Social Media, selbsternannte Experten und #occupygezi

Orient-ExpressAktuell halten sich viele Nutzer der sozialen Netzwerke für Türkei-Experten und liefern gleich umfassende Analysen der Lage in Istanbul und anderen türkischen Städten ab – all das nur aufgrund von in sozialen Netzwerken aufgeschnappten Informationsschnipseln und Momentaufnahmen. Sie meinen, sich daraus ein fundiertes Bild machen zu können.

Doch das ist ein Irrtum.

Denn um die Situation in der Türkei wirklich beurteilen zu können, braucht es verlässliche Quellen. Doch das sind die Beiträge auf twitter&Co eben nur bedingt, da nie klar ist, welche Intention und Gesinnung hinter der Veröffentlichung steht. Ein unabhängiges Bild machen kann sich mE nur der unabhängige Beobachter vor Ort, was mE z.B. ein Beleg dafür ist, wie wichtig kompetente Auslandskorrespondenten sind – ob diese jetzt klassisch berichten oder sich twitter & Co bedienen.

Zudem sollte man zur Beurteilung der Situation und zur Einordnung der Bilder in den Kontext nicht nur die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Türkei der letzten Jahre verfolgt haben, sondern auch profundere Kenntnisse der Geschichte der „modernen“ Türkei haben. Und die fehlt den meisten dieser selbsternannten Experten – mich eingeschlossen.

Gleichwohl will ich dann doch meine Einschätzung der Lage in #resistanbul und andernorts in der Türkei abgeben – auch wenn das ein Verstoß gegen meine eigene Regel ist, nur dann etwas zu schreiben, wenn man ansatzweise fundierte Kenntnisse dazu hat. Soviel meine ich aber verstanden zu haben: Im Grundsatz geht es um den Konflikt zwischen dem kemalistischen Laizismus der alten Eliten sowie der aufgeklärten Jugend einerseits und der von Erdogan und seiner Partei AKP zusehends betriebenen subtilen Islamisierung des türkischen Staates andererseits. Mehr habe ich dazu ersteinmal nicht zu sagen.

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Bild: (c) Allposters

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