Besser Assad als IS

The Gate of the Great Umayyad Mosque, Damascus, 1890Dass der „arabische Frühling“ gehörig in die Hose gegangen ist, sollte inzwischen jeder begriffen haben. Libyen ist ein failed State aus dem Bilderbuch, im einstmals toleranten Tunesien flüchten Christen und Juden vor den Islamisten und Ägypten ist ein tief gespaltenes Land, das schwerste wirtschaftliche Probleme hat.

Die Erwartung der westlichen Regierungen, im arabischen Raum würden nun auf einmal Demokratien nach ihrem Muster entstehen, habe ich nie verstanden – es gibt dort einfach keine gewachsene demokratische Tradition und derzeit wohl auch keinen echten Willen der Bevölkerung, eine solche zu erreichen.

Man kann nun lange darüber diskutieren, inwieweit Demokratie ein Wert für sich ist. Fakt ist aber: unter den arabischen Diktatoren war es unterm Strich in fast jeder Hinsicht besser, als es jetzt ist. Gerade für die übergroße Mehrheit der dort lebenden Menschen.

Damaskus ist wohl immer noch eine der tolerantesten Städte in der Region, was Religionsfreiheit angeht – das auch dank Assad. Sicher, mit unseren Wertvorstellungen konnte und kann man das Assad Regime nicht messen, aber es ist allemal besser als der IS. Obamas Vorstellungen von „gemäßigten Rebellen“ sind gleichfalls naiv. Ich schließe jede Wette ab: ist diese Opposition in Damaskus am Ruder, können sich Jesiden, Drusen, Juden und Christen dort sehr warm anziehen. Mossul lässt grüßen. Leider.

Klar ist: Es war und ist der wohl größte Fehler der westlichen Staaten, Assad nicht weiter zu unterstützen. Erst das hat den IS zu dem gemacht, was er ist.

Es klingt jetzt sicher zynisch, aber ich bin mir sicher, dass es besser gewesen wäre, Assad einige hunderte tote Islamisten durch die Niederschlagung der „Proteste“ durchgehen zu lassen, als nun mitschuldig zu sein, dass das Blut zehntausender Menschen vergossen wird.  An die langfristigen Folgen für den gesamten arabischen Raum mag ich gar nicht denken.

Viel Schaden ist also schon angerichtet – aber noch ist es nicht zu spät, Assad zu unterstützen.

Bild: (c) Allposters

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