefährlich ist

burka-niqab

Das Burka Verbot

Momentan wird ja intensiv über ein mögliches Burka-Verbot diskutiert. An dieser Stelle möchte ich bewusst nichts dazu schreiben, ob ich ein solches befürworte oder nicht, ob es verfassungsrechtlich möglich ist, gesellschaftspolitisch sinnvoll, wie man es aus weiblicher Sicht sehen soll etc. etc. Es gibt gute Gründe die dafür und auch gute Gründe, die dagegen sprechen.

Burka oder Niqab – beides kann Vollverschleierung sein, muss aber nicht

Mir ist nur wichtig eine Sache klarzustellen: Burka-Trägerinnen im eigentlichen Sinn wird man in Deutschland wahrscheinlich nur einige Dutzend finden – und jetzt wird es leider etwas kompliziert, ich fasse daher nur das wesentliche Zusammen:

Die Burka (auch Burqu oder Barqa und einige andere Bezeichnungen) ist ein (gar nicht so) traditionelles afghanisches Gewand, bei dem der gesamte Körper und auch das Gesicht der Frau in bestimmter Form verschleiert werden. Eine Burka ist meist blau – das signalisiert Reichtum – kann aber auch andere Farben haben. Ursprünglich ist die Burka übrigens nur die Gesichtsverschleierung, der Begriff wird aber inzwischen oft für das gesamte Gewand verwendet, auch in Teilen der muslimischen Welt.

Davon zu unterscheiden ist der Niqab. Auch dies ist an sich nur ein Gesichtsschleier bzw. ein Tuch. Da er meist aber in Verbindung mit einem Tschador oder einem anderen langen Gewand getragen wird, ist führt er in der Praxis zu einer anderen Form der Vollverschleierung. Der Niqab stammt aus dem arabischen Raum und ist im Regelfall schwarz. Hinsichtlich der Bedeckung der Augen gibt es hier unterschiedliche Varianten – so kann die Augenpartie in unterschiedlichen Graden frei sein oder auch komplett bedeckt sein. Übrigens, auch bei der Burka ist nicht immer alles gleich: so können bei der pakistanischen Variante der Burka die Augen sichtbar sein…

Festzuhalten ist aber:

  • Sowohl Burka als auch Niqab können Formen der Vollverschleierung muslimischer Frauen sein.
  • Burka und Niqab haben aber Unterschiede, z.B. hinsichtlich der Art und Weise, wie sie getragen werden, wieviel vom Gesicht sichtbar ist oder welche Farben sie haben.
  • Im Westen hat sich Burka als Oberbegriff für die Burka im engeren Sinne und den Niqab (in Kombination mit dem Tschador) eingebürgert.

Vielleicht wäre es besser, von einem Vollverschleierungs- oder einem Burka- und Niqab-Verbot zu sprechen. Der Zug ist aber wohl abgefahren, die Diskussion ist zu sehr vom Begriff Burka geprägt. Auch in anderen europäischen Ländern ist es nicht anders, z.B. in Frankreich oder der Schweiz.

Ich bin mir in der Tat nicht sicher, ob ich schon eine Burka-Trägerin in Deutschland gesehen habe. Um dutzende Niqab Trägerinnen zu finden, bei denen die Augen fast oder auch gar nicht zu erkennen sind, muss man aber nur nach Bonn Bad Godesberg gehen. Einen qualitativen Unterschied sehe ich aber nicht.

Die nervige Haarspalterei von Fabian Köhler – und warum diese gefährlich ist

Was in dem Zusammenhang aber nicht sinnvoll ist, sind Beiträge wie der von Fabian Köhler (Schantall und die Scharia) in Bento. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass Burka und Niqab synonym verwendet werden. Verdrängt wird von ihm, dass es Varianten des Niqab mit Vollverschleierung des Gesichts gibt und die pakistanische Burka hingegen die Augen frei lässt (wie gesagt, es ist kompliziert).

Er kommt dann zu dem Ergebnis:

Die gute Nachricht dieser Recherche: Es gibt in Deutschland keine Frauen, die die Burka tragen müssen.

Dann ist das nicht nur zynisch Frauen gegenüber, die irgendeine eine Form der Vollverschleierung tragen müssen. Ich halte solche Artikel auch generell für gefährlich. Denn Köhler betreibt hier intellektuelle Haarspalterei, obwohl im bewusst ist, dass Burka inzwischen als Oberbegriff nicht nur für Vollverschleierung sondern gar für weitgehende Verschleierung verstanden wird. Bei Menschen, die eher islamkritisch eingestellt sind, erreicht er damit aber eben das Gegenteil. Und so ergänzt er auch sein Fazit:

Die schlechte: Burka-Gegner gibt es leider umso mehr.

Dass dies meisten der kritischen Kommentare eben seiner Haarspalterei vom hohen Ross aus geschuldet sind, will er nicht sehen.

Und gießt so Öl ins Feuer einer Diskussion, die mehr Ruhe und Sachlichkeit benötigt.

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