Griechenland, Europa und der Euro

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Es ein grundsätzliches Problem ist, unterschiedlich entwickelte Volkswirtschaften in eine gemeinsame Währung zu pressen – allein schon dadurch, dass Wechselkursanpassungen als Regelungswerkzeuge wegfallen. Ein Lesetipp dazu ist die Euro-Parabel, die das veranschaulicht.

Gäbe es eine echte „Europäische Union“ mit einem demokratisch gewählten Europäischen Parlament und einer Europäischen Regierung, würden sich andere Regelungsmöglichkeiten ergeben. Unvermeidlich darunter wohl ein finanzieller Transfermechanismus zwischen unterschiedlich stark entwickelten Regionen – den es durch die Staatsanleihenankäufe der EZB faktisch allerdings schon gibt.

Solch eine „Transferunion“ ist nach meinem Verständnis grundsätzlich notwendig, wenn man innerhalb eines inhomogenen gemeinsamen Wirtschaftsraums mit einer gemeinsamen Währung lebt. Zumindest dann, wenn auch gewisse Ansprüche an die sozialen Standards gestellt werden. Übrigens hat auch Deutschland einige diesbezügliche Mechanismen, z.B. den Länderfinanzausgleich, der an sich nichts anderes als eine bundesstaatliche Transferunion ist.

Eine gesamteuropäische Regierung der Euro-Staaten – gerade in den Bereichen Wirtschaft und Soziales – wäre also Voraussetzung für eine funktionierende gemeinsame Währung.

Allen, die jetzt über „die Griechen“ schimpfen, möchte ich folgendes zu bedenken geben: Deutschland und Griechenland bringen ganz unterschiedliche Voraussetzungen in vielerlei Hinsicht mit. Deutschland profitiert von vielen Faktoren: sehr fruchtbare Böden, kein Wassermangel, ehemals vielen Bodenschätzen (Kohle) und eine dadurch mögliche frühe umfassende Industrialisierung und nicht zuletzt das durch schnelles Vergeben und Fördern möglich gewordene Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Sprich, bei uns sind den letzten 150 Jahre Strukturen entstanden, für die es in Griechenland eben keine vergleichbaren Voraussetzungen gab.

Soll das Experiment Euro also langfristig funktionieren, geht das nur durch eine engere Union, einen Finanzausgleich, natürlich auch echtem Reformwillen und Geduld. All das muss den Bürgern der Euro-Staaten klar gesagt werden.

Insoweit war aber auch das griechische „Nein“ die richtigere Entscheidung, denn es kann im besten Fall dazu führen, dass es zu solchen Diskussionen und Prozessen kommt.

Doch befürchte ich, dass in den nächsten Tagen wieder nur halbherzige Entscheidungen folgen, die den Grexit wieder hinauszögern, wodurch die Haftungsrisiken erhöht werden und letztlich das Vertrauen in den Euroraum weiter schwinden wird.

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