Warum der Telekom-Drossselungs-Shitstorm reichlich übertrieben ist – eine Lanze für die Telekom

The Surrender of Breda, 1625, Detail of Soldiers with Lances, circa 1635Wie inzwischen wohl jeder mitbekommen hat, plant die Telekom ab 2016 die Geschwindigkeit von High-Speed Internetzugängen zu drosseln, wenn bestimmte monatliche Transfervolumen überschritten werden. Nachlesen kann man das im Telekom- Blog selbst. Seitdem ist über die Telekom ein riesiger Shitstorm hereingebrochen und auch die Politik meint, sich anbiedern zu müssen und postuliert schon fast ein Grundrecht auf die Flatrate.

Was bei der Diskussion untergeht: einige Anbieter haben schon entsprechende Beschränkungen. Zudem es ist noch gar nicht so lange her, da waren zeit- oder volumen-getaktete Tarifmodelle an der Tagesordnung. Und vor 23 Jahren musste ich mich von Bonn aus über den Münchener Compuserve Knoten ins Internet einwählen, um Gopher, Mail und Newsgroups nutzen zu können. Das „Web“ gab es damals noch gar nicht.

Natürlich, die Zeiten sind andere. Dass der Bandbreitenbedarf heute ein ganz anderer ist, wird niemand bestreiten. Und auch nicht, dass dieser in den nächsten Jahren weiter wachsen wird.

Dann darf man aber auch nicht verkennen, dass Glasfaserkabel, Peering-Points und LTE Basisstationen Geld kosten. Und dass natürlich die Telekommunikationsanbieter, die diese Technik bereitstellen Geld verdienen wollen und auch müssen.

Für die meisten Verbraucher dürften die Volumengrenzen ausreichend sein. Zuhause brauche ich ca. 40GB im Monat. Selbst mit meiner 100MBit Leitung kratze ich damit nicht einmal an der 70GB Grenze, die die Telekom für 16MBit Anschlüsse vorgesehen hat.  Mobil habe ich dann nochmals bis zu 10GB – und ist dort mein Highspeed-Volumen verbraucht, stocke ich es für 4,95 EUR wieder auf. Eine vergleichbare Möglichkeit wird es dann später bei den Festnetzanschlüssen geben.

Gut, bei den 40GB ist der Traffic, den das Digitalfernsehen (Unitymedia) verursacht, nicht eingerechnet. Und auch bei der Telekom wird das nicht Fall sein, soweit es Entertain und andere hauseigene Mediendienste betrifft.

Und hier ist der einzige Punkt, bei dem man kritisch nachhaken darf – Entertain-Traffic wird nicht angerechnet, Maxdome Traffic schon. Hierin könnte ein Verstoß gegen die Netzneutralität liegen, wobei seitens der Telekom argumentiert wird, dass die Kunden des hauseigenen Digitalfernsehens ja schon für den Dienst an sich bezahlen. Selbst wenn man dieser Argumentation nicht folgen will – hier ließen sich Lösungen finden, dass man sich z.B. bei bestimmten Tarifen für einen beliebigen Streaming Dienst entscheiden kann, der dann nicht auf das Volumenkontingent schlägt. Oder die Telekom öffnet Ihre managed Plattform, auf der Entertain läuft, für andere Anbieter. Möglichkeiten, das „Problem Netzneutralität“ zu lösen, gäbe es viele.

Letztlich ist das derzeitige Telekom-Bashing also mehr als überzogen.

Bild: (c) Allposters

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